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Auch wenn es nicht danach aussieht: So ein Auto wird bald richtig teuer. Bis 2024 sind Preiserhöhungen um bis zu 72 (!) Prozent zu befürchten.

NoVA: Der Lieferwagen wird zum puren Luxus

20.04.2021

Die neue NoVA trifft nicht nur Superreiche mit ihren Sportwägen und SUVs, sondern vor allem eine Gruppe, die ohnehin schon leidet: kleine Unternehmer. Denn die Preise von Nutzfahrzeugen wachsen exponentiell. Davor warnt der Fuhrparkverband Austria.

Die NoVA-Erhöhung sowie Einführung dieser „Luxussteuer“ (als deren Ersatz wurde sie ja 1992 entwickelt) für leichte Nutzfahrzeuge rückt näher. Ab 1. Juli soll die von der Regierung geplante Ökologisierung der Normverbrauchsabgabe schlagend werden. Fast alle Fahrzeuge werden dann zusätzlich besteuert (zu den spärlichen Ausnahmen zählen Feuerwehrfahrzeuge und Rettungsautos).

Erstmals werden dann auch leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht NoVA-pflichtig. Und weil die NoVA an den CO2-Ausstoß gekoppelt ist, werden gerade diese Fahrzeuge spürbar teurer. „Kein Wunder, wer sich breitgesichtig und schrankwandgleich wie Opel Vivaro und Movano, Renault Trafic und Master, Mercedes Vito und Sprinter oder VW T6 und Crafter in den Fahrtwind stellt, wird kaum weniger als fünf Liter im Alltag verbrauchen“, betont Henning Heise, der Obmann des Fuhrparkverbands Austria (FVA). Auch wer Allrad oder ein Hochdach im Berufsalltag braucht, der verbrauche auf der Straße mehr. Und werde fortan dafür bestraft.

Unternehmer leiden

Diese Fahrzeuge verteuern sich vom 30. Juni auf den 1. Juli 2021 um mehrere tausend Euro, Pkw im besten Fall um ein paar hundert Euro, wie Heise erklärt. „Das tut es den Unternehmern richtig weh,“ sagt der Verbandsobmann, der dafür gerade in so schwierigen Zeiten wie diesen kein Verständnis hat.

Für das grundsätzlich Bestreben der Regierung, den CO2-Ausstoß des Verkehrsbereichs zu senken, zeigt er freilich sehr wohl Verständnis: „Daran ist per se nichts Schlechtes – auch der Fuhrparkverband setzt sich mit Informationsveranstaltungen und gezieltem Know-how-Transfer für eine stetige Verringerung der CO2-Emissionen ein.“ Ob allerdings die NoVA 2021 und insbesondere die weiteren geplanten Anpassungen in den Folgejahren das richtige Instrument zur Zielerreichung sei, darüber müsse man weiter diskutieren.

Vorziehkäufe

Aktuell sind Vorziehkäufe zu beobachten, bei denen ökologische Gesichtspunkte mitunter wohl noch nicht zwingend im Fokus stehen. „Wer kann, kauft jetzt“, sagt Heise. Das bestätigen Autohändler, die von einer regelrechten Sonderkonjunktur berichten. Peter Feldscher, Geschäftsführer von PSA Retail Austria, hat erst kürzlich gegenüber der KFZwirtschaft erklärt: „Bei Nutzfahrzeugen explodiert die Nachfrage.“ Laut Heise sind einige Marken und Modelle sogar schon ausverkauft.

Er warnt vor allem vor den von der Bundesregierung beschlossen sukzessiven Verschärfungen der NoVA bis 2024. Die CO2-Grenzwerte für die Berechnung und den Malus-Wert sinken jährlich weiter. Zuerst wird der bisherige Freibetrag von 115 Gramm CO2 je Kilometer weiter abgesenkt. 2021 um 3 Gramm, von 2022 bis 2024 dann jeweils um 5 Gramm.

Der nächste Schritt ist die stufenweise Senkung des Malusbetrags bis 2024. Dieser erhöht sich in diesem Zeitraum von 50 auf 80 Euro pro Gramm. Ab 2021 wird er ab einem CO2-Ausstoß von 200 Gramm fällig, ab 2024 bereits bei 155 Gramm. Ausnahmen für Nutzfahrzeuge gibt es hier keine.

