Direkt zum Inhalt

RDKS als Chance und Risiko

21.07.2014

KFZ Wirtschaft-Roundtable RDKS (Reifendruckkontrollsystem) wird den Reifenwechsel deutlich aufwändiger machen. Die Reifengranden im Experten-Talk

Kfz Wirtschaft: Herr Dorfner, wie gut sind Sie in Ihrem Betrieb auf RDKS vorbereitet.
Roland Dorfner: Ich denke, wir sind ganz gut vorbereitet. Wir haben uns die Systeme angeschaut und versuchen, uns einen Ablaufplan zu schaffen. Wir schauen uns ganz genau die Kosten an, die auf uns zukommen werden, die wir auch dem Konsumenten weiterrechnen müssen. Das ist ein ganz heißes Thema. Ich glaube, da kommt eine riesige Chance auf uns zu, den Reifenfachhandel ein bisschen höherwertig darzustellen und damit mehr in Richtung Autohaus und Kfz-Werkstätte zu rücken.

Wann wird das erste spürbare RDKS-Jahr werden?
Roland Dorfner: Es gibt sehr interessante Studien vom BRV, die besagen, dass im ersten Jahr ungefähr fünf bis zehn Prozent der Fahrzeugen in einer Unternehmensgröße von 2000 umgesetzten Reifen kommen werden. heuer werden wir es vermutlich noch nicht spüren. Nächstes Jahr werden es sicherlich mehr werden, und in den nächsten zwei, drei Jahren ist es ein Thema. Da werden 50 Prozent der Fahrzeuge RDKS haben, und wir müssen dann damit umgehen können.

Also hat eigentlich der Fachhandel noch Zeit, wenn das erst in zwei, drei Jahren auf uns zukommt.
Roland Dorfner: Das klingt jetzt so, als wenn wir Zeit hätten, aber wir müssen einfach die Abläufe studieren, wir müssen lernen. Learning by doing. Wir werden mit Problemen konfrontiert sein, die wir so nicht voraussehen können. Gerade jetzt ist die richtige Zeit, sich damit zu beschäftigen.

Herr Frank, wie sind Ihre Betriebe gewappnet? Welches Potenzial und welche Gefahren in Bezug auf Mehraufwand und Mehrkosten sehen Sie für die Betriebe?
Matthias Frank: Mehraufwand werden wir auf jeden Fall haben, das steht fest. Im Moment testen wir noch verschiedenste Geräte und Sensoren, um uns dann europaweit für ein einheitliches System zu entscheiden. Das ganze kommt jetzt noch vor dem Winter. Und wir kümmern uns um eine entsprechende Schulung der Mitarbeiter in der Werkstatt aber auch im Verkauf. Viele Kunden werden kommen und gar nicht wissen, dass sie ein aktives oder passives RDKS-System haben. Das müssen wir als Reifenfachbetrieb herausfinden und dem Kunden auch anbieten.

Peter Ringhofer: Wir wollen als Partner den Reifenfachhandel bestmöglich unterstützen, damit er auch die Chancen, die sich ergeben, nützen kann. Machen muss es aber der Reifenfachhandel selbst. Eine Chance ist sicher da, da man eine zusätzliche Dienstleistung erbringt. Bei jeder Chance gibt es natürlich auch Gefahren, und die Gefahr sind die Autohäuser. Die sind professionell aufgestellt. Die Automobilindustrie hat immer schon versucht, mit allen möglichen Mitteln ihre Kunden an sich zu binden. Je weniger alte Autos es geben wird, desto mehr wird das auch dem Fachhandel in die Hände spielen. Es gibt sicher eine gewisse Durststrecke zu überbrücken. Aber man wird sich dran gewöhnen. Da die Sicherheit im Vordergrund stehen soll und der CO2-Ausstoß reduziert werden muss ist RDKS eine legitime Sache.

Christian Mielacher: Was wir wirklich für den Händler tun können, wissen wir selbst noch nicht. Das besorgniserregende bei dem RDKS-Thema ist für uns, dass ein Sicherheitsthema aufgegriffen wird, das aber nicht wirklich ein Sicherheitsthema ist. Für den Handel ist RDKS bei weitem komplexer als für das Autohaus. Der Reifenfachhandel hat es jetzt schwieriger und muss bei weitem besser vorbereitet sein und muss bei der Abwicklung viel mehr mitdenken und versuchen den Endverbraucher viel früher in den Verkaufsraum zu kriegen. Da machen wir uns Sorgen, wie der Handel das schaffen soll, noch dazu, weil die ganze Systematik und die Kalkulation noch nicht ausgegoren sind.

Herr Körpert, was erwarten Sie von RDKS?
Thomas Körpert: RDKS ist auch eine Chance. Es ist sicher eine Möglichkeit, sich als Fachhändler von anderen abzuheben und zu unterscheiden. Ich denke, über die Kosten von RDKS wird man sich noch viele Gedanken machen müssen. Fest steht für mich, es wird nicht möglich sein, diese Kosten NICHT an den Kunden weiterzugeben. Die sind so hoch, dass es jeder weiterverrechnen muss, weil es den Ertrag der Reifenhändler, der Reifen deutlich übersteigt.

