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William Li, Firmengründer und CEO von Nio, stellte mit dem ET7 Nios erste elektrisch angetriebene Limousine auf dem Nio Day in Chengdu vor.

Revolutionäre Festkörper-Batterie am Start

13.01.2021

Der chinesische Autohersteller NIO stellt mit seiner Luxuslimousine ET7 das erste Elektroauto vor, das mit einer Festkörper-Batterie ausgestattet ist. Wir fragten Batterieforscher Marcus Jahn vom AIT, wie die jüngste Ankündigung dieser Wunderbatterie zu bewerten ist.

Marcus Jahn, Senior Research Engineer und Thematic Coordinator “Battery Technologies” am AIT Austrian Institute of Technology GmbH

NIO-Firmenchef William Li präsentierte diese Woche im chinesischen Chengdu die 5 Meter lange und knapp 2 Meter breite Luxuslimousine ET7, die dank einer neuen Akku-Technologie eine Reichweite von über 1000 Kilometer gemäß der alten NEFZ-Norm haben soll, was ungefähr 800 Kilometer nach WLTP entspricht. Der Stromspeicher mit 150 kWh Kapazität soll mit festen statt den heute üblichen flüssigen Elektrolyten funktionieren und schon Anfang nächsten Jahres im ET7 verfügbar sein. In Fachkreisen sorgt diese Ankündigung für Verwunderung. An den revolutionären Festkörper-Speichern, die im Vergleich mit heute gebräuchlichen Lithium-Ionen Batterien deutlich sicherer und leistungsfähiger sein werden, arbeiten zwar weltweit zahlreiche Forschungsinstitute, der Serieneinsatz in Elektroautos wurde bisher aber nicht vor 2025 erwartet.

Realistische Erwartungen

Wir fragten Batterieexperte Marcus Jahn, der als Senior Research Engineer am österreichischen Forschungsinstitut AIT tätig ist, wie realistisch die aktuelle Ankündigung aus China ist. „Natürlich kann ich keine direkte Meinung zu spezifischen Unternehmen wie NIO abgeben, aber zumindest eine generelle Einschätzung der Technologie“, so Jahn. Da NIO bisher keine konkreten Fahrdaten des ET7 veröffentlicht hat, sei er auf Vermutungen angewiesen. „Die Festkörperakkus mit 150 kWh Kapazität sollen eine 50% erhöhte Energiedichte gegenüber herkömmlichen Zellen haben - dabei ist unklar, wie eine Technologie, die herkömmliche Zellkomponenten wie Kathode und Anode verwendet, eine solche Erhöhung schafft“, meint Jahn. Auch wenn das noch eventuell möglich sei, bleibt fraglich, ob es sich dabei wirklich um eine Festkörperbatterie im engsten Sinne handelt oder eher um einen Hybrid, der zumindest einen geringen Anteil an Flüssigelektrolyt beinhaltet. „Es ist sicher nicht unmöglich, dass eine solche Technologie bereits in einem Labor oder in kleiner Prototyp-Fertigung gezeigt wurde, doch die große Herausforderung liegt im Bereich der Fertigung und Produktionsskalierung“, so Jahn. Die aktuellen Roadmap-Prognosen bis zur Serienreife werden daher üblicherweise für 2025 und später gegeben. „Für die Serienproduktion benötigt man normalerweise wesentlich früher eine Zertifizierung der Technologie – aus AIT-Erfahrung wissen wir, dass solche Tests und Zertifizierungen einige Zeit in Anspruch nehmen, um den internationalen Sicherheitsansprüchen zu entsprechen“, resümiert Batterieforscher Jahn. Faktum ist: Der neue Nio ET7 ist ab sofort in der Nio-App bestellbar, ausgeliefert wird Anfang 2022 zuerst in China, wo NIO auch 500 innovative Akku-Wechselstationen aufstellen will. Das Basismodell kostet umgerechnet rund 56.000 Euro, die Premier Edition rund 66.000 Euro.

Autor/in:
Peter Seipel
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