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Neuer Defender, neue Hoffnung

20.11.2019

JAGUAR LAND ROVER hatte schon mal bessere Zeiten. Der neue Defender soll die Zukunftsaussichten verbessern. GF Thomas Hörmann spricht im Exklusivinterview mit der KFZ Wirtschaft sehr offen über Übergangsphasen in der Automobilbranche.

THOMAS HÖRMANN, GF JAGUAR LAND ROVER AUSTRIA

In der Veranstaltungslocation „Reaktor“ in Wien präsentierte Jaguar Land Rover Kunden und Pressevertretern den neuen Defender. Der Defender ist für Land Rover das Auto, das Modell mit der längsten Historie, quasi das Fundament der gesamten Marke. Ein emotionaler, gut gemachter, knapp 18-minütiger Werbefilm führte von der DefenderVergangenheit in die Neuzeit. Der neue Defender hat mit dem Vorgänger technisch und optisch wenig gemein. Die Landyfans zeigten sich teilweise enttäuscht, teilweise realistisch und offen für Neues. Fakt ist: Der Defender musste in die Neuzeit gebracht werden, um dem Konzern finanziell Auftrieb zu verschaffen. Zuletzt hatte Jaguar Land Rover mit massiven Verlusten zu kämpfen. Darum sprachen wir im Rahmen der statischen DefenderPräsentation mit Österreich-Geschäftsführer Thomas Hörmann über die Zukunft der beiden englischen Traditionsmarken.

KFZ Wirtschaft: Herr Hörmann, endlich ist der neue Defender da. Wie hoch schätzen Sie sein Marktpotenzial in Österreich ein?
Thomas Hörmann:
Über Volumen möchte ich nicht sprechen, aber ich bin mir sicher, dass viele Land Rover-Kunden auf dieses Auto gewartet haben. Erstes Ziel ist es, so rasch als möglich unseren Händlern die Schauräume mit den neuen Autos zu füllen, damit die Kunden erkennen, welches Alleinstellungsmerkmal der neue Defender ist. Er wird nur unweit der österreichischen Grenze im Werk Nitra in der Slowakei produziert. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Nachfrage die ersten Produktionskapazitäten überschreiten könnte.

Wie steht Jaguar Land Rover derzeit in Österreich da?
ch muss eingestehen, dass 2019 derzeit ein schwieriges Jahr für uns ist. Wir haben sowohl mit Jaguar als auch mit Land Rover an Volumen verloren. Unser Fiskaljahr startet im April, wir sind also erst bei der Hälfte, aber vermutlich wird sich 2019 für uns nicht mehr dramatisch verbessern, obwohl wir einen sehr starken Oktober erlebt haben. Der neue Defender wird im Frühjahr 2020 an die Kunden ausgeliefert, ich rechne also mit einem Aufschwung im kommenden Jahr.

„2019 ist ein schwieriges Jahr. Aber dank des neuen Defenders rechne ich mit einem Aufschwung 2020.“ THOMAS HÖRMANN, GF JAGUAR LAND ROVER AUSTRIA

Dem Konzern an sich geht es wieder besser, oder?
Ja, das ist korrekt. Im letzten Quartal sind wir wieder in die Gewinnzone vorgestoßen. Wir haben Maßnahmen ergriffen, die sich bereits positiv bemerkbar machen.

Sprechen wir konkret über das Händlernetz in Österreich. Wird es zeitnah zu Veränderungen kommen?
Nein, wir sind österreichweit gut und stabil aufgestellt. Wir haben unser Netz gefunden, es sind keine Änderungen geplant.

Immer mehr Marken probieren verschiedene neue Konzepte wie Pop-up-Stores aus, mieten sich in Einkaufszentren ein oder sponsern Veranstaltungen, um dort ihrer Zielgruppe ihre Autos zu präsentieren. Passt das zu Jaguar Land Rover, zu einem Premiumhersteller?
Ja, absolut. Schlussendlich geht es dabei um Frequenz, um positiv von potenziellen neuen Kunden wahrgenommen zu werden. Auch wir sind in diesem Bereich aktiv. Ich sehe darin aber keine Konkurrenz zum Händler, sondern eher eine begleitende Maßnahme. Es geht vor allem um die Lead-Generierung – neue Kunden zu gewinnen und dann zum Händler weiterzuführen. Den ersten Eindruck können die Kunden auch in einem Einkaufszentrum bekommen, bei unseren Händlern gibt es dann die kompetente Beratung und das Jaguar Land Rover-Erlebnis.

Sprechen wir noch über die Antriebe der Zukunft. Den neuen Defender wird es erstmals mit einem Mild-Hybrid-System geben. Wie schaut die Konzern-Strategie aus?
Wir befinden uns in einer Übergangsphase. Der grundsätzlich stabile Markt in Europa wird von der CO2-Debatte überschattet. Deutschland prescht gerade mit der neuen E-Mobilitäts-Förderung vor, die ist auf Masse ausgelegt. Mit dem Jaguar I-Pace haben wir gezeigt, dass wir Elektro sehr gut können. Es gibt den Plan zu „zero emissions“. Wir werden bald bei 25 bis 30 Prozent reinelektrischen Modellen landen. Aber ich glaube nicht, dass es zu meinen Lebzeiten bei Jaguar Land Rover gar keine Verbrenner mehr geben wird. Wobei: Die Branche ist in einem großen Umbruch, vielleicht geht alles auch viel schneller als gedacht. Vorher gilt es, das Ladeinfrastrukturproblem zu lösen. Darin sehe ich den Knackpunkt für die Massen-E-Mobilität.

Autor/in:
Philipp Bednar
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