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Ford General Dzihic im Interview

14.11.2017

DANIJEL DZIHIC, Generaldirektor von Ford Österreich, spricht im KFZ Wirtschaft-Interview über das „Diesel-Bashing“, die aktuelle Marktsituation und die Umsatzrendite der Händler.

KFZ Wirtschaft: Herr Dzihic, lassen Sie uns unser Gespräch mit den politischen Rahmenbedingungen beginnen. Diesel-Bashing, im Raum stehende Fahrverbote: Was meinen Sie?
Danijel Dzihic: Was zuletzt so abgelaufen ist, da kann man sich nur an den Kopf greifen. Zum Teil haben die Publikumsmedien dieses Thema sehr grotesk aufgegriffen. Da wurde alles miteinander vermischt, da wurde nicht mehr differenziert. Letztlich wurde schlicht versucht, das Automobil bzw. den Individualverkehr zu diskreditieren.

Inwieweit ist Schaden angerichtet worden?
Wir spüren zurzeit noch nicht, dass die Restwerte bei Dieselmodellen leiden würden. Was aber sehr wohl spürbar ist, wenn auch auf niedrigem Niveau: dass es im Besonderen im B- und im C-Segment noch stärkere Benziner-Anfragen gibt. Selbst in klassischen Diesel-Segmenten wie beispielsweise beim Galaxy fragen die Menschen nach Benzinern, und das war noch nie der Fall. Die Menschen sind in jedem Fall verunsichert. Das erfordert mehr Aufklärungsarbeit für den Automobilhandel. Nach dem sogenannten Dieselskandal wurde die gesamte Branche als „Betrüger“ tituliert. Selbst Ford hat Schaden in puncto Kundenvertrauen erlitten, obwohl es bei uns keine illegale Software gegeben hat.

Wird all das in den Köpfen der Endverbraucher bleiben, oder wird jetzt alles besser werden?
Am wichtigsten ist Aufklärung. Das machen die Händler, die Hersteller und auch der Arbeitskreis der Automobilimporteure. Kraftstoffverbrauchsangaben werden immer genormt bzw. standardisiert sein und demnach nicht dem Realverbrauch entsprechen. Der tatsächliche Verbrauch hängt de facto von Hunderten Parametern ab.

Aber die Medien werden wohl nicht ausschließlich schuld sein.
Nein. Auch die Automobilhersteller haben sich nicht besonders clever verhalten. Mit Aufklärung und Lobbying hätten wir vieles in die richtigen Bahnen lenken können. Wir alle hätten aktiver sein müssen, von Anfang an.

Rechnen Sie mit Fahrverboten für Dieselfahrzeuge im urbanen Raum?
Nein, das halte ich für unwahrscheinlich. Ich glaube, dass die neue Regierung schlecht beraten wäre, Derartiges durchzusetzen. Es wurde bereits genug Schaden angerichtet. Ich plädiere dafür, den Ball flach zu halten. Jetzt geht‘s primär darum, wieder Vertrauen aufzubauen.

Wie sind die ersten drei Quartale für Ford Austria gelaufen? Wo stehen Sie in puncto Marktanteil?
Wir liegen momentan bei sieben Prozent Marktanteil. Und zwar Pkw und Nutzfahrzeuge kumuliert. Unser Credo ist ein nachhaltiges Wachstum. Heuer wollen wir zumindest um einen Zehntelprozentpunkt wachsen. Von 2015 auf 2016 haben wir einen Riesensprung gemacht, da haben wir den Marktanteil um 0,5 Prozentpunkte gesteigert. Tatsache ist, dass in unserem Business jedes Zehntelprozent hart erkämpft werden muss.

Was heißt das in absoluten Zahlen?
Im Jahr 2016 haben wir um 3.000 Fahrzeuge mehr verkauft als 2015. Heuer liegen wir nach zehn Monaten um 1.600 Fahrzeuge besser. Schön wäre, wenn wir schließlich sagen könnten, dass wir in zwei Jahren um 5.000 Autos mehr verkauft haben als davor.

Sie haben als langfristiges Ziel bei der Umsatzrendite für den Händler immer drei Prozent als Ziel genannt. Wie sieht es diesbezüglich aus? Sind Sie dieser Vorgabe nahe gekommen?
Wir sind auf bestem Weg, dass wir heuer zwei Prozent schaffen. Das wäre eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Da lagen wir bei 1,5 Prozent.

Das ist doch deutlich unter dem Ziel.
Ein Drittel unserer Partner macht mehr als drei Prozent Plus. Das zeigt, dass unsere Ziele letztlich machbar und realistisch sind. Bei jenen, die noch nicht so weit sind, muss es stetig in die richtige Richtung gehen. Sprich: kontinuierliche Steigerung.

