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PROFESSOR BURKHARD ERNST, LGO WIEN

„Hersteller werden Vertrieb übernehmen“

20.11.2019

Wiens LGO Professor BURKHARD ERNST spricht im KFZ Wirtschaft-Interview über die aktuelle politische Situation, die Zukunft des Automobilhandels und über das Ziel der Hersteller, den Vertrieb komplett an sich zu reißen.

KFZ Wirtschaft: Herr Professor Ernst, zur aktuellen politischen Situation: Begrüßen Sie die Koalitionsverhandlungen der ÖVP mit den Grünen?
Burkhard Ernst:
Mit den Grünen habe ich grundsätzlich ein Problem. Insbesondere mit den Wiener Grünen, die sehr weit links stehen und Autohasser sind. In den Bundesländern gibt es teils pragmatische Grüne, da ist das Problem nicht so drastisch.

Wird’s überhaupt zu einer Koalition kommen?
Meine Wunschkoalition wäre eine andere. Eine Schwarz-Rote ohne Pamela Rendi-Wagner. Das würde dem Wählerwillen einerseits am meisten entsprechen, andererseits ist unsere Republik mit diesen beiden Parteien groß geworden. Die beiden sollten wieder die Verantwortung tragen.

Die FPÖ ist für Sie kein Thema?
Nein. Ich war nie ein Freund der FPÖ. Mir ist diese Partei zutiefst zuwider. Ich bin Humanist. Laut einer aktuellen OGM-Umfrage wollen 70 % der Endverbraucher im Autohaus kaufen. Was kriege ich vom Händler, was ich im Internet nicht kriege? Eine persönliche Beratung. Ein Eingehen auf individuelle Bedürfnisse. Und letztlich: einen individuellen Preis. Auch wenn das zuweilen als nicht mehr zeitadäquat heruntergespielt wird: Tatsache ist, dass jeder Kunde beim Kauf seinen Rabatt will. Das Handeln hat sich über viele Jahrzehnte eingebürgert und ist de facto nicht wegzukriegen.

Ist das Handeln wirklich der Hauptgrund, weshalb Menschen ins Autohaus gehen?
Ob es der Hauptgrund ist, kann ich nicht sagen. Aber es ist jedenfalls ein triftiger Grund. Menschen, die neue Autos kaufen, sind in der Regel über 40 Jahre alt. Das sind also noch nicht die Digital Natives.

„Tatsache ist, dass jeder Kunde beim Autokauf seinen Rabatt will.“ PROFESSOR BURKHARD ERNST, LGO WIEN

Besteht nicht die Gefahr, dass wir von uns selbst ausgehen, ein heute Zwanzigjähriger aber diese Bedürfnisse nach persönlicher Beratung et cetera gar nicht hat?
Stimmt, die Gefahr besteht. Ich versuche mich deshalb bei meinen Kindern und ihrem Umfeld schlau zu machen. Und da gibt es sehr unterschiedliche Aussagen: manche sagen, ich kaufe nur im Internet. Andere legen großen Wert auf persönliche Betreuung.

In den 90er-Jahren wurde das Thema „Beratungsdiebstahl“ vehement diskutiert: ob schon die Beratung etwas kosten soll. Ist die Umsetzung realistisch?
Nötig wär‘s. Weil nicht einzusehen ist, dass sich ein Händler die Mühe macht zu beraten, eine Probefahrt organisiert et cetera, und der Kunde kauft dann im Internet zum billigsten Preis. Das ist nicht in Ordnung.

Was wäre zu tun?
Es ist schwer vorstellbar, dass der Kunde ins Geschäft kommt, einen Beratungsbon kauft und damit zum Verkäufer geht, um sich beraten zu lassen. Es ist wohl nicht umsetzbar und nicht realistisch. Tatsache ist, Beratungsdiebstahl hats immer gegeben, auch vor dem Internetzeitalter. Früher hat sich der Kunde auch schon beim einen Händler fundiert beraten lassen und hat dann beim anderen zum niedrigeren Preis gekauft.

Sie waren immer skeptisch gegenüber der Elektromobilität.
Ich halte Elektroautos für eine temporäre Erscheinung. Es wird etwas erfunden werden, das eine echte Alternative darstellt. Nicht unbedingt eine neue Antriebsform, sondern ein neuer Brennstoff oder komplett neue Batterien.

Wie schaut das Autohaus der Zukunft aus? Hat es überhaupt eine Zukunft?
an wird selbstverständlich nicht mehr so viele Modelle wie möglich im Schauraum stehen haben. Es wird sich auf Herstellerseite einiges tun. Es wird weniger Automarken geben. Und die Hersteller werden den Vertrieb irgendwann zur Gänze übernehmen.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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