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„Emotionalität in neuer Dimension“

07.10.2009

Magna Chef-Designer Mag. Andreas Wolfsgruber über neue Anforderungen an Formensprache und Design von künftigen Fahrzeugen, neue Antriebssysteme und die Crux mit der Vernunft.

KFZ Wirtschaft: Die Autos der Zukunft sollen billig, sparsam und umweltfreundlich sein. Welche Rolle wird Design in Zukunft als Verkaufsargument spielen?
Andreas Wolfsgruber: Design wird sich in zunehmendem Umfang der Frage widmen, wie die positiven Aspekte der neuen Antriebstechnologien für den Endkunden erlebbar gemacht werden können. So ist zum Beispiel das Thema Elektromobilität einerseits von vielen Hoffnungen, andererseits aber auch von negativen Aspekten wie einer geringen Reichweite besetzt. Bei der Formgebung der neuen Fahrzeuge geht es also darum, sowohl die Themen Umweltfreundlichkeit und Effizienz als auch das Vergnügen des lautlosen Dahingleitens zu vermitteln.

Welche Gefühle sollen beim Autokäufer durch die Formensprache angesprochen oder angeregt werden?
Positive Gefühle der Identifikation und der Freude an der Verwendung. Alle Dinge sollten ja zum sinnvollen, praktischen, sicheren und lustvollen Gebrauch entwickelt sein. Schritte in die Zukunft müssen behutsam gesetzt werden, damit das Fahrzeug als Transportmittel auch erlebbar ist.

Darf ein Designer noch mutig sein oder muss er nur noch vernünftig sein?
Ich denke, Vernunft alleine erzeugt auf Dauer Langeweile. Was das Forschen antreibt, sind die Neugier und der Spaß am Experimentieren mit Neuem. Man sagt ja nicht umsonst, dem Mutigen gehört die Welt. Es ist die Aufgabe eines Designers, die Zukunft anzudenken. Salopp gesagt: manchmal muss man auch ein bisschen „spinnen“ dürfen.
Welche Design-Ideen haben Sie beispielsweise bei der Magna Studie MILA EV umgesetzt?
In der geschwungenen Seitenlinie haben wir die Schwingungsamplitude des elektrischen Stroms zitiert, die Glasflächen zwischen Scheinwerfern und Seitenfenstern erinnern an die Verbindungen elektronischen Bauteilen auf Leiterplatten. Die Farbe des Fahrzeuges ist in einem dezenten Goldton gehalten, der nicht Protzigkeit sondern Hochwertigkeit vermittelt, wie die Goldstecker an sehr guten Stereoanlagen. Die Absicht war, dem Kunden ein Gefühl von hoher Qualität zu vermitteln und sein Vertrauen in die neue Technologie zu erwecken.

Hat MagnaSteyr bereits Industriepartner für die Entwicklung seiner MILA-Studien zu Serienfahrzeugen gefunden?
Das Ziel der MILA Konzeptstudien ist vorrangig, Technikträger zu sein, neue Konzepte zu untersuchen und neue Nischen aufzumachen. Gespräche mit potenziellen Partnern werden geführt.

An welchen Entwürfen arbeiten Sie derzeit?
Natürlich werden wir die in der MILA Family angedachten Themen weiter bearbeiten. Die wesentliche Frage ist jedoch immer, wie wird die Mobilität in 5, 10 oder 20 Jahren ausschauen? Unser zweiter großer Tätigkeitsbereich ist die Unterstützung der OEMs in der Entwicklung eines Designs zur Serienreife. Die Magna-Vorentwicklung in Graz mit insgesamt 50 Mitarbeitern hat reiche Erfahrung mit den Anforderungen der Produktion und ist für die Design-Abteilungen der Autohersteller kompetenter Ansprechpartner. An Ideen mangelt es in keinem Fall, es ist letztlich immer eine Frage der Umsetzbarkeit.