Wird sich das spürbar auf das Mobilitätsverhalten der breiten Masse auswirken?
Thomas Körpert: Ich denke schon, denn wenn die Preise dort bleiben, wo sie sind, bin ich davon überzeugt, dass die Endverbraucher in bestimmten Bereichen diese höhere Investition sehr stark überdenken wird und nach Alternativen Ausschau hält.

Andreas Kropf: Ich würde es schon als Chance sehen, dass sich der Fachhandel mit einer guten Vorbereitung abheben kann. Wir von der Industrie-Seite mit Goodyear Dunlop helfen da ein bisschen mit Seminaren oder Wissensweitergabe, sind aber als Reifenhersteller selbst nicht involviert und haben nicht wirklich die Finger im Spiel bei dieser Entwicklung. Das überlassen wir dem Fahrzeughandel und den Anbietern der Geräte. Zum Beispiel USA, dort sind diese Systeme seit längerem Vorschrift und die Sensoren um 8 bis 10 Dollar erhältlich. Daher denke ich, dass es relativ rasch zu einer Nivellierung und einem Preisverfall kommen wird. Die momentanen Marktpreise von bis zu 400 Euro Zusatzkosten durch die Sensoren werden sich sehr bald verflüchtigen.

Hermann Hladky: Ich sehe RDKS als Chance, dass sich der Fachhändler wirklich deutlich deklariert. Wenn jeder Betrieb gut vorbereitet ist, sehe ich es nicht nur als Chance, sondern auch als Möglichkeit sich vom Autohaus abzuheben.

Walter Wittmann: Wir sind gut vorbereitet. Wir hatten bei Alcar schon eine Schulung. Ich sehe auch die Panik vor RDKS nicht begründet und etwas überbewertet. Es ist relativ einfach zu programmieren, vorausgesetzt der Hersteller – von dem man das ganze bezieht – hat seine Hausaufgaben gemacht. Das heißt, wenn die technischen Unterlagen passen, die Ventile lieferbar sind, dann sehe ich kein Problem.

Sehen Sie auch Potenzial darin?
Walter Wittmann: Ich glaube schon. Es wäre ein riesen Problem, wenn es sich nur um ein paar Euro handeln würde. Dann könnte es der Fachhandel einfach schlucken. Und genau das wird hier nicht möglich sein. Das heißt, es sind alle Betriebe gefordert, dementsprechende Aufschläge zu machen. Vielleicht muss man durchrechnen, wie lange der Zeitaufwand tatsächlich ist, wie lange ich dafür benötige, um die Kalkulation zu machen.

Ist zu befürchten, dass einige Betriebe zu Diskontern werden und das Geschäft zammhauen?
Walter Wittmann: Im Reifenfachhandel denke ich nicht. Die Befürchtung ist, dass es bei den Neureifen im Autohaus auch nicht mehr drauf ankommt, das RDKS einfach dazu zu schenken. Das Problem sehe ich schon.

Herr Michael, wie ist der Status Quo?
Oliver Michael: Der Status Quo ist, dass sich noch sehr wenig Reifendienste um das Thema angenommen haben. Entscheidungen stehen bei vielen vor der Tür, und es sind definitiv noch viele Entscheidungen ausständig. Und die technische Ausbildung an den Systemen ist sehr dürftig, weil noch keine Systeme in den Reifendiensten sind.

Wann ist die Zeit für den Fachhandel aktiv zu werden?
Oliver Michael: Die Zeit für die Anschaffung der Geräte wäre schon vor einem halben Jahr gewesen.

Wird es heuer noch Schulungen geben?
Oliver Michael: Bei uns gibt es laufend Schulungen, wir sind mittendrinnen. In Einzelgesprächen mit Kollegen habe ich festgestellt, dass sehr viele falsche Einschätzungen kursieren sind.

Können Sie einen Punkt nennen, den die Leute falsch einschätzen?
Oliver Michael: Zum Beispiel höre ich, ob sich noch keiner darüber Gedanken gemacht hat, ob jetzt das System auf einer Stahl- oder Alufelge funktioniert. Das sehe ich nicht so, denn es gibt genauso Gummiventil-Lösungen mit Sensoren wie Schraubventil-Lösungen. Des Weiteren kann ich, wenn ein Fahrzeug serienmäßig mit Gummiventilen bestückt ist, als Ersatz ein Gummiventil nehmen. Ich habe dabei auch den Vorteil, dass ich den Bruchteil der Zeit in der Montage brauche.

Video KFZ Wirtschaft Reifen Round Table

Autor/in:
Wolfgang Bauer
Werbung

Weiterführende Themen

VRÖ-Vorstand: Roland Dorfner, Herbert Wadel, Renate Okermüller, James Tennant, Peter Wondraschek.
Aktuelles
11.06.2014

RDKS (Reifendruckkontrollsysteme) bleibt das Top-Thema in der Reifen-Branche. Ab November 2014 müssen alle Neuwagen mit einem RDKS ausgestattet sein. Auf den Fachhandel kommt ein erheblicher ...

VRÖ Obmann James Tennant
Sonderthemen
31.03.2014

Ab November 2014 müssen alle Neuwagen mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ausgestattet sein. Für den Reifenfachhandel bleibt damit bleibt kein Stein auf dem anderen. Die KFZ Wirtschaft ...

Meinung
31.03.2014

Das aktuelle Reifen-Special der KFZ Wirtschaft ist prall gefüllt mit spannenden und informativen Geschichten rund um das so genannte „Low Interest Product“ Reifen.

Werbung