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Händler schultern Dieselkrise

14.09.2017

Zahlreiche Automobilhändler fürchten ob der aktuellen DIESELKRISE zu Recht um ihre Existenz. Während Hersteller und Endverbraucher mit den Resultaten des Dieselgipfels gut leben können, tragen den Gutteil der Gesamtlast einmal mehr die Händler.

Laut einer aktuellen Umfrage des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) , in dem sowohl markengebundene als auch freie Automobilhändler organisiert sind, geben satte 82 Prozent der Befragten an, dass sie wegen der Dieselkrise die Existenz ihres Unternehmens gefährdet sehen. Mehr als vier von fünf Händlern fürchten also, dass ihre Verpflichtung, in den kommenden zwei Jahren Dieselautos aus Leasingverträgen zu vereinbarten Preisen zurücknehmen zu müssen, die auf dem Gebrauchtwagenmarkt nicht mehr zu erzielen sind, ein „existenzielles Risiko“ darstellt.

HOHE VERLUSTE

Tatsache ist: Die Restwerte für gebrauchte Dieselautos sinken und werden weiterhin kontinuierlich sinken. Gemäß Daten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) sanken die Preise für drei Jahre alte Diesel-Gebrauchtwagen im Schnitt auf nur noch 55 Prozent des Listenpreises, während die Restwerte von Benzinern stabil über 56 Prozent blieben. Permanente Diskussionen über etwaige Fahrverbote für Dieselautos bewirken, dass die ursprünglich kalkulierten Leasing-Restwerte - im Besonderen jene von Euro 5-Dieseln - markenübergreifend nicht zu halten sein werden. Die Verluste beim Wiederverkauf der Fahrzeuge, die zurückgenommen werden müssen, werden in jedem Fall sehr hohe sein.

Betroffen sind vor allem Automobilhändler, die im Flottengeschäft mit Dienstfahrzeugen tätig sind. Denn in diesem Segment kommen oftmals mit einem Schlag dutzende Autos zum Händler zurück, die sodann entweder lange Zeit unverkäuflich bleiben oder mit überaus hohen Abschlägen weitergegeben werden müssen. Jetzt ist Eile geboten. Die Automobilhersteller bzw. Banken und Leasinggesellschaften müssen unverzüglich mit den Händlerverbänden Lösungen erarbeiten, um die Gesamtlast von den Händlern zu nehmen.

Es ist darüber hinaus davon auszugehen, dass die Preise für Diesel-Gebrauchtwagen fortan noch weiter sinken werden. Das liegt an den sogenannten Ökoprämien, die zahlreiche Hersteller bei einem Neuwagenkauf ausschütten. Das wird zu einer erhöhten Nachfrage nach Neuwagen bei Endverbrauchern führen, die sich ansonsten für einen neueren Gebrauchten entschieden hätten. Die Folge: sinkende Nachfrage nach den zumeist noch verhältnismäßig jungen Leasing-Rückläufern.

„Betroffen sind vor allem Händler, die im Flottengeschäft mit Dienstfahrzeugen tätig sind.“ WOLFGANG BAUER

DIESELGIPFEL

Der österreichische Dieselgipfel (siehe Seite 12) hat folgendes Ergebnis gebracht: Software-Updates für Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 5 und Euro 6 sowie Ökoprämien der Hersteller. Importeurssprecher Günther Kerle hat recht, wenn er meint, dass die Automobilindustrie beim Dieselgipfel „gut ausgestiegen“ ist. Angesichts der zu erwartenden Rabattschlacht sind selbstverständlich auch die Endverbraucher gut ausgesteigen. Übrig bleiben lediglich die Händler, die wieder einmal die Krot schlucken müssen. Hersteller, Banken und Leasinggesellschaften sind nun aufgefordert zu helfen.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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