Welche neuen Design-Perspektiven ergeben sich durch die neuen Leichtbaumaterialien?
In Kleinserien sind diese Möglichkeiten bei weitem noch nicht ausgeschöpft, für die Volumenmodelle sind meiner Einschätzung nach die Grenzen sehr klar über den Preis definiert. Trotzdem muss man sich Gedanken darüber machen, das in den letzten Jahrzehnten ständig steigende Fahrzeuggewicht zumindest einzufrieren oder den Trend sogar umzukehren.

Welche aktuellen Fahrzeuge haben Ihrer Ansicht nach das gelungenste Design?
Diese Bewertung muss man immer auf den jeweiligen Einsatzbereich und die angesprochene Kundenschicht relativieren. In den letzten schwierigen Monaten in der Fahrzeugbranche haben sich jedenfalls gerade diejenigen Marken durchgesetzt, die auf konsequente Weiterentwicklung ihrer DNA gesetzt, also ein gelungenes Wechselspiel zwischen Wertbeständigkeit und Innovation zu Wege gebracht haben. Eine allzu radikale Formensprache oder bestimmte Modegags kommen vor allem in konjunkturschwachen Zeiten bei den Kunden weniger gut an. Allgemein kann man sagen, dass jene Modelle heute den größten Markterfolg haben, denen es gelingt, Qualität, Sicherheit und Wertbeständigkeit auch optisch zu vermitteln.

Wann wird es ein MagnaSteyr-Auto mit eigenem, unverwechselbarem Design geben?
Die Frage wird sich so nicht stellen. Wir haben immer gesagt, dass Magna für alle Kunden offen ist und bleiben wird. Ein Magna Steyr Auto wäre ein falsches Signal und wird auch intern nicht angedacht. Unser oberstes Prinzip ist es nach wie vor, das bestmögliche Produkt für unsere Kunden zu entwickeln und zu bauen. Dieser Anspruch wird in jeder Phase der Entwicklung auch durch die Kreativität unserer Designabteilung getragen.

Die aktuelle Retrowelle hat uns zuletzt gelungene Revivals des Mini und des Fiat Cinquecento beschert, die auch am Markt erfolgreich sind. Glauben Sie, dass auch die Ente als spartanisches Billigauto Chancen auf eine Wiedergeburt hat?
Der Citroën 2CV war tatsächlich ein Fahrzeug, das ganz auf den Zweck der kostengünstigen Fortbewegung von A nach B ausgelegt war und mit minimaler Ausstattung ausgekommen ist. Heute lässt sich schon aufgrund der Sicherheitsanforderungen ein derart reduziertes Konzept nicht mehr umsetzen. Ein Auto, das in den NCAP-Crashtests bestehen will, muss zumindest mit Airbags ausgestattet sein, und Sicherheitsfeatures kosten einfach Geld. Bei der Innenausstattung könnten neue puristische Konzepte aber sicher Käufer ansprechen. So sind zum Beispiel die mobilen Navigations- und Audio­geräte heute schon so hochwertig, dass man im Auto dafür nur die passenden Halterungen und Anschlüsse anbieten und auf eingebaute Geräte verzichten könnte.

A. Wolfsgruber
Nach Beendigung seines Studiums Industrial Design an der Universtität für angewandte Kunst in Linz begann Mag. Andreas Wolfsgruber seine Karriere als Designer für Fahrräder, Motorräder, Lkw und Busse bei Steyr Daimler Puch. Im Laufe der Jahre prägte Wolfsgruber die Designwelt des Unternehmens, bis er schließlich 2000 zum Chief Designer bei Magna Steyr aufstieg. Seitdem führt er ein internationales Designteam, das in Graz, Turin und Shanghai ansässig ist. Neben mehreren Kooperationen mit renommierten Designschulen hat Wolfsgruber 2003 den „Magna Moving Emotion Award“ ins Leben gerufen, um besonders attraktiven Design-Projektarbeiten Raum zu geben. 2005 präsentierte Wolfsgruber die erste Magna-Konzeptstudie „Mila“, die mit den Showcars „Mila Future“, „Mila Alpin“ und dem letzt gezeigten „Mila EV“ ihre Fortsetzung fand.

Autor/in:
Redaktion KFZ Wirtschaft
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