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Kia-Boss Alexander Struckl im Interview

11.04.2019

Seit Jahresbeginn lenkt ALEXANDER STRUCKL die Geschicke von Kia Austria. Wohin die Reise gehen soll, verrät Struckl der KFZ Wirtschaft im Interview im Wiener Traditionskaffeehaus Landtmann.

DATEN & FAKTEN

Alexander Struckl (48) fungiert seit Jahresbeginn als Managing Director von Kia Austria. Struckl blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Automobilbranche im In- und Ausland zurück. Seine Laufbahn umfasst Controlling, Produktmanagement und Vertrieb sowie Geschäftsführung. In den vergangenen acht Jahren lenkte er die Geschicke der Niederlassung von Opel in Österreich.

KFZ Wirtschaft: Kia Austria hat im Vorjahr 9.436 Einheiten verkauft und damit einen Marktanteil von 2,8 % erzielt. Das waren um drei Fahrzeuge mehr als im Jahr davor (2017: 9.433 Einheiten, 2,7 % Marktanteil, Anm.). Welche Ziele gibt es für 2019? Alexander Struckl: In meinem ersten Jahr als Managing Director von Kia Austria ist es wesentlich für mich, die Marke Kia und die Strukturen zu verstehen. Ich will und werde keinesfalls irgendwelche Schnellschüsse machen, sondern gemeinsam mit den Händlern eine Struktur aufbauen, die uns gut in die Zukunft bringt. Diese Struktur wird eine sehr verkaufsorientierte sein. Unser großes Ziel für heuer ist, die 10.000-Stückzahl-Schwelle zu knacken. Unser beständigstes Ziel ist ein Businessmodell, das für die Händler und für uns funktioniert und mit dem wir langfristig qualitativ wachsen können.

Was haben Sie sich persönlich vorgenommen?
Alexander Struckl: Mein primäres Ziel ist, dass wir eine Arbeitsbasis haben, die sehr konstruktiv ist. Es geht mir vorrangig darum, in der gesamten Kia- Mannschaft ein Modell aufzubauen, das lösungsorientiert ist. Wie haben Sie den Autosalon in Genf empfunden? Wir haben ein sehr positives Feedback erfahren. Vermutlich deshalb, weil wir einer der wenigen Automobilhersteller sind, die über Elektroautos der Zukunft nicht nur sprechen, sondern diese in Österreich bereits anbieten und ausliefern; so hat z. B. der Verkauf des e-Niros im letzten Herbst begonnen, und seit Frühjahr laufen die Auslieferungen.

Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Kia- Modellpalette?
Ich bin sehr zufrieden. Wir sind breitgefächert aufgestellt. Von den Kleinfahrzeugen wie dem Picanto über den Rio bis zu Crossover-Varianten wie dem Stonic und dem klassischen SUV, dem Sportage. Abgerundet nach oben hin wird das Produktportfolio mit dem Sorento. Außerdem mit dem Optima und dem gut laufenden und neu etablierten Ceed.

Welche Modelle sind in Bezug auf Volumen die Herzstücke der Marke?
Unsere vier Hauptstützen sind der Rio, der Stonic, der Ceed und der Sportage. Der Ceed macht ein Drittel unseres Gesamtvolumens aus.

Was bereitet Ihnen Sorgen?
Was wir nie geschafft haben ist, im D-Segment, das im Wesentlichen von den europäischen Herstellern dominiert wird, gut Fuß zu fassen. Sprich: Mit dem Optima arbeiten wir zum einen in einem sinkenden Segment. Zudem ist es uns nie gelungen, uns eine Kundengruppe aufzubauen.

Wie läuft’s in Bezug auf Elektromobilität?
Die Elektromobilität nimmt bei uns Fahrt auf. Mehr als wir gerechnet haben. Wir verkaufen jetzt bereits die Ware von 2020. Obwohl wir de facto ausverkauft sind, sind 17 % unserer Bestellungen Elektrofahrzeuge. Wir haben sinnvolle, alltagstaugliche Elektroautos. Mit einer Reichweite von 455 km (e-Niro und e-Soul; Anm. d. Red.) und einsetzbar sowohl als Familien- als auch als Flottenfahrzeug können wir punkten. Generell werden wir sehr rasch zahlreiche E-Modelle auf den Markt bringen.

Was kann das Telematiksystem „UVO Connect“?
Das Telematiksystem „UVO Connect“ ist bereits jetzt im neuen e-Soul installiert. Man kann die Vorheizung und die Vorkühlung des Fahrzeugs über sein Smartphone steuern. Das Auto wärmt sozusagen mit dem Strom aus der Steckdose vor, und man erhält sich dadurch die volle Reichweite.

Wie zufrieden sind Sie mit den aktuellen politischen Rahmenbedingungen?
Die aktuelle Regierung hat in puncto Mobilität eine sehr klare Sicht der Dinge, und die Zusammenarbeit ist hervorragend. Wenn es eine größere Verunsicherung gäbe wie z. B. in Deutschland, Stichwort: Diesel-Fahrverbote, dann wäre der Markt umso schwieriger. Fahrverbote hat unsere Regierung ja zum Glück definitiv ausgeschlossen. Wenngleich die deutsche Diskussion ungefiltert nach Österreich überschwappt und zu einer Verunsicherung bei den Endverbrauchern führt.

Wie geht es den Kia-Händlern?
Meine Einschätzung ist, dass unsere Händler die Nähe zum Importeur nach dem Weggang von meinem Vorgänger Bernhard Denk vor über einem dreiviertel Jahr suchen und brauchen. Für mich ist ganz klar: es geht nur gemeinsam. Die Händler sind für Kia und vor allem auch für mich selbst sozusagen der Weg bzw. die essenzielle Schnittstelle zum Kunden. Wir werden alles daransetzen, dass wir diese Schnittstelle zum Kunden weiter optimieren.

Wie pflegen Sie persönlich den Kontakt zu Ihren Händlern?
Mein erster Kontakt war die Händlertagung. Abgesehen davon habe ich Kontakt mit ihnen im Rahmen der Händlerverbandstreffen. Grundsätzlich möchte ich nach und nach jeden Händler einzeln besuchen. Außerdem Round Tables in einzelnen Gebieten.

Wie viele Händler haben Sie aktuell?
57 Haupthändler und 101 Servicepartner.

Wie hoch ist die durchschnittliche Umsatzrendite der Kia-Händler?
Es gibt einen Datenschutz und der untersagt es uns, Ihnen das zu sagen.

Von anderen Geschäftsführern hören wir diesbezüglich sehr wohl konkrete Zahlen. Anders gefragt: Laut Einzelhandelssprecher Josef Schirak wären drei, eher vier Prozent angemessen und adäquat. Liegen Kia-Händler in diesem Bereich?
Wir wollen, dass es eine gute Händler-Rentabilität gibt. Ich kann dem Ansatz von Herrn Schirak nicht ganz folgen, weil wir nicht das Sozialamt sind, das jedem Händler sozusagen eine Mindestprofitabilität garantiert.

Wird es in fünf oder zehn Jahren noch das klassische Autohaus geben?
Wir sind davon überzeugt, dass unsere Händler in der Abwicklung und im Kontakt zum Kunden eine zentrale Rolle haben. Der Kauf eines Autos ist die zweithöchste Investition, die man tätigt. Es wird einen Berührungspunkt geben müssen, wo man mit dem Produkt Automobil in Berührung kommt, bevor man es kauft. Wir wollen mit unseren Händlern Businessmodelle aufbauen, die auch zukunftsträchtig sind.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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