Ebenso wird der Höchststeuersatz von derzeit noch 32 Prozent auf 80 Prozent im Jahr 2024 angehoben.Der bisherige NoVA-Deckel bei 32 Prozent wird ab Mitte 2021 Geschichte sein. Geplant ist zunächst eine Anhebung auf 50 Prozent, wobei alle 12 Monate dann weitere 10 Prozent dazukommen. 2024 liegt die neue NoVA-Obergrenze somit bei 80 Prozent.

73.545 Euro für einen Opel Movano

Heise: „Die Zahlen überfordern aktuell noch viele. Doch konkret bedeutet das, dass ein Mercedes Sprinter, der heute 48.959 Euro kostet, ab 1. Juli um 19.563 Euro teurer wird. Im Jahr 2024, wann der maximale NoVA-Satz laut Regierungsplan bei 80 Prozent liegt, wird der Transporter dann für 76.000 Euro beim Händler stehen. Das ist eine Verteuerung um 55 Prozent!“  Ähnliches gilt für den Opel Movano, der sich in drei Jahren von 42.647 Euro auf stolze 73.545 Euro und somit sogar um 72 Prozent verteuern werde. Unterm Strich steht für den FVA-Obmann fest: „Pkw werden teurer und die Preise von Nutzfahrzeugen wachsen exponentiell. Und das in einer Zeit, in der ohnehin bereits der Großteil der heimischen Unternehmen wirtschaftlich betrachtet seuchengeplagt am Boden liegt.“

Hinzu kommt, dass vor allem im Nutzfahrzeugbereich die elektrisch angetriebenen Alternativen noch nicht das leisten, was die Anwender in puncto Zuladung, Reichweite und Ladeleistung benötigen würden. Auch deshalb werden die konventionellen Fahrzeuge wohl noch länger gefahren.

Das zeigt im Übrigen auch eine Umfrage des Fuhrparkverbandes zur NoVA, an der knapp 180 Unternehmen mit insgesamt fast 40.000 Fahrzeugen teilgenommen haben: Der Umstieg bei den leichten Nutzfahrzeugen scheitert laut den Befragten an zu geringer Reichweite (87 %) oder Zuladung (62 %) sowie an fehlenden Möglichkeiten für Sonderaufbauten wie Pritschen oder Verkaufsfahrzeugen – und nicht zuletzt deshalb geben 99 Prozent aller Studienteilnehmer an, dass sie die Fahrzeuge in Zukunft länger nutzen wollen. 

Kein guter Lenkungseffekt

Heise:  „Was heißt das? Die alten ‚Stinker‘ bleiben auf der Straße – und das bringt auch dem Klima rein gar nichts.“ Es bräuchte also auch Maßnahmen, um diesen Bestand an Altfahrzeugen sukzessive zu verringern. Werden nämlich nur die Neuwagen teurer gemacht, dann ist der umwelttechnische Lenkungseffekt ein relativ kleiner. Pro Jahr werden nämlich lediglich zirka 270.000 Neuwagen verkauft und die ersetzen nicht im vollen Umfang diese ganz alten Daily Driver, sondern wandern in Verwertungskette langsam nach unten, so der Argumentation

„Wer einen Transporter der Schadstoffklasse Euro 4 fährt, der tut das nicht, weil er auf Nutzfahrzeug-Oldtimer steht, sondern weil er kein Geld für einen neues Fahrzeug hat. Die NoVA trifft die Mittelschicht, die sich ohnehin aufgrund der Krise nach unten ausdehnt und auch bisher schon allgemein die größte Steuer- und Abgabenlast zu tragen hatte“, meint Heise.

Genau darüber regt sich viel Unmut, wie auch die Umfrage des FVA zeigt: 90 Prozent halten den Zeitpunkt der NoVA-Erhöhung für falsch, 93 Prozent empfinden es als wenig sinnvoll gleichzeitig Förderungen in Milliarden auszuzahlen und die Steuern zu erhöhen und 88 Prozent kategorisieren NoVA überhaupt als kein taugliches Steuerinstrument um die CO2-Emissionen durch den Verkehr langfristig zu senken. 

 

Hinweis: Der FVA startet eine Aufklärungskampagne

Der Fuhrparkverband Austria wird in den nächsten 4 Wochen über alle Aspekte, Probleme und Schwachstellen der NoVA für leichte Nutzfahrzeuge aufklären. Die Gründe: Einerseits ist vielen Betrieben die finanzielle Tragweite noch immer nicht bewusst. Andererseits zweifelt der FVA an der Wirksamkeit der NoVA zur CO2-Verringerung. 

Tipp: An der Umfrage des FVA zum Thema NoVA-Erhöhung können Sie hier teilnehmen. 

 

 

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