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Noch ambitioniertere EU-Vorgaben

10.05.2013

Das EU-Parlament will die CO2-Grenzwerte für Autos weiter verschärfen. Was genau geplant ist, erklärt Dr. Christian Pesau, GF des Arbeitskreises der Automobilimporteure. 

Die Europäische Union hat in ihrer Klimaschutzpolitik drei Ziele ausgegeben: Die CO2-Emissionen sollen bis 2020 um 20 Prozent sinken, der Anteil der erneuerbaren Energie am Verbrauch auf 20 Prozent steigen und der Energieverbrauch soll um 20 Prozent fallen.
Betreffend die Minderung der CO2-Grenzwerte bei neuen Pkw haben sich Rat und Parlament in Brüssel im Dezember 2008 auf eine Verordnung geeinigt. Diese EU-Verordnung zur Festsetzung von Emissionsnormen für neue Pkw trat im April 2009 in Kraft. Die Verordnung schafft einen verbindlichen Rechtsrahmen und soll der Autoindustrie Planungssicherheit geben. Die erste Etappe sieht als Ziel ab 2015 einen Wert von 130 g/km vor. Hauptziel ist die Vorgabe, dass bis 2020 der CO2-Ausstoß auf durchschnittlich 95 g/km gesenkt werden soll. Die europäischen Vorgaben sollen langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie steigern, denn die Zukunft gehöre laut EU-Kommission effizienten Fahrzeugen – in Europa wie weltweit.

Vorreiter Volkswagen 

VW hat sich als erster Autobauer bereits im Februar dieses Jahres zu den Zielen bekannt. „Der Volkswagen-Konzern wird das 95-Gramm-Ziel bis 2020 schaffen“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. „Das ist extrem ehrgeizig“, räumte er ein, „aber wir nehmen diese Herausforderung an.“ Er erwarte jedoch, dass bei der Beurteilung der Reduktionserfolge auch Elektro- und Hybridautos berücksichtigt werden – „wie das in den USA und China der Fall ist“. 
Deutschland drängt in den Verhandlungen auf eine stärkere Anrechnung solcher Fahrzeuge auf die Emissionswerte der Neuwagenflotte. Besonders abgasarme Autos müssten auch nach 2015 mehrfach auf den Schadstoffausstoß der Flotten angerechnet werden. Diese „Supercredits“ seien ein wichtiger Anreiz für die Entwicklung und Vermarktung von Autos mit sehr geringem CO2-Ausstoß.
Für das Überschreiten der Grenzwerte müssen die Autoproduzenten empfindlich hohe Strafen zahlen. Derzeit beträgt der durchschnittliche CO2-Emissionswert von Europas Neuwagen 132,3 g/km, in Österreich 134,8 g/km. 
Das Europäische Parlament will nun die CO2-Gesetzgebung noch schärfer gestalten. Es hat Ende April bekannt gegeben, bei den Verhandlungen über den Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zu fordern, ab 2025 die Kohlendioxid-Emissionen von Neuwagen auf durchschnittlich 68 bis 78 g/km zu senken. Das entspricht einem Verbrauch von rund drei Litern Benzin auf 100 Kilometern – eine Halbierung im Vergleich zu den heute verkauften Neuwagen. Das exakte Ziel soll 2017 festgelegt werden. 
Außerdem wollen die EU-Abgeordneten 2017 ein neues Messverfahren einführen, das den tatsächlichen Verbrauch der Autos realistischer messen soll, als das bisher der Fall ist. Um einen Anreiz für die Verringerung des Gewichts der Autos zu setzen, soll nicht mehr das Gewicht der Wagen, sondern ihre Größe als Bezugsparameter für die erlaubten Kohlendioxidemissionen dienen.
Bisher gab es in der CO2-Gesetzgebung keine weitergehenden Festlegungen über 2020 hinaus, die EU-Kommission hatte zur zweiten Klimaschutz-Etappe kein neues Langfristziel vorgeschlagen. Führende EU-Politiker wie EU-Energiekommissar Günther Oettinger sind gegen eine solche weiterführende Festschreibung, wie es das Europäische Parlament nun vorgesehen hat. „Wir müssen eine Strategie entwickeln, die auch praktisch umsetzbar ist – sie muss den Stand der Technologie berücksichtigen und auch eine gewisse Flexibilität beinhalten“, so Oettinger.

Wissenschaftliche Begründung

Beim Verband der europäischen Automobilhersteller ACEA stieß dies umgehend auf Kritik: „Alle Ziele für die Zeit nach 2020 müssten wissenschaftlich begründet und überprüft sein, das dürfen nicht rein politische Zahlen sein“, erklärte der ACEA-Generalsekreträr Ivan Hodac. Anstatt mit immer neuen Zahlen zu jonglieren, müsse die Politik mehr Anreize für schadstoffarme und E-Fahrzeuge schaffen – wenn schon nicht finanzieller Art, dann zumindest mit Hilfe entsprechender Regulierung. Die Automobilindustrie werde aber weiterhin alles dafür tun, auch nach 2020 den CO2-Ausstoß zu senken. 
Fakt ist, dass unsere Autos immer effizienter werden. Dies wird von den Konsumenten geschätzt und ist ökologisch wichtig. Das auch weiter zu kommunizieren, darin liegt unsere Aufgabe. Lassen Sie uns gemeinsam nicht müde werden, unsere Kunden von den Vorteilen abgasarmer und spritsparender Fahrzeuge zu überzeugen.

 

Autor/in:
Christian Pesau
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