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Die KV-Verhandlungen der Metaller verliefen selten so harmonisch wie im Krisenjahr 2020: Löhne und Gehälter steigen 2021 um 1,45 Prozent.

Metaller-KV: Die neuen Mindestgrundlöhne im Überblick

14.10.2020

Schnell wie nie einigten sich die Sozialpartner auf einen neuen Kollektivvertrag für Arbeiter im Metallgewerbe. Davon betroffen sind auch 35.000 Beschäftigte in der Fahrzeugindustrie. Die KFZ Wirtschaft zeigt die Ergebnisse im Detail.

2020 ist kein Jahr wie jedes andere. Das wurde kürzlich auch bei den KV-Verhandlungen im Metallgewerbe ersichtlich. Normalerweise wird zwischen Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in zähen Verhandlungen über jeden Prozentpunkt, ja jede Kommastelle gestritten und gefeilscht, manchmal sogar mit Streiks gedroht. Heuer aber haben sich Gewerkschaft und Arbeitgeber überraschend schon in der ersten Verhandlungsrunde auf einen neuen Kollektivvertrag für die rund 130.000 Beschäftigen in der Metalltechnischen Industrie geeinigt, der dann auch von den anderen Teilbranchen der Metallindustrie übernommen wurde. Die Ist- und KV-Löhne sowie -Gehälter steigen 2021 um 1,45 Prozent. Dieses Plus entspricht der Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate. In der Metallindustrie arbeiten laut Gewerkschaftsangaben mehr als 190.000 Beschäftigte, die meisten (nämlich 127.000) in der Metalltechnischen Industrie, aber auch nicht weniger als 35.000 in der Fahrzeugindustrie.

Im Vorfeld der Verhandlungen wollten die Arbeitgeber die KV-Verhandlungen sogar auf 2021 verschieben. Arbeitgebervertreter Christian Knill rechnet für die nächsten Monate und Jahre mit großen Problemen für die Betriebe und in Folge auch für die Arbeitsplätze. Der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI) hatte bereits im Vorfeld der Verhandlungen gesagt, es gebe „heuer nichts zu verteilen, nur Sorgen“. Industriebetriebe wie FACC und voestalpine haben bereits einen Beschäftigungsabbau verkündet, außerdem soll das Lkw-Werk von MAN in Steyr mit 2.300 Mitarbeitern bis 2023 komplett geschlossen werden. Knills Gegenüber, der gewerkschaftliche Chefverhandler Rainer Wimmer (Pro-Ge), meinte: „Bei dieser Lohnrunde ist sehr viel anders.“ Man habe nun Verantwortung übernommen.

Letztendlich wurde also ein wohl für alle Beteiligten akzeptabler Kompromiss erzielt, der den besonderen Umständen infolge der Covid-19-Pandemie Rechnung trägt. In den untersten Lohngruppen 6 und 7 wurde schon im Vorjahr für 1.1.2021 ein Mindestlohn in Höhe von € 2.000 fix vereinbart. Die Lehrlingsentschädigungen sollen ebenso wie die kollektivvertraglichen Zulagen und Entfernungszulagen ebenfalls um die inflationsabgeltenden 1,45% erhöht werden. Nachtarbeits- und Schichtzulage für die 3. Schicht betragen ab 1.1.2021 € 2,39 (auch das wurde bereits 2020 vereinbart).

Freizeitoption

Statt der Erhöhung der Ist-Löhne kann durch eine schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bzw. in Betrieben mit Betriebsrat durch Betriebsvereinbarung die Möglichkeit geschaffen werden, bezahlte Freizeit zu vereinbaren. Wird eine Vereinbarung abgeschlossen, so gilt jedenfalls folgende Bestimmung: Bei Vollzeitbeschäftigung entsteht pro Monat ein Freizeitanspruch von mindestens 2 Stunden 10 Minuten.

 

Ab 1.1.2021 gelten folgende Mindestgrundlöhne:

Lohngruppe

Monatslohn €

Lohngruppe Techniker

3.235,12

Lohngruppe 1

2.961,82

Lohngruppe 2

2.641,98

Lohngruppe 3

2.293,08

Lohngruppe 4

2.145,76

Lohngruppe 5

2.043,03

Lohngruppe 6

2.000,00

Lohngruppe 7

2.000,00

 

Zulagen:

kleine Entfernungszulage

9,37

mittlere Entfernungszulage

24,60

große Entfernungszulage

49,18

Nächtigungsgeld

17,49

Schmutzzulage

0,582

Erschwerniszulage

0,582

Gefahrenzulage

0,582

Nachtarbeitszulage (22 - 6 Uhr) ab 1.1.2021

2,390

Nachtarbeitszulage (22 - 6 Uhr) ab 1.1.2022

2,530

Schichtzulage (zweite Schicht) ab 1.1.2021

0,515

Schichtzulage (dritte Schicht) ab 1.1.2021

2,390

Schichtzulage (dritte Schicht) ab 1.1.2022

2,530

Montagezulage

0,890

 

 

Lehrlingsentschädigungen ab 1.1.2021:

 

1. Lehrjahr

701,91

2. Lehrjahr

883,88

3. Lehrjahr

1.164,65

4. Lehrjahr

1.549,40

Autor/in:
Hans-Jörg Bruckberger
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