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„Guter Zeitpunkt für den Umstieg“

13.09.2013

Gerhard Kunit, technischer Leiter Kundendienst bei Wiener Netze, spricht im KFZ Wirtschaft-Interview über die Vorzüge von Erdgasautos, zeigt die Potenziale auf und erklärt, weshalb jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um auf ein Erdgasauto umzusteigen.

KFZ Wirtschaft: Herr Mag. Kunit, was leisten Wiener Netze in Bezug auf alternative Antriebe?
Gerhard Kunit: Wir haben zwischen 2003 und 2005 dafür gesorgt, dass das Tankstellennetz in Wien aufgebaut wird und haben eine gute Grundabdeckung erreicht. Wien ist so gut versorgt, dass es leicht ist, ein Erdgasauto zu betreiben. Derzeit gibt es in Wien 18 Tankstellen. Unser Netz geht über die Landesgrenze hinaus und verfügt auch in Niederösterreich über zwei Tankstellen.

Wie viele Tankstellen gibt es insgesamt, und ist ein weiterer Ausbau geplant?
Österreichweit gibt es gut 180 Erdgastankstellen. Derzeit ist kein weiterer Ausbau geplant, weil grundsätzlich eine Grundversorgung in ganz Österreich gegeben ist. Jetzt braucht es Autos, die die Tankstellen auslasten. Man könnte es auch so formulieren: Die Hennen sind da, jetzt warten wir auf die Eier.

Haben Sie auch Kunden erlebt, die nicht begeistert waren?
Ja. Gerade in der Anfangsphase hatten wir Reichweiten von 180 bis 250 Kilometer. Das war für einige zu wenig. Mittlerweile haben die Erdgasfahrzeuge Reichweiten von 400 Kilometer und mehr. Von den Autohändlern, mit denen wir zusammenarbeiten, haben wir indessen das Feedback, dass jene potenziellen Kunden, die ein Erdgasauto probefahren, es auch kaufen. Für uns ist auch wichtig, dass die Händler, mit denen wir kooperieren, selbst ein Erdgasauto anmelden und für Probefahrten zur Verfügung stellen. Der Kunde muss drinnen sitzen und es erleben, allein darüber zu reden, ist unsinnig.

Mit welchen Händlern kooperieren Sie?
Zurzeit mit drei VW-Händlern in Wien. Porsche Liesing, Porsche Oberlaa und VW Donaustadt. Alle drei haben zumindest ein Erdgasauto angemeldet. Für uns ist wichtig, dass diese Händler in unserem Nahgebiet sitzen. Die Endverbraucher erhalten von uns 200 Euro Tankgutscheine. Im Gegenzug wird das Erdgasemblem deutlich sichtbar auf dem Fahrzeug angebracht und damit für umweltfreundliche Antriebe geworben. Das Ziel jetzt heißt: Gesehen werden.

Wie viele Erdgasfahrzeuge sind zurzeit österreichweit unterwegs?
Laut Zulassungsstatistik 7000. Zwischen 2009 und 2011 gab es nur wenig Wachstum. Zum einen deshalb, weil medial und politisch Elektromobilität promotet wurden. Darüber hinaus war wegen der Wirtschaftskrise der Diesel relativ günstig und damit die grundsätzliche Ersparnis weniger ausgeprägt. Mittlerweile ist wieder größeres Interesse festzustellen, vor allem deutsche Automobilhersteller wollen in die Breite gehen.

Wie beurteilen Sie die Chancen, dass sich Elektromobilität flächendeckend durchsetzt?
Wenn man einen alternativen Antrieb sucht, den man sofort einsetzen kann, dann kommt man von der E-Mobilität weg, außer wenn ich beispielsweise jeden Tag 10 oder 12 Kilometer ins Büro fahre und wieder zurück und dort womöglich noch eine Steckdose habe, dann passt’s genau. Ich bezweifle, dass die heutige Technik bei der Elektromobiliät wirklich schon alltagstauglich ist. Vermutlich war man mit dem Propagieren und Pushen ein oder zwei Jahre zu früh dran. Im Grunde ist es so, wie es beim Erdgasfahrzeug vor sieben oder acht Jahren war. Hier finden wir jetzt den Weg aus der Nische und ich kann mir vorstellen, dass das bei der E-Mobilität in fünf oder zehn Jahren auch so ist.

