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Hubert Friedl (AVL Produktmanager),  Peter Pötscher (Leiter AVL Konzept- fahrzeuge) (v.l.).

Neues unter der Motorhaube

09.07.2015

Auf der hauseigenen Teststrecke in Gratkorn stellte die AVL List GmbH neue Antriebstechnologien für mehr Fahrspaß bei geringeren Emissionen vor. Die neuen Strategien dafür heißen Turboaufladung, Direkteinspritzung und Millerzyklus.

AVL Geschäftsführer Robert Fischer vor dem High Performance Alfa Romeo 4c.

Der Trend zum Downsizing klingt langsam ab, jetzt werden die Motoren wieder größer“, prophezeit Hubert Friedl, AVL Produktmanager für Ottomotoren, anlässlich der Vorstellung der neuesten Antriebskonzepte aus der Grazer Innovationsschmiede. Peter Pötscher, leitender Entwickler für Konzeptfahrzeuge, präsentiert unter anderem einen VW Golf 7 HIEFF, den die AVL-Ingenieure mit einem selbst entwickelten 1,6 Liter Ottomotor statt des herkömmlichen 1,4 Liter Benziners ausgestattet hatten. Dank Direkteinspritzung, Millerzyklus (siehe Infokasten), elektrischem Turbolader, langer Getriebeübersetzung und Abgasrückführung konnten die CO2-Emissionen auf 90 g/km reduziert werden, ohne Leistungseinbußen in Kauf zu nehmen. „Wir erreichen mit diesen, im Vergleich zur Hybridisierung kostengünstigen Maßnahmen, einen Wirkungsgrad von 42 Prozent und liegen damit besser als die meisten Dieselmotoren“, so Pötscher. Stolz verweist er darauf, dass AVL den neuen, hocheffizienten Ottomotor nicht auf Basis eines bestehenden Aggregates, sondern praktisch vom weißen Blatt Papier weg entwickelt hat. Mit ein paar weiteren Tricks aus dem AVL-Labor lässt sich aber auch ein herkömmlicher Ottomotor sauberer und effizienter betreiben. So können beispielsweise zwei von vier Zylindern eines 1,4 Liter-Benziners bis zu einer Geschwindigkeit von 75 km/h still gelegt werden, indem kurzerhand die Einspritzung weggeschaltet wird. Mit zusätzlichen Maßnahmen wie Motor-Entdrosselung und Abgasrückführung lassen sich so die CO2-Emissionen unter die 100 Gramm/Kilometer Grenze drücken. „Dafür muss nur der Abgaskrümmer umgestaltet werden, alles andere geschieht durch Umprogrammierung der Motorsteuerung“, sagt Friedl. Damit der Fahrer auch akustisch nichts davon merkt, legten die AVL-Techniker einen sogenannten akustischen Bypass an die Spritzwand, der den Motorsound im Zweizylinderbetrieb dezent verstärkt.

Fahrspaß darf etwas kosten
„Im Verbrennungsmotor steckt noch so viel Potenzial, dass er uns alle überleben wird“, antwortet AVL Geschäftsführer Robert Fischer auf die Frage, wann sich der reine Elektroantrieb flächendeckend durchsetzen wird. Für Fischer ist die E-Maschine aus heutiger Sicht vor allem eine wichtige Unterstützung des Verbrennungsmotors zur Erreichung der CO2-Ziele. Besonders vielversprechend sei der 48-Volt Mildhybrid. „Damit können wir bei halben Kosten 70 Prozent der Performance eines Fullhybrids erreichen.“ Das Spritsparen ist jedoch nur eine Seite der Medaille. „Eine aktuelle Studie aus Deutschland hat gezeigt, dass viele Kunden bereit sind, für mehr Fahrspaß und Performance auch mehr zu bezahlen“, so der AVL Geschäftsführer. Ein Ziel, das die Grazer Ingenieure naturgemäß voller Begeisterung verfolgen, können sie dabei doch ihr ganzes Können ausspielen. So gab es in Gratkorn unter anderem auch einen Alfa Romeo 4c zu testen, der serienmäßig von einem 1750 ccm Motor mit 177 kW/240 PS angetrieben wird. „Mit diversen Maßnahmen wie einem vergrößerten Turbo und einem zusätzlichen elektrischen Lader steigern wir die Leistung auf 200 kW pro Liter Hubraum – das entspricht rund 510 PS“, erklärt Robert Fischer. Daneben warten im High-Perfomance Regal der AVL noch zahlreiche weitere innovative Lösungen auf ihren Einsatz in Serienfahrzeugen. Einige davon haben die Grazer Ingenieure auf eigene Faust entwickelt, andere wieder im Auftrag der größten Automobilhersteller. Zum umfangreichen AVL-Portfolio zählen Motoren, Getriebe, Elektroantriebe, Batterien und Steuergeräte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden Fahrzeuggenerationen zu finden sein werden. Denn die Expertise der Steirer in Fragen der Auswahl der Powertrain-Architektur, bei der Definition des Spannungslevels sowie der Optimierung aller Powertrain-Komponenten, wird von den Automobilherstellern Europas, Amerikas und Asiens stark nachgefragt und geschätzt. Die aktuellen Unternehmensdaten belegen das hohe Ansehen der Grazer Ideenschmiede: AVL beschäftigt derzeit weltweit über 7.470 Mitarbeiter und setzte 2014 stolze 1,15 Milliarden Euro um.

Autor/in:
Peter Seipel
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