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Motorensymposium 2021: Abschied vom Verbrenner

10.05.2021

Auf dem online abgehaltenen 42. Internationalen Wiener Motorensymposium gaben mehr als 80 Manager, Ingenieure und Wissenschaftler der Motorenentwicklung sowie Vertreter öffentlicher Organisationen und Vereine einen Ausblick auf die Zukunft der Mobilität.

Die vom Österreichischen Verein für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK) veranstaltete zweitägige Online-Tagung stand unter dem Motto „Dekarbonisierung“. Faktum ist: Das Klimaziel 2050 wird die Welt der Autohersteller radikal verändern. Bis Ende dieses Jahrzehnts rechnet Markus Duesmann, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, weltweit mit einem Rückgang des Anteils des Verbrennungsmotors auf 50 Prozent im Premiumsegment. Audi setzt daher auf eine konsequente Elektrifizierungsstrategie: „Bis 2025 planen wir mehr als 20 vollelektrische Modelle“, so Duesmann. Den Schlüssel für den wirtschaftlichen Erfolg des Elektrifizierungsziels sieht er in der konsequenten Plattformstrategie innerhalb der VW-Gruppe. So entwickeln Audi und Porsche gemeinsam die Premium Platform Electric, auf deren Basis bis 2030 sieben Millionen Fahrzeuge verkauft werden sollen.

Der CO2-neutrale Stern

Mercedes-Benz verfolgt laut Torsten Eder, Leiter Entwicklung Powertrain bei der Mercedes-Benz AG, eine langfristige Vision der elektrischen und CO2-neutralen Mobilität, die „Ambition 2039“. Bis 2039 wird bei Mercedes-Benz die Neuwagenflotte über den gesamten Lebenszyklus CO2-neutral sein. Auf der Antriebsseite verfolgt Mercedes-Benz bei der Transformation eine dreispurige Strategie, beginnend mit 48-Volt-Elektrifizierungen über Plug-in-Hybride bis zu vollelektrischen Antrieben. Als einziger Autohersteller bietet Mercedes-Benz auch eine Diesel-Hybridvariante an.

Porsche setzt auf E-Benzin  

Porsche will die unvermeidliche Transformation mit einem Mix an Hochleistungs-Benzinmotoren, Hybrid- und batterieelektrischen Modellen bewältigen. Die Benzinmotoren werden kontinuierlich verbessert und sollen künftig mit E-Fuels CO2-neutral betrieben werden. Porsche baut derzeit zusammen mit Siemens Energy und Exxon Mobil in Chile eine Pilotanlage für E-Fuels auf, die im Serienbetrieb 15 Millionen Liter E-Fuel pro Jahr erzeugen soll. 2022 will Porsche einen mit E-Benzin betriebenen Verbrennungsmotor in einem 911 GT3 Cup Rennwagen testen.

Mix der Antriebsarten

Laut Stefan Hartung, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, ist das Klimaziel 2050 nur mit allen Antriebsarten gemeinsam zu erreichen. Neben dem Elektroantrieb schreibt der Zulieferer dem Brennstoffzellenantrieb mit Wasserstoff in Zukunft eine große Rolle zu. Bosch arbeitet sowohl an stationären wie mobilen Brennstoffzellen und will von 2021 bis 2024 eine Milliarde Euro in diese Technologie investieren. Ebenso betreibt Bosch Projekte mit wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren. Laut Hartung könne aber auch der konventionelle Verbrennungsmotors noch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Mit synthetischen CO2-armen oder CO2-freien Kraftstoffen als Beimengung könnten sofort, ohne Umbau, neue wie gebrauchte Fahrzeuge umweltfreundlicher unterwegs sein. Bei einem weltweiten Pkw-Bestand von 1,3 Milliarden Fahrzeugen werde diese Option oft unterschätzt.

Kostengünstige Mobilität

„Die Zukunft ist elektrisch, und sie hat bereits begonnen“, ist Thomas Stierle, Leiter des Geschäftsbereichs Electrification Technology bei Vitesco Technologies, überzeugt. Als eine Schlüsselrolle für den Erfolg des elektrischen Antriebs nennt er die Kostenreduktion. Um die gegenüber einem Verbrenner-Antrieb immer noch höheren Anschaffungskosten eines E-Autos leistbar zu machen, setzen Vitesco Techologies intensiv auf Einsparungen bei Elektronik und Software durch modulare und skalierbare Systeme. Diese sind obendrein vom Autohersteller einfacher ins Fahrzeug zu integrieren. Der Brennstoffzellenantrieb mit Wasserstoff sei laut Stierle dagegen vor allem für Nutzfahrzeuge, Schiffe und Züge attraktiv.

Ausbau der Infrastruktur

Uwe Wagner, Vorstand Forschung und Entwicklung der Schaeffler AG, prognostiziert für 2030 einen weltweiten Anteil elektrifizierter Antriebe von 70 Prozent bei Neuwagen, davon entfallen 30 Prozent auf batterieelektrische und 40 Prozent auf Hybridantriebe. Bis 2035 werde der weltweite Anteil an reinen E-Neufahrzeugen Richtung 50 Prozent steigen. Wagner fordert, dass neben den Antrieben auch die dafür nötige Energieherstellung und Infrastruktur berücksichtigt werden. Europa werde künftig viel Ökostrom importieren müssen. Um diesen speichern und über weite Strecken transportieren zu können, sei zum Beispiel Wasserstoff gefragt. Schaeffler arbeitet daher intensiv an Systemen und Komponenten wie Bipolarplatten für Brennstoffzellen und Elektrolyseure.

Resümee und Ausblick

Bernhard Geringer, Vorsitzender des ÖVK, resümiert: „Es gibt viele und hoffnungsfrohe Lösungen, vom Verbrennungsmotor mit E-Fuel bis zum reinen batterieelektrischen Antrieb. Keine davon kann allein die mehrdimensionalen Vorgaben an Treibhausgasreduktion, Effizienz, Kosten und globale Verfügbarkeit erfüllen.“

Autor/in:
Peter Seipel
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