Wie gestaltet sich Ihre Beratungstätigkeit?
Wir verschicken Kontaktmails, die aktuelle Aktion ist beispielsweise auf Gewerbebetriebe zugeschnitten. Teilweise auch bei Kundenanzeigen, die wir schalten. Interessenten setzen sich dann mit uns in Verbindung.

Was halten Sie von den politischen Ankündigungen? In Deutschland war die Rede von einer Million Elektrofahrzeuge bis zum Jahr 2020, in Österreich war von 250.000 die Rede.

Mit Prognosen bin ich sehr vorsichtig. Weniger, was die Richtung angeht als in Bezug auf das Datum. Viele Prognosen werden in der ersten Euphorie zeitlich viel zu kurz angesetzt. Wenn man mir prognostizieren kann, wo der Ölpreis 2017 liegt und wie hoch die Dieselsteuer ist, dann könnte man eher beantworten, wie’s 2020 mit den alternativen Antrieben aussieht.

Billiger werden Benzin und Diesel wohl nicht mehr werden.
Ich gehe davon aus, dass Flüssigtreibstoffe nicht billiger werden. Weder vom Rohstoffpreis her betrachtet noch von der Besteuerung. Bei den alternativen Antrieben wissen wir es in Wirklichkeit nicht. Ich denke aber, dass die Schere weiter aufgehen wird.

Was sind für Wien Netze die konkreten Interessen?
Wir haben ein handfestes Interesse daran, dass zusätzliche Erdgas-Fahrzeuge in den Markt kommen. Die traditionellen Erdgasanwendungen sind rückläufig, was grundsätzlich positiv ist, weil Energie gespart wird. Es werden z.B. energieeffiziente Häuser gebaut und energieeffiziente Gasgeräte eingesetzt. Der normale Heizungsmarkt ist damit leicht rückläufig. Die Kosten der Infrastruktur bleiben annähernd gleich, egal wie viel Gas tatsächlich durch die Rohe schießt. Mit einem Plus an Erdgasautos wollen wir erreichen, dass die Infrastruktur weiterhin kostengünstig betrieben werden kann.

Für Sie ist das Potenzial bei Gewerbekunden nach wie vor wesentlich größer als bei Privaten?
Ja. Für uns ist die Logistik in der Stadt wichtig. Vom Installateur bis zum Bäcker, vom Botendienst bis zum Taxi. Das sind Bereiche, die weiterhin am Auto festhalten werden.
Die zweite essenzielle Zielgruppe sind die Pendler. Viele fahren viele Kilometer und haben mit dem Umstieg auf Erdgas eine wirklich deutliche Kostenersparnis. Wenn der Pendler auf seiner Stammstrecke eine oder zwei Tankstellen hat, kann er die Kostenvorteile sofort umsetzen. Die dritte Zielgruppe sind umweltbewusste Individualisten, die – vielleicht trotz allem – ein Auto benötigen. Für jene ist Erdgas sicher eine gute Alternative.

Warum soll die Politik alternative Antriebe  fördern?
Einerseits sieht man heute, dass Erdgasfahrzeuge großes Potenzial in puncto Klimaschutz und CO2-Einsparung haben. Darüber hinaus sind die Themen Feinstaub und Stickoxyde ein brisantes Thema, vor allem in der Großstadt.

Wie ist ihr Feedback von Erdgasautobesitzern?
Jemand der ein Erdgasauto fährt, findet genügend Tankstellen, hat eine ausreichende Reichweite und die echten Kostenvorteile sind höher, als es den Normverbräuchen entspricht. Jetzt ist jedenfalls ein guter Zeitpunkt, um umzusteigen. Die NoVA-Begünstigung ist da, die Förderung der Stadt Wien (Anmerk. d. Red: 1000 Euro, Voraussetzung: Zulassung in Wien) ist da, und die Treibstoffkosten-Differenz passt wieder.

Gibt’s bei Wien Netze quantitative Ziele?
Noch nicht. Derzeit sind wir im Wiederaufbau des Marktes. Das Potenzial ist da. Ich denke, dass man mehrere Tausend Autos pro Jahr schaffen könnte, aber heuer noch nicht.

von Wolfgang bauer

Autor/in:
Redaktion KFZ Wirtschaft
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