Wie langfristig ist dieses Drei Prozent-Ziel?
Das kann auch in drei oder vier Jahren erreicht sein. Wesentlich ist ein solides Fundament. Kleine, stetige Schritte sind wichtig, und diesbezüglich sind wir in den letzten zwei Jahren absolut auf dem richtigen Weg.

Woran sehen Sie, dass Sie auf dem richtigen Weg sind?
Vor allem an der Investitionsbereitschaft unserer Händler. Wir haben immer gesagt: Wenn die Händler Geld verdienen, investieren sie von selbst in Ressourcen und in die Marke. Derzeit haben wir geradezu einen Investitionsboom. Wenn wir kontinuierliches Wachstum gewährleisten können, dann wird auch in die Marke investiert.

Inklusive der Agenturen und der Servicestützpunkte lagen Sie zuletzt bei insgesamt zweihundert Partnern.
Das ist immer noch so. Da sind wir stabil und gut aufgestellt.

Wie viele Händler sind aktuell Ford-Stores?
Neun.

Haben Sie quantitative Ziele? Sagen Sie, in drei Jahren wollen wir 20 Partner mit Ford-Stores haben?
Nein. Mit diesen neun Partnern decken wir Österreich hervorragend ab. Der eine oder andere kann aber selbstverständlich noch dazukommen.

Gibt es einen Händler, der die hohen Anforderungen für einen Ford-Store nicht mehr erfüllt? Der wackelt, dem Sie das wieder wegnehmen wollen?
Es gibt jährliche Audits. Wenn jemand die Standards nicht mehr erfüllen kann oder will, dann ist die Konsequenz klar.

Sie haben immer die „Power of Choice“ für den Endverbraucher betont. Man hat den Eindruck, dass Ford nicht so sehr auf alternative Antriebe setzt wie andere Hersteller, vor allem nicht auf Elektromobilität. Worauf warten Sie?
Das sehe ich nicht so. Wir waren bereits 2013 mit dem Focus Electric auf dem Markt, und da waren wir unter den Ersten. Wir haben’s versucht, und wir sind schlicht draufgekommen, dass es zu früh war. Für uns als Volumensmarke ist es essenziell, dass die Fahrzeuge praktikabel und leistbar sind. Wir haben einen klaren Fahrplan, wie wir 2020 durchstarten wollen. Wir müssen gewährleisten, dass sowohl Reichweite als auch Infrastruktur und vor allem auch die Leistbarkeit respektabel sind. Wir als Volumensmarke wollen und müssen diese Fahrzeuge auch volumensmäßig verkaufen.

Sehen Sie nicht die Gefahr, dass der Endverbraucher die E-Mobilitäts-Kompetenz eher bei anderen Marken ortet als bei Ford, wenn Sie verhältnismäßig spät dran sind?
In den USA sind wir klare Nummer zwei und stehen auch für Elektromobilität. Aber generell kann sich alles ändern. Vor zehn Jahren hat man etwa noch gesagt: Kauft einen Diesel! Sozusagen als Allheilmittel, als Lösung. Jetzt schimpfen alle über den Diesel. In zehn Jahren wird vielleicht Elektromobilität im Fokus der Kritik stehen.

Dann dürfte man ja gar nichts Neues machen, weil es ja auch schiefgehen könnte.
Elektromobilität wird ein wichtiger Teil am Gesamt- Antriebsmix werden, davon bin ich überzeugt. Aber sie wird definitiv nicht die Verbrenner zur Gänze verdrängen. Vielleicht wird in den nächsten fünf Jahren die Brennstoffzelle das heiße Thema sein. „Power of Choice“ heißt für uns auch, in alle Richtungen zu forschen und sich nicht zu einseitig zu fokussieren.

Nächstes Jahr kommt der neue Mustang. Nur ein Imageprodukt, oder kann man damit auch Geld verdienen?
Wir verkaufen ungefähr 300 Einheiten im Jahr. Das ist für das Sportwagen-Segment überaus gut. Zusätzlich ist der Mustang aber selbstverständlich ein vortrefflicher Imageträger. Der Mustang transportiert enorm viel Emotion. Und das ist genau das, was in unserem Geschäft wichtig ist. Wenn es nur noch um Excel-Sheets und den Preis geht, dann macht’s keinen Spaß mehr. Wesentlich ist die Emotion.

Was raten Sie Automobilhändlern? Worauf sollen sie sich konzentrieren?
Was den Unterschied ausmachen wird, ist der Kundenzugang. Jene Händler, die es schaffen, eine Kundenbeziehung aufzubauen und die Kunden ans Autohaus zu binden, die werden die Gewinner sein.

„Wenn die Händler Geld verdienen, investieren sie von selbst in Ressourcen und in die Marke.“ DANIJEL DZIHIC, GENERALDIREKTOR FORD ÖSTERREICH

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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