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Peugeot 208: Verborgener Defekt

16.09.2021

Ein fünf Jahre alter Peugeot 208 beginnt beim Starten Mucken zu machen und verweigert eines Tages völlig den Dienst. Die erste Diagnose zeigt Probleme mit der Lichtmaschine an, doch die Lösung des Falls ist komplizierter als zunächst vermutet.

Der schnittige Kleinwagen der französischen Traditionsmarke Peugeot wird von einem 60 kW/82 PS starken „PureTech“ Benzinmotor mit 1,2 Liter Hubraum angetrieben und hat bereits 71.000 Kilometer auf dem Buckel. Sein Besitzer lebt in Wien und nützt das Auto im klassischen Mischbetrieb Stadt / Landstraße / Autobahn. Nachdem sich der Motor beim Starten des Öfteren bitten lässt, will er eines Tages überhaupt nicht mehr anspringen. Die Kfz-Werkstatt von Georg Ringseis, der auf Probleme mit der Fahrzeugelektrik spezialisiert ist, nimmt sich der Sache an. Nachdem die Lichtmaschine bei der ersten Überprüfung keine Stromabgabe zeigt, wird sie getauscht, die Batterie wieder vollständig aufgeladen. Doch diese naheliegende Maßnahme zeigt nur kurzfristigen Erfolg. Wenige Tage später klopft der Kunde erneut mit dem gleichen Problem an das Werkstatttor – ein Diagnosekrimi nimmt seinen Anfang.

  • Das Diagnosegerät zeigt an, dass auch die Tausch-Lichtmaschine keinen Ladestrom abgibt.
  • Eine Überprüfung der Kabelanschlüsse zeigt: Wird der Stecker von der Ladekontrolle abgezogen, steht plötzlich die volle Ladeleistung zur Verfügung.
  • Alle Sicherungen in beiden Sicherungskästen im Fußraum und bei der Batterie werden kontrolliert.
  • Der Verdacht, dass die getauschte Nachbau-Lichtmaschine gegenüber dem Original eine unpassende Kennlinie liefert, bestätigt sich nicht – der Austausch gegen das Original-Ersatzteil löst das Problem nicht.
  • Die Fehlersuche wird nun mithilfe des Schaltplans fortgesetzt. Dabei stellt sich heraus, dass die Leitung der Ladekontrolle mit dem Motorsteuergerät verbunden ist. Das Durchmessen der Leitung zeigt allerdings ebenfalls keinen Fehler.
  • Das Diagnosegerät meldet allerdings zwei Fehler am Steuergerät der Zentralelektronik im Fußraum des Cockpits: „Endstufe deaktiviert“ und „Funktionsstörung im LIN Datenbus des Generators“.
  • Der Verdacht kommt auf, dass der Fehler im Steuergerät beim Ausgang zur Lichtmaschine liegt.
  • Ringseis bringt den 208er zu einer befreundeten Peugeot-Fachwerkstätte, wo er an ein spezielles Peugeot Diagnosegerät angeschlossen wird.
  • Auf dem Display erscheint daraufhin die Meldung, dass der Defekt bereits firmenintern bekannt ist und im Rahmen einer stillen Rückrufaktion behoben werden soll.
  • Nun wird über das Peugeot-Diagnosegerät ein Update aufgespielt, das den Fehler endgültig eliminiert. Fazit: Die Lichtmaschine lädt wieder, der Fall ist gelöst.

Kommentar: Zugriff auf den Datenschatz

Georg Ringseis nützt als Inhaber einer freien Kfz-Werkstätte wie alle seine Branchenkollegen ein Mehrmarken-Diagnosegerät, um Defekten in der Fahrzeugelektronik auf die Spur zu kommen. Das Problem dabei: Von stillen Rückrufaktionen, über die Hersteller ausschließlich ihre eigenen Markenwerkstätten informieren, erfährt er nichts. Bei Fahrzeugen, die in Markenwerkstätten serviciert werden, fallen derartige Defekte meist gar nicht auf, da sie rechtzeitig durch Updates der Fahrzeugelektronik eliminiert werden. Für Georg Ringseis, Landesinnungsmeister der Wiener Fahrzeugtechniker, ist das eine klare Wettbewerbsverzerrung. In seiner Funktion setzt er sich dafür ein, dass auch die freien Werkstätten mit ihren Mehrmarken-Diagnosegeräten Zugang zu den aktuellen technischen Informationen der Hersteller erhalten. Vor allem die Besitzer älterer Fahrzeuge würden davon profitieren, indem sie aus einer großen Anzahl freier Werkstätten wählen könnten, die Reparaturen zumeist kostengünstiger als Markenwerkstätten anbieten. 

 

Autor/in:
Peter Seipel
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