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Mobilitätsplattform. Gut, aber.

11.11.2013

„Mobilität.Freiheit.Umwelt“ Mit der Gründung dieses Forums werden das Bundesgremium des Fahrzeughandels und der Arbeitskreis der Automobilimporteure unter der Federführung der Agentur Rosam Lobbying fürs Automobil betreiben. Eine gute Idee, aber Zweifel bleiben.

N achdem es zuletzt verstärkt Anfeindungen von Seiten des VCÖ (Verkehrsclub Österreich) und zahlreicher Publikumsmedien gegeben hatte, wurde nun die Plattform „Mobilität.Freiheit.Umwelt“ gegründet. Das Bundesgremium des Fahrzeughandels und die Automobilimporteure werden unter der lobbyistischen Ägide der Agentur Rosam Stimmung fürs Automobil machen. Sprich:  die tatsächliche Bedeutung der Automobilwirtschaft ins rechte Licht rücken. Tatsache ist: Die Autobranche trägt elf Prozent zum österreichsichen Bruttoinlandsprodukt bei, das entspricht einer Wertschöpfung von über 30 Milliarden Euro. Jeder achte Arbeitsplatz in Österreich hängt an der Fahrzeug- und Zulieferindustrie. Ziel der neu gegründeten Plattform sei es, „der individuellen Mobilität sowie einer wirtschaftsgerechten, integrativen und nachhaltigen Verkehrspolitik eine Stimme zu verleihen“.
Grundsätzlich ist die Gründung der Plattform uneingeschränkt zu begrüßen. Dennoch seien ein paar Zweifel erlaubt:

  • Erstens: Bei der Präsentation der Plattform am 7. November 2013 in der Wiener „Skybar“ fehlte ein Vertreter der Bundesinnung der Kfz-Techniker am Podium. Zu einem tatsächlich einheitlichen Auftreten der Branche bedürfte es auch einer Beteiligung des Gewerbes. Gremium und Importeure allein sind zu wenig.
  • Zweitens: Der Geschäftsführer des Arbeitskreises der Automobilimporteure Christian Pesau hatte in der Vergangenheit immer betont, dass eine Interessenvertretung dafür da sei, Interessen zu vertreten. Mit der Agentur Rosam hat man sich jetzt Profis ins Boot geholt. Ob diese - branchenfremden - Profis tatsächlich imstande sind, die Anliegen der Branche adäquat zu kommunizieren, werden wir sehen. Bisher haben unsere Interessenvertreter das selbst ganz gut gekonnt.
  • Drittens: Wenn schon branchenfremd, dann wäre es zweckmäßig gewesen, auto- und technik-affine Wissenschafter in die Plattform zu integrieren, die auf VCÖ-Aussendungen mit harten Fakten kontern und denen keine wirtschaftlichen Interessen unterstellt werden können. Wenn Gremium und Importeure fortan ihre Stimme erheben, hat jede Aussage automatisch den „Branchenstempel“ drauf. Sprich: In der Öffentlichkeit wird lediglich konstatiert werden, dass die Autobranche „natürlich Autos verkaufen will“. Fundierte und unabhängige Wissenschafter wäre für die Plattform überaus angebracht gewesen.

Kontroversielle Meinungen

In der Sendung „Der große Österreich-Test“ des Privatsenders ATV Mitte Oktober wurden auch die Leistungen von Kfz-Betrieben überprüft. Bundesinnungsmeister Friedrich Nagl fungierte dabei als Kommentator und setzte sich damit bereits vor Ausstrahlung der Sendung massiver Kritik innerhalb der Kfz-Branche aus. Als Kommentator begebe er sich in einen Interessenkonflikt in seiner Funktion als Vertreter der Kfz-Techniker. Nach Ausstrahlung der Sendung waren die Meinungen zu Nagls Auftritt ebenfalls kontroversiell. Die KFZ Wirtschaft erhielt zahlreiche Leserbriefe. Da ist von „Hochachtung für den Bundesinnungsmeister“ die Rede, der den Mut hatte, die „richtigen Worte“ zu finden. Aber auch von unverhohlenen Rücktrittsforderungen, wonach Nagl bedenken solle, ob „der Weg, den er beschreitet, noch hilfreich für die Kfz-Branche“ sei. Ob Nagls Auftritt gelungen oder weniger gelungen war, ist - auch - Geschmackssache. Der Bundesinnungsmeister wird nicht zurücktreten und auch nicht abgewählt werden, auch wenn das selbst ernannte Rivalen gern hätten.

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