Direkt zum Inhalt

„Europa ist Leitmarkt für Elektromobilität“

11.04.2012

Zahlreiche Auszeichnungen für den Ampera, schwierige Zeiten für die Marke - Opels E-Mobility-Chef Enno Fuchs im Gespräch mit der KFZ Wirtschaft über Reichweitenangst und Batterieentwicklung.

KFZ Wirtschaft: Der Opel Ampera ist Car of the Year und rollt dieser Tage auch in Europa zu den Händlern – die Erwartungen sind enorm. Wird Opel die Elektromobilität revolutionieren?

Enno Fuchs: Wir sind Pioniere was das Thema Elektromobilität angeht und definieren ein gesamtes Segment neu, was die Reichweitenverlängerung angeht. Der Ampera hat durch seine Alltagstauglichkeit die Chance, die Elektromobilität einem breiten Markt schmackhaft zu machen.

 

Der Ampera wird als Elektro-Auto gehypt, das keinen im Stich lässt. Vielleicht, weil es kein Elektroauto ist?

Solche Aussagen lassen uns relativ kalt. Unsere Kunden zeigen uns, dass sie an den Ampera als Elektroauto glauben und wir glauben das auch. Wenn Sie den Ampera fahren, werden Sie merken, was ich meine: er hat alle Vorzüge eines Elektroautos, der viel Drehmoment bei niedrigen Umdrehungen bietet und überwindet den Nachteil des elektrischen Fahrens, nämlich dass das Fahrzeug stehen bleibt, wenn die Batterie leer ist.

 

Das Schwestermodell Chevrolet Volt läuft ja schon in Amerika: wie hat sich der Markt entwickelt und welche Markterwartungen ergeben sich für Europa?

Es ist schwer, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Europa wird der Leitmarkt für Elektromobilität sein, wir sehen auch, dass viele Regierungen klar dran arbeiten und auch danach handeln, wie etwa die Niederlande, Belgien, England und Frankreich. Es gibt einen festen Willen in Europa, Elektromobilität zum Erfolg zu machen. Wir brauchen das auch, um die umwelt- und energiepolitischen Herausforderungen zu lösen. Dazu brauchen wir natürlich eine Ladeinfrastruktur, die Politik muss die Rahmenbedingungen geschaffen.

 

Es heißt, es gebe 6.000 Bestellungen europaweit – wie lange wird man auf den Ampera warten müssen?

Der amerikanische Markt nimmt das Thema Elektromobilität nicht in dem Maße an wie erwartet, deswegen kann man Kapazitäten auch switchen. Wir werden trotz der gesteigerten Nachfrage in Europa hoffentlich über die Runden kommen und keine Kunden allzu lange auf die Fahrzeuge warten lassen.

 

Auch, wenn die Produktionsbänder derzeit still stehen?

Das ist ein kurzfristiges Element, um den Modellwechsel vorzubereiten, da es kleine Modifizierungen und Verbesserungen am Fahrzeug geben wird, gerade was die Ladetechnik angeht.

 

Elektromobilität ist für die breite Masse noch immer keine leistbare Alternative – wie sieht die Käuferschicht beim Ampera aus?

Die meisten Kunden, die dieses Fahrzeug kaufen, haben einen gewerblichen Hintergrund, das macht den Ampera aber nicht zum klassischen Flottenfahrzeug. Der höhere Preis, der sich in der Nutzung relativ schnell amortisiert, ist für den Privatkunden natürlich ein Hemmnis.

 

Wann wird sich der Ampera für Opel wirklich rechnen?

Wir müssen ohne Frage in für uns angenehmere Kostenregionen kommen. Hier trägt jeder Verkauf eines Elektroautos bei, egal welcher Marke. Wie schnell sich die Investitionen amortisieren, hängt ganz stark von den Marktentwicklungen ab, generell kann das schon ab der zweiten Generation möglich sein.

 

Mit dem vermehrten Einsatz von Elektroautos soll die Lärmbelastung sinken. Wo bleibt hier der Schutz der Fußgänger und Radfahrer?

Elektrisch fahren heißt umdenken, nicht nur für den Fahrer, sondern auch für die Umwelt. Natürlich ist das für alle Verkehrsteilnehmer eine Umstellung. Ich bin aber auch ein Gegner davon, Elektoautos mit Lärm auszustatten. Lärm ist ein Umweltschädigungsfaktor. Der Ampera bietet neben einer normalen Hupe eine Ergänzungshupe – wir nennen es das „friendly horn", das zum Einsatz kommen kann, wenn man in einer von Fußgängern oder Fahrradfahrern stark befahrenen Zone auf sich aufmerksam machen kann. Das Umdenken muss aber auf einer gesamt gesellschaftlichen Ebene stattfinden.

 

Elektromobilität hat ihre Grenzen: Kosten und Lebensdauer von Akkus sind alles andere als optimal. Wir haben die Lebensdauerbefürchtung bei den Akkumulatoren etwas entschärft und bieten eine Garantie für 8 Jahre. Aber natürlich hoffen wir, dass sich die Batterietechnik weiterentwickelt und auch leistbarer wird. Das Problem ist hier gar nicht mehr so sehr die Langlebigkeit: was eine Batterie schädigt, sind hohe thermische Energien, Schnellladen, Überladen etc. Im Ampera haben wir allerdings eine intelligente Batterieelektronik, die ein Überladen verhindert. Aber zweifelsohne ist hier noch einiges zu tun.

Autor/in:
Redaktion KFZ Wirtschaft
Werbung

Weiterführende Themen

Aktuelles
17.09.2020

Bereits heute betreibt Smatrics rund 250 Schnellladepunkte in Österreich, bis Ende 2021 sollen über 100 neue High Power Charging-Ladepunkte mit einer Leistung von bis zu 300 kw errichtet werden. ...

VW Kampagne auf Instagram
Aktuelles
17.09.2020

Volkswagen setzt auf den deutschen Rapper Eko Fresh und weitere Influencer, um seinen Economy Service in den sozialen Medien zu bewerben.

Benjamin Burhard ist seit 2013 für AkzoNobel tätig.
Aktuelles
16.09.2020

Der Farben- und Lack-Spezialist AkzoNobel gab eine wichtige Personalie bekannt: Manager Benjamin Burkhard wird das Unternehmen zum Jahresende verlassen. Heinz Piskay, Business Director Vehicle ...

2019 war die Welt noch in Ordnung, jetzt müssen sich potenzielle Messebesucher in Geduld üben.
Aktuelles
16.09.2020

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Getreu diesem Motto wird die AutoZum von Jänner 2021 auf März 2022 „verschoben“, so das offizielle Wording des Veranstalters. Fakt ist: Im nächsten Jahr wird die ...

Doris Wendler, Vorstandsdirektorin der Wiener Städtischen Versicherung
Aktuelles
10.09.2020

Eine Analyse der Wiener Städtischen zeigt, dass die Österreicher in den letzten zehn Jahren zu immer PS-stärkeren Autos greifen.

Werbung