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Feuer am Dach

23.09.2019

Die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt steht gewaltig unter Druck. Zahlreiche namhafte Hersteller stellten diesmal nicht aus. Es stellt sich die Frage: Braucht es eine derartige Messe heutzutage überhaupt noch?

Im Rahmen einer Branchenindex-Spezialbefra - gung (BIX), die BBE Automotive im Auftrag der Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (BDK) und von »kfz-betrieb« bei 100 Autohäusern und Servi - cebetrieben durchgeführt hat, gaben 48 Prozent der Autohausinhaber an, dass sie selbst oder ei - ner ihrer Mitarbeiter auf der Messe vorbeischau - en würden. Auf weniger Interesse stößt die IAA bei Werkstattbetreibern. Von ihnen gaben nur 27 Prozent an, einen Besuch zu planen. Dass die Mes - se unter Druck steht, zeichnete sich schon länger ab. Viele große Automobilmarken sind in diesem Jahr nicht mit einem eigenen Stand vertreten (Sie - he Seite 28). Aus der Studie geht eindeutig hervor, dass sich die IAA wird wandeln müssen. So gaben nur 40 Prozent der befragten Händler an, dass eine Messe wie die IAA notwendig sei. Fast jeder Vierte (22 %) hält den Branchentreff in Frankfurt dagegen für überflüssig, ein Drit - tel stimmte nur bedingt zu, dass es die Ver - anstaltung auch noch in Zukunft braucht.

„Auch der Kfz- Nachwuchs sieht die IAA kritisch. 57% glauben, dass die Messe keine Zukunft hat“ WOLFGANG BAUER, CHEFREDAKTEUR

„VIELFÄLTIGSTES AUTOHAUS“

Eine essenzielle Rolle dürfte bei jenen Werten gespielt haben, dass die kla - re Mehrheit der befragten Händ - ler kein gesteigertes Kaufinteres - se bei Kunden infolge der IAA sieht. Zwei Drittel verneinten einen solchen Effekt. Im Gegen - satz dazu hatte VDA-Präsident Bernhard Mattes als Ausrichter der Messe die IAA zuletzt als „vielfältigstes Autohaus“ be - zeichnet.

Selbst interessieren die Händler an der Messe vor allem Neuheiten der Hersteller (91 %). Zudem suchen sie nach Zukunftsperspektiven rund um die Mobilität (82 %). Als Plattform für Testfahrten, als die sich die IAA in diesem Jahr stärker als bislang sieht, eignet sich die Messe aus Sicht der Autohäuser dagegen kaum, nur ein Drittel zeigt daran Interesse. Werkstattbetreiber gaben an, dass für sie vor allem Informationen zu Neuheiten der Zulieferer von Bedeutung wären (82 %). Kritisch sieht die Perspektiven der IAA übrigens auch der Kfz-Nachwuchs. An einer 24-Stunden-Umfrage von „kfz-betrieb“ bei Instagram nahmen 841 Personen teil. Die Fragestellung lautete: „Glaubt ihr, dass die Messe noch eine Zukunft hat?“. Mit 57 Prozent stimmte eine klare Mehrheit für „nein“.

„ST. PÖLTEN IST NICHT PARIS“

Der mit Abstand längst dienende Interessenvertreter der Kfz-Branche, Einzelhandelssprecher Josef Schirak, der sich seit dem Jahr 1967 mit ganzer Kraft engagiert, nimmt sich im KFZ Wirtschaft-Interview kein Blatt vor den Mund (Siehe Seite 20). Zum Thema „Hersteller versus Händler“ merkt Schirak an, dass der Händler früher - aus Schiraks Sicht bis etwa Ende der 90er Jahre – gleichberechtigter Partner des Herstellers gewesen sei. „Heute sind die Händler die Leibeigenen, gleichsam nur noch die Vollstrecker von dem, was die Hersteller sich wünschen“, so der Einzelhandelssprecher. Und bringt es in Bezug auf „Standards“ auf den Punkt: „Es ist vermessen vorzugeben, dass in einer Kleinstadt derselbe Jaguaroder Land Rover- Schauraum stehen muss wie in Paris oder Rom. Deshalb habe ich immer für regional unterschiedliche Standards plädiert. St. Pölten ist nicht Paris“, so Schirak.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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