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MBÖ-Geschäftsführer Marc Boderke im Interview

19.04.2017

MARC BODERKE, seit rund einem Jahr GF von Mercedes-Benz Österreich und zudem verantwortlich für „Central Europe“, im KFZ Wirtschaft-Interview.

Über das letzte Jahr …

Wir sind über die vergangenen zwölf Monate sehr glücklich. Im Jahr 2016 konnten wir in puncto Pkw- Absatz ein Plus von 21 Prozent konstatieren. Wir haben in den Quartalen 3 und 4 26 bzw. 27 Prozent zugelegt. Das heißt, dass wir zum Ende des Jahres hin noch einmal deutlich beschleunigt haben.

„Google und Apple machen Roboterfahrzeuge, Autos ohne Emotionen.“ MARC BODERKE, GF MERCEDES-BENZ Ö.

Über das Ziel, die Nr. 1 im Premiumsegment zu werden

Im Jahr 2016 sind wir weltweit die Nummer 1 unter den Premiumherstellern 2016 geworden. Europaweit ist es so, dass wir entweder Nummer 1 sind, oder wir liefern uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der jeweiligen Nummer 1 (Audi oder BMW; Anm. d. Red.). In Österreich ist das anders. Hier liegen wir bei einem Marktanteil von zirka 4 Prozent, unsere Mitbewerber bei je 6 Prozent. Wir haben im vergangenen Februar in Österreich erstmals den ersten Platz im Premiumsegment erreicht. Wir sind dabei aufzuholen. Ziel ist Nummer 1 bei Premium 2020, aber eigentlich wollen wir nicht bis 2020 warten. Dies ist bloß der späteste Termin, den wir uns vorgenommen haben. Aber so lange brauchen wir nicht, das kann ruhig schneller gehen.

Über Elektromobilität …

Wir glauben, dass es bis 2025 einen signifikanten Anteil an Elektrofahrzeugen in Europa und damit auch in Österreich geben wird. Bis dahin wird der Übergang fließend sein. Im Besonderen wird und muss sich die Batterietechnologie weiterentwickeln. Dies wird zum einen zu einer Kostenreduktion führen, zum anderen aber auch zu einer Gewichts- und Reichweitenoptimierung. Klar, wir haben in der B-Klasse den Smart-Electric-Drive, da sind wir überall dabei, keine Frage. Unsere Strategie ist es allerdings, mit dem Plug-in-Hybrid in die Breite zu gehen. Einzelne Elektro-Leuchtturmprojekte, die letztlich keine Stückzahlen bringen, das ist im Grunde nicht unsere Strategie. Unser Anspruch ist: wir wollen die Welt verändern, das heißt: in die Breite gehen. Deshalb werden wir jede relevante Baureihe mit einem Plug-in-Hybrid versehen.

Über die Bedrohungen durch Apple und Google …

Mercedes existiert seit 136 Jahren, hat schon immer Bedrohungen richtig gesehen und die Agilität gehabt, sich immer wieder neu zu erfinden. Wir erforschen etwa Mobilitätsdienste, die im Prinzip unsere klassische Existenz infrage stellen. Beim Thema „autonomes Fahren“ denke ich, dass wir die Speerspitze sind – und nicht Google oder Apple. Die machen praktisch Roboterfahrzeuge, Autos ohne Emotionen. Unsere Philosophie ist dagegen, dass das Auto Stück für Stück selbst lernt. Letztlich entscheidet der Fahrer, ob er etwas will oder nicht. „Erleben“ steht bei uns im Vordergrund und nicht Robotik. Ich denke, dass wir zwischen 2020 und 2025 in einem vollautomatischen Betrieb unterwegs sein können.

 

Autoren:
Wolfgang Bauer & Philipp Bednar

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