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Dreiräder von PiaggioHarley Davidson kommen vor allem bei Stadtbewohnern zunehmend in Mode.Dreiräder von PiaggioHarley Davidson kommen vor allem bei Stadtbewohnern zunehmend in Mode.

Motorräder mit B-Schein

11.06.2014

Motorradfahrer werden immer älter, aber auch die Jugend will keinen teuren A-Schein mehr machen. Die Hersteller reagieren auf ihre Weise mit innovativen Dreirädern

Bei der letzten Vorstellung des Dreiradrollers Piaggio MP3 500 brachte es Piaggio Group CEO Roberto Colaninno auf den Punkt. „Wir sind in einer kompletten Übergangsphase der Mobilität, spätestens in zehn Jahren wird die Welt völlig anders aussehen, vor allem in den Städten." Er stützte sich dabei auf Studien, die die Italiener in den USA, aber auch in Europa in Auftrag gegeben haben. Fakt ist, dass gerade in den urbanen Gebieten ein Umdenken vor allem unter den Jugendlichen stattfindet. War es vor gar nicht so langer Zeit das Moped, das an oberster Stelle der Begierde zumindest bei der männlichen Jugend stand, so sind es jetzt das Smartphone und der Computer. Schuld daran (wenn man jetzt von Schuld überhaupt sprechen will) ist das steigende Umweltbewusstsein, aber auch die finanzielle Seite. Ein Führerschein ist bereits für ein Moped notwendig, eine Motorradausbildung kostet richtig Geld. Immer weniger sind bereit, das dafür auszugeben.

Sicherer auf drei rädern
Auf der anderen Seite ist es in den Städten oft nur mit dem Zweirad möglich, schnell und effizient voranzukommen. Der „kleine" Motorradschein bis 125 cm³ mag zwar eine gute Lösung darstellen, der Weisheit letzter Schluss ist er jedoch nicht. Das hat man schon Anfang der Jahrtausendwende bei Piaggio erkannt und mit dem MP3 2006 ein Fahrzeug mit zwei Vorderrädern auf den Markt gebracht, das auch mit dem PKW Schein zu bewegen ist. 150.000 Stück hat man bisher an die Frau bzw. den Mann gebracht, interessanterweise die Hälfte davon in Frankreich. Doch auch bei uns ist die Tendenz steigend, obwohl eine Autobahnvignette für einen Pkw benötigt wird und auch die Sache mit den Parkgebühren noch ein Graubereich ist. Neben der unbestrittenen Sicherheit des dritten Rades überwiegt eben die Freiheit, mit dem B- Schein mit immerhin bis zu 40 PS durch die Lande brettern zu können. Auch bei der älteren Generation kommen die Gefährte mittlerweile gut an, der Nimbus des „Behindertenfahrzeugs" ist einem Sicherheitsbewusstsein gewichen. Mittlerweile hat das auch die Konkurrenz auf den Plan gerufen und so brachte Peugeot mit dem Metropolis einen Nachbau auf den Markt, der seit dem vorigen Jahr ebenfalls schon fast 30.000 Käufer fand. Auch in Italien hat eine Firma namens Quadro ein derartiges Gefährt im Angebot, angeblich soll es sich bei den Gründern um ehemalige Piaggio-Mitarbeiter handeln.

Auch bei BMW macht man sich Gerüchten zufolge schon heftige Gedanken um ein derartiges Konzept, allerdings mit vier Rädern. Im Gegensatz zu einem Quad soll das Gefährt der Bayern aber wie ein Motorrad zu Schräglagen fähig sein. Welchen Antrieb man wählen wird, und ob oder wann das Ding auf den Markt kommen soll, darüber hüllt man sich noch in Schweigen.

Ähnliche Gedanken haben wohl auch Harley Davidson bewogen, das 1971 eingestellte Servicar in modernisierter Form wieder auf den Markt zu bringen. Das 43.000 Euro teure Gefährt besitzt eine Motorradfront und hinten zwei Räder, hat Kofferraum, aber sieht aus wie eine „echte" Harley. Hier will man vor allem ältere Fans ansprechen, die sich nicht mehr mit einem einspurigen Fahrzeug sicher fühlen. Fazit: Es wird auf jeden Fall interessant.

Autor/in:
Franz Farkas
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