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Nicht alles ist zum Kotzen

09.07.2015

Mir ist bewusst, dass wir Österreicher uns gern in unserem Jammer suhlen und den Pessimisten für den Realisten halten. Deshalb sind meines Erachtens auch viele unserer aktuellen Probleme hausgemacht. Aber bleiben wir einmal bei den Fakten: Nicht alles ist zum Kotzen.

Schreiben Sie mir Ihre Meinung. E-Mail: w.bauer@wirtschaftsverlag.at

Lassen Sie mich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit Good News beginnen: Nach einem schwachen Mai vermelden die Rohdaten der Statistik Austria ein deutliches Plus bei den Pkw-Neuzulassungen im Juni. 30.533 Pkw wurden im Juni 2015 neu zugelassen. Das ist ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Juni des Vorjahres. Positive Auswirkungen hat dies auf die Gesamtjahresstatistik, die Ende Mai ein Minus von 4,6 Prozent aufwies.

Interessenvertreter als Macher
Ebenfalls sehr erfreulich: Unseren Interessenvertretern ist es gelungen, einige „Grauslichkeiten“ aus der geplanten Steuererhöhung für privat genutzte Dienstwagen herauszureklamieren. Beschlossen wurde nun vom Ministerrat eine Erhöhung des Sachbezugs von 1,5 auf 2% des Bruttoanschaffungspreises  bei einer Grenze von 130 g/km CO2-Ausstoß – die angekündigten 120g/km konnten abgewendet werden. Die ab 2017 geplante Absenkung erfolgt nun in Schritten zu 3g (und nicht 4g), sodass die CO2-Grenze im Jahr 2020 bei 118 g liegen wird. Bundesgremialobmann Burkhard Ernst, Importeurssprecher Felix Clary und Einzelhandelssprecher Josef Schirak ist mit ihrem Engagement doch einiges gelungen, und sie werden von uns zu den „Machern des Monats“ gekürt (siehe Seite 48). Gleichwohl muss die Autobranche auf der Hut sein. Denn die aktuelle Steuererhöhung für privat genutzte Dienstfahrzeuge ist die elfte Kfz-Steuererhöhung in zehn Jahren. Und es ist nicht wahrscheinlich, dass die Regierung in Zukunft auf die Autofahrer „vergisst“, wenn es darum geht, Budgetlöcher zu stopfen.

Hohe Schulden, steigende Arbeitslosigkeit, Mini-Wachstum, ständiges Absinken in Standort-Rankings, Reformstau - wir befinden uns in einem (atmosphärischen) Jammertal. Und ohne Optimismus gibt es keine Investitionen, ohne Investitionen kein Wachstum und ohne Wachstum keine Jobs. Trotz alledem gibt es Grund zur Zuversicht. Denn, dass eine Steuerreform, die de facto 5,2 Milliarden Euro bewegt (sprich: die den Bürgern mehr im Geldbörsel bleiben), als Belastungspaket wahrgenommen wird, ist ausschließlich dem marketingtechnischen Unvermögen der Regierung zuzuschreiben. Tatsache bleibt: Die Haushaltseinkommen werden spürbar entlastet, und das wird zweifellos den Konsum ankurbeln. Außerdem: Im Grunde ist die Talsohle durchschritten. Der Wachstumspfad führt aufwärts. 2016 sollte ein Plus von bis zu 1,9 Prozent möglich sein. Dabei helfen in jedem Fall die bessere Konjunktur der Eurozone, der für unsere Exporte günstige Eurokurs und last but not least das billige Öl.

KFZ Wirtschaft Mystery Shopping
Abschließend will ich Ihnen noch einen Artikel in unserem aktuellen Heft wärmstens empfehlen: Im Rahmen unseres Reifen-Spezials haben wir ein Mystery Shopping gemacht, um vor Ort zu erkunden, inwieweit unsere Reifenfachhändler tatsächlich Potenziale bei der Kundenberatung ausschöpfen. Dafür haben wir eine 37-jährige Unternehmerin beauftragt, sieben Betriebe in Wien und Wien-Umgebung aufzusuchen mit dem immer gleich lautenden Anliegen: „Winterreifen für mein Auto. Nicht zu teuer.“ Was die Dame erlebt hat und wie VRÖ-Obmann James Tennant die Verhaltensweisen der Reifenfachhändler kommentiert, lesen Sie ab Seite 20.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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