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Landrover mit mysteriösem Defekt

07.12.2021

Ein 12 Jahre alter Landrover Freelander verschluckt sich regelmäßig beim Gas geben und bricht die Beschleunigungsphasen abrupt ab. Das Auto geht durch die Hände mehrerer Experten, doch bis heute konnte die Fehlerursache nicht gefunden werden.

Ein Niederösterreicher will seiner Tochter ihr erstes Auto schenken und entdeckt bei einem Händler einen verblüffend günstigen Landrover Freelander. Der kleine Allradler mit 2,2 Liter Dieselmotor und 6-stufigem Automatikgetriebe ist zwar schon 12 Jahre alt, hat aber erst 70.000 Kilometer auf dem Tacho. Grund für den niedrigen Verkaufspreis ist allerdings ein lästiger Defekt, den der Händler auch nicht verschweigt: Wird der Wagen über etwa 2200 Touren beschleunigt, bricht er seinen Vorwärtsdrang abrupt ab und fällt auf niedrigere Drehzahlen zurück. „Es fühlt sich an, als würde er auf die Nase fallen“, sagt Hudzik Radoslaw, der in Wien Hernals eine Spezialwerkstatt für Automatikgetriebe führt. Bei ihm landet der Freelander schließlich, nachdem eine Markenwerkstatt an der Fehlerbehebung gescheitert war. Der Diagnosekrimi, von Anfang an:

  • Der neue Freelander-Besitzer will den vermeintlich kleinen Defekt in einer Fachwerkstatt beheben lassen und bringt ihn zu einem Wiener Autohaus, das unter anderem die Marke Landrover führt. Dort wird der Wagen durchgecheckt, Probe gefahren und folgende Diagnose gestellt: „Getriebefehler - internes Getriebe gehört erneuert oder instand gesetzt.“
  • Da ein neues Getriebe für ein altes Auto wenig Sinn macht, landet der Freelander bei Radoslaw Hudzik, der in der Wiener Blumengasse 31 die seinerzeit von Peter Neumahr gegründete Spezialwerkstatt für Automatikgetriebereparatur betreibt.
  • Das Diagnosegerät zeigt keinen Fehler an, doch bei der Probefahrt fällt der Landrover wieder „auf die Nase“. Hudzik baut das Getriebe aus, zerlegt und überprüft alle Teile, findet jedoch keinen Fehler. Sicherheitshalber erneuert er die bereits teilweise verschlissene Wandlerkupplung und die elektrohydraulische Getriebesteuerung. Das Getriebe wird eingebaut, die Software upgedatet, doch der Fehler bleibt bestehen. 
  • Ein befreundeter Kfz-Meister aus einer Fachwerkstatt wird konsultiert, doch eine neuerliche Probefahrt mit Landrover-Tester an Bord zeigt ebenfalls keinen Fehler an. Der Meister tippt auf einen Defekt an der Hochdruckpumpe.
  • Hudzik tauscht daher zuerst die Einspritzpumpe, dann die vier Injektoren und schließlich die komplette Railschiene mit Druckregler und Drucksensor aus. Das enttäuschende Ergebnis: Der Fehler ist immer noch da.
  • Nun hat den Kfz Techniker der Ehrgeiz gepackt. Obwohl der Reparaturaufwand den Wert des Fahrzeuges längst übersteigt, kann und will Hudzik nicht alle Kosten an den Kunden weitergeben und sucht den Fehler auf eigene Faust weiter. Doch auch die Kontrolle von Dieselpartikelfilter, Drosselklappe und AGR-Ventil auf eventuelle Fehlfunktionen bringt kein Ergebnis.
  • Schließlich tauscht Hudzik noch das Motorsteuergerät aus, das möglicherweise nach einem Chip-Tuning in der Vergangenheit falsch programmiert worden war. Doch auch diese Maßnahme bringt keinen Erfolg, der Schluckauf des Freelander erweist sich als überaus hartnäckig.

Frage an alle Kfz Techniker*innen

„Nachdem nun alle mechanischen und hydraulischen Komponenten kontrolliert oder erneuert worden sind, kann ich nur vermuten, dass irgendein Sensor falsche Signale an das Steuergerät schickt“, meint Hudzik. Faktum ist: Trotz aller Reparaturmaßnahmen steigt der Diesel-Einspritzdruck beim Beschleunigen in unerlaubte Höhen, sodass das Steuergerät plötzlich abriegelt. Getriebespezialist Hudzik freut sich daher über alle Tipps aus der KFZ-Community, die ihm bei der Fehlerfindung helfen können. Die Redaktion der KFZwirtschaft nimmt diese gerne in Empfang und leitet sie an den engagierten Kfz Techniker weiter.

Bitte schicken Sie Ihre Tipps per E-Mail an die Adresse [email protected] und schreiben Sie in die Betreffzeile „Diagnosekrimi“. Wir halten Sie über den Reparaturfortschritt auf dem Laufenden und werden natürlich auch über die Lösung des Falles berichten.

Autor/in:
Peter Seipel
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