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Für ZKW-CEO Oliver Schubert ist  der Matrix-LED-Scheinwerfer aus  Wieselburg ein echtes Hightech- Meisterstück.

„Heuer schaffen wir die Milliarde“

21.02.2017

Oliver Schubert, CEO des Wieselburger Scheinwerferspezialisten ZKW, spricht im Interview mit der KFZ Wirtschaft über neue intelligente Lichtsysteme sowie über die Perspektiven des 
österreichischen Zulieferers auf dem globalen Kfz-Markt. 

KFZ Wirtschaft: Herr Schubert, ist die technische Entwicklung des Scheinwerfers nach Halogen, Xenon und LED nun beim Laserlicht angekommen? 
Oliver Schubert: Unser Laserscheinwerfer für den BMW i8, den wir in Kooperation mit BMW entwickelt haben, ist derzeit die höchste ­Evolutionsstufe der Scheinwerfertechnologie. Laserdioden ­haben eine um 70 Prozent höhere Lichtausbeute und benö­tigen 75 Prozent weniger Platz als LEDs. Das freut die Designer, die sich immer kleinere Leuchten wünschen, und das freut die Hersteller, die ihre Autos immer leichter machen wollen, um Sprit zu sparen.

Ist diese Technologie auch für Mittelklasse-Pkw massentauglich oder wird sie Premiumfahrzeugen vorbehalten bleiben?
Wir entwickeln den Laserscheinwerfer derzeit vom punktuellen Fernlicht zum Voll-Fernlicht weiter. Wie jede Innovation kommt auch diese aufgrund der anfangs kleinen Stückzahlen und dadurch relativ hohen Kosten zuerst in der Premiumklasse zum Einsatz. In weiterer Zukunft wird sie wie auch unser Matrix-LED-Scheinwerfer, der bereits im Opel Astra angekommen ist, in die Mittelklasse einziehen. Durch den Skaleneffekt wird der Stückpreis dann deutlich günstiger werden.

Stichwort Kosten: Matrix-LED-Scheinwerfer kos­ten mehrere tausend Euro und werden als Zusatzausstattung angeboten. Sind viele Kunden bereit, für Scheinwerfer so viel Geld auszugeben?
Ich habe erst heute eine Meldung hereinbekommen, die mich sehr gefreut hat. In Norwegen entscheiden sich bereits 84 Prozent aller Käufer des Opel Astra für ein Modell mit Matrix-LED-Scheinwerfern. Das zeigt, dass die Leute immer noch bereit sind, Geld für Zusatzausstattung auszugeben. 

Früher musste man im Laufe eines Autolebens mehrmals die Glühbirnen eines Scheinwerfers tauschen. Ist das bei den neuen Lichtsystemen überhaupt möglich?
Die LED-Scheinwerfer sind wie heute schon die meisten anderen Komponenten im Fahrzeug auf Wartungsfreiheit und eine Haltbarkeit über die gesamte Lebensdauer ausgelegt. Wir führen in der Entwicklung umfangreiche Dauerhaltbarkeitstests durch und können daher einen großen Zeitpuffer bis zum endgültigen Verschleiß einbauen. 

Welche Rolle kommt dem Scheinwerfer bei der Entwicklung des autonomen Fahrzeuges zu?
In unserem Werk in Wiener Neustadt konzentrieren wir uns auf die Entwicklung der Elektronik und Sensorik für unsere Lichtsysteme, da dieser Bereich immer mehr an Bedeutung gewinnt. Vor nicht allzu langer Zeit hat es nur einen einfachen Schalter für Abblend- und Fernlicht gegeben. In naher Zukunft sollen die Systeme die optimale Ausleuchtung der Straße völlig selbstständig übernehmen. Das Umschalten wird stufenlos und daher vom Fahrer unbemerkt geschehen. Natürlich sorgen die Sensoren auch dafür, dass der entgegenkommende oder vorausfahrende Lenker nicht geblendet wird, denn Sicherheit steht bei unseren Entwicklungszielen an oberster Stelle. 

Auf welche Automobilhersteller fokussiert sich ZKW als Zulieferer?
Wir zählen große Automobilhersteller zu unseren Kunden, darunter Audi, VW, BMW, Porsche, Daimler, Opel, Škoda, Volvo Car, MAN, Scania Truck oder Volvo Truck. In Österreich beschäftigen wir insgesamt 3.200 Mitarbeiter in unserem Stammwerk in Wieselburg und im Elektronik-Werk in Wiener Neustadt. Dazu kommen weitere 4.300 Mitarbeiter in unseren Niederlassungen in der Slowakei, Tschechien, USA, Mexiko, China und Indien. Im Vorjahr konnten wir unseren Umsatz um 25 Prozent auf 986,5 Millionen Euro steigern, und ich bin zuversichtlich, dass wir 2017 die Milliarde schaffen – eine magische Zahl.

Betreffen die Maßnahmen Donald Trumps zur Stärkung der US-amerikanischen Automobilindustrie auch ZKW mit seinem Werk in Mexiko?
Wir haben unser Werk in Mexiko im Mai 2016 auf einem größeren Grundstück eröffnet, um in Zukunft Platz für eine eventuelle Erweiterung zu haben. Wir beobachten die Entwicklung im Nafta-Raum natürlich genau und werden zu gegebener Zeit die Kapazitätserweiterung und die damit verbundene Standortentscheidung nach Anforderung unserer Kunden treffen. 

Ist Österreich für ZKW als Headquarter und Standort für Forschung und Entwicklung weiterhin attraktiv?
Absolut. Wir sind der größte Arbeitgeber der Region und können uns über gut ausgebildeten Nachwuchs nicht beklagen. Wir haben zahlreiche Abgänger von FHs, HTLs und technischen Universitäten und bilden diese in unseren Niederlassungen kontinuierlich weiter. Da wir unseren Mitarbeitern viele Entwicklungsmöglichkeiten bieten, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice ermöglichen und für die Frauen familienfreundliche Lösungen finden, ist die Bindung an unser Unternehmen sehr stark. 
 

Autor/in:
Peter Seipel
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