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Reichweitenschwindel bei E-Autos

14.11.2017

Während die Automobilhersteller früher nur bei Angaben zum Treibstoffverbrauch die UNWAHRHEIT gesagt haben, tun sie das jetzt auch bei der Reichweite von Elektroautos. Höchste Zeit, mit offenen Karten zu spielen.

Dass der vom Automobilhersteller angegebene und der reale Treibstoffverbrauch weit auseinanderklaffen, wussten die Autofahrer immer. Dass der Unterschied tatsächlich eklatant ist, ist den meisten vermutlich erst seit der sogenannten Dieselaffäre bewusst. Gemäß einer aktuellen Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) soll der Verbrauch um bis zu 42 Prozent höher sein als von den Herstellern angegeben. Bei den SUV, die sich im permanenten Aufwind befinden, soll der Verbrauch bis zu 50 Prozent höher sein. Der ICCT hat errechnet, dass der Autofahrer im Schnitt um 400 Euro pro Jahr mehr für Treibstoff bezahlt, als er beim Kauf des Fahrzeugs geglaubt hat. Diese enorme Diskrepanz erklären die Studienautoren mit den technisch veralteten europäischen Testzyklen NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus), die unter Laborbedingungen, sprich: technischen Idealbedingungen stattfinden. Wobei hier fairerweise angemerkt werden muss, dass diese Diskrepanz auch der Tatsache geschuldet ist, dass Klimaanlagen und andere elektronisch gesteuerte Zusatzfunktionen veritable Energiefresser sind.

HÖHERE NOVA

Spannend wird‘s bei der Normverbrauchsabgabe (NoVA), eine spezifisch österreichische Steuer, die beim Neuwagenkauf auf den Kaufpreis aufgeschlagen wird. Je mehr CO2 ein Fahrzeug emittiert, desto höher ist die NoVA. Seit September 2017 gilt nun der neue internationale Testzyklus WLTP (Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure), der die Fahrsituationen realistisch(er) abbildet. Bei diesem Test wird eine höhere Geschwindigkeit gefahren, es wird mehr beschleunigt. Laut Experten würden bei diesem Verfahren in der Realität „lediglich“ zirka 25 Prozent mehr Verbrauch herauskommen. Das heißt: die Pkw werden teurer werden. Laut Finanzministerium wird es allerdings eine Übergangsfrist geben: Für eine noch ungewisse Zeit soll der niedrigere Verbrauch vom herkömmlichen Testzyklus gelten.

WIEDER DIE UNWAHRHEIT

So wie sich Autofahrer bereits an die Unwahrheiten bezüglich des Treibstoffverbrauchs gewöhnt haben, so haben sich Besitzer von Elektroautos bereits an die Unwahrheiten bezüglich der Reichweite gewöhnt. Salopp gesagt: Jeder weiß das. Wenn der Hersteller angibt, dass ein E-Fahrzeug eine Reichweite von 300 Kilometern hat, dann weiß der E-Auto-Interessierte, dass die tatsächliche Reichweite nicht höher als 220, im Winter kaum höher als 200 Kilometer ist. Selbstverständlich sind diese Angaben aus Sicht der Automobilhersteller verständlich. Sie haben nur einen Haken: Wenn alle die Unwahrheit sagen, bleibt auch kein Wettbewerbsvorteil. Insofern könnten gleich alle die Karten offen auf den Tisch legen.

SAUBERE ELEKTROAUTOS

Last but not least eine aktuelle Studie zur Frage, wie sauber Elektroautos sind oder nicht sind. Forscher der Vrije Universiteit Brussel kommen zu folgendem Resultat: Elektroautos würden deutlich weniger Treibhausgase (zirka um ein Viertel) ausstoßen als vergleichbare Dieselfahrzeuge. Das sei selbst dann der Fall, wenn der geladene Strom aus Quellen mit besonders starkem CO2- Ausstoß stamme. Für ihre Berechnungen hat die belgische Universität den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge herangezogen – also auch deren Fertigung, die Batterieherstellung und den Energieverbrauch.

„Wenn alle die Unwahrheit sagen, bleibt auch kein Wettbewerbsvorteil.“ WOLFGANG BAUER

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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