Direkt zum Inhalt

Hochspannende Fehlersuche

29.11.2018

Ein sechs Jahre alter OPEL AMPERA schlägt immer dann Fehleralarm, wenn er bergauf fährt. Da der Elektro-Benzin-Hybrid zum Fuhrpark des ÖAMTC gehört, machen sich die Hochvoltexperten des Autofahrerclubs auf die Suche nach der mysteriösen Ursache.

Peter Pinter, Hochvoltspezialist im Autohaus Ebner in Brunn am Gebirge, analysiert den Defekt.
Der mit komplexer Elektronik ausgestattete Wechselrichter hat das Ölbad nicht gut vertragen.
PETER SEIPEL ERFAHRUNGEN MIT ELEKTRO-DEFEKTEN

Elektroautos sind heute noch äußerst seltene Gäste in freien Kfz- Werkstätten. Das liegt zum einen an ihrer geringen Verbreitung und zum anderen an den langen Garantiefristen. Denn die Defekte an elektrischen Antriebssystemen werden von den Herstellern bevorzugt in markeneigenen Kompetenzzentren repariert, da die Erkenntnisse daraus in die Entwicklung weiterer Modelle einfließen sollen. Dank ihres technisch vergleichsweise simpel aufgebauten Antriebs sind Elektroautos deutlich weniger fehleranfällig als Benziner oder Diesel.Noch mangelt es den Herstellern aber an Erfahrung mit der Haltbarkeit der Komponenten. Der Wechselrichter des Opel Ampera wurde daher im Zuge der Reparatur einfach ausgetauscht. Mit der zunehmenden Verbreitung von E-Fahrzeugen werden die Hersteller aber auch dem einträglichen Reparaturgeschäft mehr Aufmerksamkeit widmen. Dann wird man hoffentlich auch in freien Werkstätten eine defekte Kabeldichtung tauschen dürfen, anstatt eine mehrere tausend Euro teure Komponente komplett austauschen zu müssen.

Hochvolt-Anlage fehlerhaft“ – die Meldung erscheint am Armaturendisplay des Opel Ampera, Baujahr 2012, sobald die Fahrt bergauf geht. „Der Wagen ist zwar problemlos gefahren, doch haben wir uns sicherheitshalber auf die Suche nach dem versteckten Defekt gemacht“, erzählt Christian Klejna, der als technischer Instruktor in der ÖAMTC-Zentrale in Wien-Erdberg stationiert ist. Klejna ist einer von vier Techniktrainern, die die gelben Engel im Rahmen von Weiterbildungskursen auf dem neuesten Stand der Automobiltechnik halten. Obwohl er selbst zum Hochvolt-Experten ausgebildet ist, hatte er bisher noch wenig Gelegenheit, konkrete Erfahrungen mit Defekten an Elektroautos zu sammeln. Die Fehlermeldung des Ampera, der den ÖAMTCMitarbeitern für Dienstfahrten zur Verfügung steht und bereits 105.000 Kilometer auf dem Tacho hat, kommt ihm daher nicht ganz ungelegen.

● Zuerst wird der Ampera an ein Diagnosegerät angeschlossen. Das Bosch KTS 890 gibt gleich mehrere Fehlermeldungen aus, darunter Probleme mit der Hochvoltanlage, der E-Maschine und der Hochdruckpumpe, aber auch Isolationsfehler und ein defektes Trennrelais.

▶ Mithilfe des speziellen Hochvolt-Prüfgerätes HV Safety 2000 aus dem Hause AVL Ditest versuchen die ÖAMTC-Techniker nun, den Fehler genauer einzugrenzen. Mit dem Messgerät werden unter anderem die Isolationsfestigkeit sowie der Onboard-Isolationswächter überprüft.

▶ Nach mehrmaligen Kontrollen gerät die im Getriebe untergebrachte Hochdruck-Ölpumpe mit einer besonderen Häufigkeit an Fehlermeldungen in den Fokus der Ermittler.

▶ Es folgt eine Überprüfung der Werte des Wechselrichters, da dieser die Ölpumpe steuert.

▶ Die Werte erweisen sich zwar als korrekt, doch die Sichtkontrolle zeigt, dass der Stecker der Pumpe am Wechselrichter ungewöhnlich stark mit Öl verschmutzt ist.

▶ Da die achtjährige Herstellergarantie des Ampera erst in zwei Jahren abläuft, bringt Klejna den Wagen zum Autohaus Ebner in Brunn am Gebirge, wo elektrifizierte Opel- Fahrzeuge gewartet und repariert werden.

▶ Opel-Hochvoltspezialist Peter Pinter vom Autohaus Ebner öffnet das Gehäuse des Wechselrichters und stellt fest, dass dieses bereits mit Öl gefüllt ist. Eine nähere Untersuchung zeigt, dass die Abdichtung des Kabels der Ölpumpe zum Wechselrichter undicht ist. So konnte das Öl aus dem Gehäuse der Hochdruckpumpe in den Wechselrichter gedrückt werden. Das Kabel diente dabei als Leitung, der Druck reichte für den Aufstieg von der tiefer liegenden Pumpe zum Wechselrichter aus.

▶ Die Erklärung für die beim Bergauffahren erscheinende Fehlermeldung: Bei der Neigung des Wagens war das Öl über die Platine geschwappt und hatte einen Fehlkontakt verursacht – Fall gelöst.

Autor/in:
Peter Seipel
Werbung

Weiterführende Themen

Bei einem 16 Jahre alten Auto ist mit Verschleißerscheinungen an den Kabeln zu rechnen.
Service
14.09.2017

Der gemeine Fehlerteufel verschont auch private Fahrzeuge von ÖAMTC-Mitarbeitern nicht. Im Grazer Stützpunkt der Gelben Engel beschäftigt das Aufleuchten der Motorwarnleuchte in einem MERCEDES SLK ...

Service
01.08.2017

Diesmal behandeln wir einen gleichermaßen mysteriösen wie spektakulären Fall, bei dem der Lenker eines ELEKTROAUTOS sein Fahrzeug nicht mehr abstellen konnte. Zum Glück hatte seine Werkstatt ...

Diagnosekrimi
16.06.2017

Ein aus Japan importierter BMW 635 CSi macht seinem Besitzer viel Freude, ärgert ihn aber eines Tages mit einem unrunden Leerlauf. Erste Reparaturmaßnahmen bringen nicht den gewünschten Erfolg, ...

Service
19.04.2017

Ein FORD GALAXY, der sich nicht mehr anstarten lässt, wird in die Werkstatt geschleppt. Der Verdacht des „Gelben Engels“, dass der Starter defekt ist, stellt sich nach näherer Untersuchung doch ...

Es muss nicht immer gleich ein Austausch sein.  Auch elektronische Bauteile können mechanische ­Defekte haben, die sich reparieren lassen.
PLUS
07.01.2017

Ein sieben Jahre alter Audi A3 verweigert mit Einbruch der kalten Jahreszeit seinen Dienst. Zuerst steht der Dieselpartikelfilter unter Verdacht, doch der wahre Täter versteckt sich tatsächlich an ...

Werbung