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(l.) Angelika Moser (Notarin und Mediatorin aus Seekirchen) (r.) Michaela Rockenbauer (Obereder)

Obereder: Unternehmertag in Strobl

14.12.2017

Unter dem Motto „Das eigene Lebenswerk in die Zukunft führen“ lud die Firma Obereder zum Unternehmertag nach Strobl am Wolfgangsee. Eines vorweg: Fünf Jahre sollte man sich für die Übergabe zumindest Zeit nehmen.

Der beste Zeitpunkt etwas zu verändern sei, wenn alles gut laufe. Das betonte Coach Michael Holub im Rahmen seines Vortrags zum Thema Change-Management. Er verwies auf die Problematik, wonach es bei einem Familienunternehmen insofern zum Konflikt kommen könne, als man zugleich Familienmitglied und Unternehmer sei. Wie könne man verhindern, dass Probleme innerhalb der Familie ins Familienunternehmen überschwappen? Schwierig. „Sei gerecht in beiden Systemen“, so Holub. Einen wesentlichen Vorteil habe das Familienunternehmen aber in jedem Fall: „Die größte Kraft ist die Liebe zueinander“, so Holub. „Kein Konzern hat diesen Trumpf.“ Diese „größte Kraft “ sei eine vortreffliche Voraussetzung, um einen Veränderungsprozess in den Griff zu bekommen.

MITEINANDER REDEN

Die Übernahme eines Betriebs sei ein Einstieg in einen generativen Kreislauf. Es gehe um Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Banken, Gläubigern, Kunden und last but not least gegenüber den eigenen Familienmitgliedern, erläuterte Angelika Moser, Notarin und Mediatorin aus Seekirchen. Primäre Voraussetzung für das Gelingen einer Betriebsübergabe sei ausreichende Kommunikation. „Essenziell ist die Einigkeit in der Familie. Alle Familienmitglieder müssen eingebunden werden“, so Moser. Weitere wichtige Voraussetzungen:
▶ Bereitschaft zum (teilweisen) Rücktritt des Unternehmers
▶ Wille und Qualifikation des Übernehmers
▶ wirtschaftlich solide Situation des Unternehmens
▶ Zeit – zumindest fünf Jahre

Coach Michael Holub ergänzte, dass diese fünf Jahre grundsätzlich „etwas Schönes“ seien, zumal sich die Familienmitglieder sehr nahe kämen. Eine vollkommen einzigartige Angelegenheit, die es so eben nur in Familienbetrieben gebe. „Diese fünf Jahre sollten nicht etwas sein, wovor man sich fürchtet. Man sollte das als etwas Inniges betrachten, als eine große Chance“, so Holub. Zwei Generationen, ein Ziel.

SANIERUNGSFALL

Am 21. März 2012 lernten einander Markus Hager und Wolfgang Fuchs kennen. Ein Datum, dass beide Herren niemals vergessen werden. An diesem Tag begann die Sanierung des Unternehmens von Markus Hager. Hager ist Geschäftsführer eines Autohauses in Hollabrunn (Mazda- & Renault-Partner), Wolfgang Fuchs ist seit 20 Jahren auf Sanierungsfälle spezialisiert. Gemeinsam berichteten die beiden im Rahmen des „Unternehmertages“, wie die Sanierung des Betriebes vonstatten gehe. Die Liquidität war vollends entgleist, ein Zwist zwischen Markus Hager und seinem Bruder tat das Übrige. Fehlentwicklungen wurden schlicht zu spät erkannt. Die Parameter einer Sanierung skizziert Wolfgang Fuchs folgendermaßen:
▶ Wie kann die Zahlungsfähigkeit kurzfristig aufrechterhalten werden?
▶ Welche Ursachen haben zur Krise geführt?
▶ Welche Maßnahmen werden getroffen, um den Turnaround zu schaffen?
▶ Welche Ertragskraft ist nachhaltig zu erwarten?

„Fünf Jahre Betriebsübergabe sind etwas Inniges, eine Chance. Zwei Generationen, ein Ziel.“ MICHAEL HOLUB, COACH

Besonders interessant sind jene Ursachen, die laut Fuchs zu einer Insolvenz führten: 47 % innerbetriebliche Ursachen, 24 % externe, 15 % Fahrlässigkeit des Managements und 14 % struktureller Kapitalmangel. Das bedeute: 80 % des Geschäftserfolges liegen in der eigenen Hand. Es stelle sich die Frage: „Was kann ich machen, ändern, bewerkstelligen?“, so Fuchs. Dem Autohaus Hager in Hollabrunn geht’s mittlerweile übrigens wieder sehr gut. Bei der Sanierung war die Stoßrichtung das Thema „Ertragskraft “. Folgende Maßnahmen wurden getroffen:
▶ Rückführung bewerkstelligbarer Absatzvolumen (mit bestehender Struktur)
▶ Fokussierung auf Region
▶ Aufbau des Werkstätt engeschäfts
▶ Lösung Gesellschafterstruktur

DIE ÜBERGABE

Conclusio des „Unternehmertages“: Eine Betriebsübergabe ist etwas Großes und Herausforderndes, weil man diesen Prozess nicht einfach trainieren kann. Es handelt sich um etwas Einmaliges, man hat diesbezüglich ja keinerlei Erfahrung. Wenn es persönliche Querelen und Ressentiments gibt, kommt die professionelle Mediation ins Spiel. Die ausgebildete Mediatorin Michaela Rockenbauer kalmierte freilich: Das Wichtigste sei schlicht, miteinander zu kommunizieren. Mediation basiere auf Freiwilligkeit, stellte Rockenbauer klar. Es gehe darum, das Verfahren zu definieren, die Fragen zum Procedere zu klären, Ziele und Fristen zu setzen und gemeinsame Ideen zu entwickeln. Die Abschlussvereinbarung bestehe sodann aus einem schriftlichen Vertrag, der verbindlich sei.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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