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Mercedes ML: Defekt durch Korrosion

13.09.2021

Der Kärntner Kfz Meister Manfred Jonach beschreitet mehrere Irrwege, bevor er einen vermeintlich simplen Defekt an einer Mercedes M-Klasse beheben kann. Heute weiß er, was er tun muss, um den Fehler in Zukunft schneller zu finden.

Der Mercedes ML 320cdi hat bereits 13 Jahre auf dem Buckel, als er in die freie Kfz Werkstatt von Manfred Jonach in Wernberg gebracht wird. Die Kundenbeanstandung: Sofort nach Motorstart leuchtet die ESP-Warnlampe rot im Kombiinstrument auf. Angeschlossen an das Diagnosegerät bestätigt der Fehlerspeicherbericht die Kundenaussage. „So ein Fehlerspeicherbericht ist für eine freie Werkstatt nicht gerade leichte Kost - wo fängt man an?“ fragt sich der Meister und wendet sich vertrauensvoll an die Mercedes-Technikhotline. Ein Diagnosekrimi nimmt seinen Anfang.

  • Der Mercedes Techniker empfiehlt zuerst einen Batterietausch und in weiterer Folge, das Mantelrohrmodul (Lenkwinkelsensor) zu ersetzen. Absolut schlüssig, findet Jonach, und macht sich an die Arbeit. Zum Glück ist der Kunde bereit, die Reparaturkosten zu tragen, denn ältere Fahrzeuge werden Jonachs Erfahrung nach lieber verkauft als repariert.  
  • Leider löst der Batterietausch das Problem nicht. Trotz neuer Batterie zeigt die Messung, dass die Spannung während des Startvorganges unter 8 Volt fällt. Der Meister macht den Anlasser als Schuldigen aus und tauscht diesen aus.
  • Nun ist die Startdrehzahl um rund 80 min-1 besser und die Batteriespannung während des Startvorgangs durchschnittlich um 1 Volt höher. „Das Lenkwinkelsensor-Problem ist behoben“ freut sich Jonach, doch wie zum Hohn leuchtet nach dem Start erneut die ESP Lampe auf.
  • „Da ist wohl das ESP Steuergerät defekt“, denkt Jonach, da sofort nach Motorstart der entsprechende CAN-Bus Fehler angezeigt wird. Die nächsten logischen Schritte wären: Schaltplan hernehmen, Kabelbaum öffnen, OSZI anschließen.... „Stopp, zuerst nachdenken!“ verordnet sich der Meister.
  • Er stellt das Auto weg und beschäftigt sich mit anderen Dingen, um klar im Kopf zu werden. Dann nimmt er den Fall erneut unter die Lupe, und siehe da: Nun bemerkt er, was er zuvor offenbar übersehen hat: Nach dem Startvorgang leuchtet nicht nur die ESP Lampe, sondern auch die Kontrolllampe „Allrad prüfen“ im Kombiinstrument. Nun liest Jonach noch einmal genau den Fehlerspeicherbericht und bekennt reumütig: „Das hätte ich schon viel früher tun sollen!“
  • Folgende Einträge führen ihn schließlich auf die richtige Spur: Keine CAN Nachricht von N 15/7 Verteilergetriebe und keine CAN Nachricht vom N 15/9 Steuergerät für Hinterachs-Differenzialsperre.
  • Eine Überprüfung der Sicherungen zeigt keinen Defekt, doch beim Abziehen des Steckers vom Steuergerät des Hinterachs-Sperrdifferentials zeigt sich ein massiver Korrosionsschaden durch Wassereintritt.
  • Mit dem Austausch des Steuergerätes und des Steckers ist der Defekt schließlich behoben, der Fall gelöst.
  • Fazit von Meister Jonach: „Man sollte die Steuergerätefehler einen nach dem anderen nach Priorität abarbeiten und keine voreiligen Schlüsse ziehen!“

Wussten Sie, dass …

Die Gesamtlänge aller Kabel in einem Pkw Anfang der 1980er Jahre betrug bis zu 2 Kilometer. 1983 entwickelte Bosch das so genannte „Controller Area Network“, kurz CAN, das 1986 gemeinsam mit Intel der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. In der Automobilproduktion wurden die Steuerungs- und Überwachungsfunktionen in der Folge auf mehrere Steuergeräte aufgeteilt, die über das serielle CAN- Bussystem miteinander vernetzt sind. So konnten die dicken Kabelbäume reduziert und damit Kosten und Gewicht gespart werden. Die Gewichtsersparnis hielt allerdings nicht lange vor, da schon bald immer mehr Komfort- und Sicherheitsfunktionen und damit Steuergeräte im Fahrzeug Einzug hielten. Fazit: Ein Pkw wiegt heute durchschnittlich 1,4 Tonnen und damit um rund 600 Kilogramm mehr als ein vergleichbares Auto 40 Jahre zuvor.

Autor/in:
Peter Seipel
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