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Schirak tobt! Womit? Mit Recht.

13.04.2016

„Bis 2020 wird jedes dritte Auto im Internet gekauft.“ Zu diesem Resultat kommt eine aktuelle Studie von A.T. Kearney*. Einzelhandelssprecher Josef Schirak schlägt Alarm. Jetzt müsse auch der letzte „Ignorant“ aufwachen.

Von diesem „massiven Umbruch in Richtung digitaler Automobilvertrieb“, wie es A.T. Kearney zum Ausdruck bringt, würden die Hersteller, in erster Linie aber die markengebundenen Händler betroffen sein und dementsprechend rasch gelte es, die notwendigen Vertriebsstrukturen anzupassen. „Schwierig genug, wenn man sich die derzeit äußerst unscharfen, verwachsenen und vor allem unkoordinierten Vertriebs­praktiken der meisten Hersteller/Importeure ansieht, wo neue Fahrzeuge laufend unter Missachtung des eigenen markengebundenen Händlernetzes mit allen nur denkbaren Absatzpraktiken und ebenso über alle nur undenkbaren Absatzkanäle – natürlich am eigenen Händlernetz vorbei – in den Markt gepresst werden“, erklärt Josef ­Schirak, dessen Statements hier fast eins-zu-eins zitiert werden, weil sie schlicht am Punkt sind. 

Überlebenschance gleich null

Die laut A.T. Kearney prognostizierte Entwicklung, dass sich „Neuwagenkäufer“ künftighin verstärkt im Internet vorinformieren, dann beim Händler im Schauraum das Wunschauto sozusagen „endkonfigurieren“ auch noch eine Probefahrt absolvieren – letztlich aber das Auto über Internet dort kaufen, wo sie den besten Preis bekommen, lasse die Überlebenschance der davon betroffenen Kfz-Händler gegen den Nullpunkt schrumpfen. „Das Geschäft machen dann zumeist markenfremde und oftmals auch branchenfremde Anbieter fernab jeglicher Standard-Verpflichtung und sonstiger Vertragsvorgaben“, ist Schirak überzeugt. Und er fordert: „Neuwagen-Verkauf ausschließlich über die angestammten Vertragshändler und keineswegs in Form von Direktverkauf am Vertragshandel vorbei.“ 
Schirak attackiert die Hersteller frontal: „Jene, die in der Vermarktung ihrer Autos „zwei- oder mehrgleisig“ unter schwerster Benachteiligung ihrer Vertragshändlernetze unterwegs sein wollen, müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, ihre Vertragshändler als Profitcenter in Form der zwangsweisen Umsetzung von Neu- und Umbauten sowie Umsetzung kostenintensivster Standards zu missbrauchen. In diesem Bereich lukrieren angeblich manche Hersteller bzw. Importeure erhebliche Erträge, möglicherweise bei dem einen oder anderen Händlerpartner mehr, als durch dessen Fahrzeugverkauf.“ Und abschließend: „Das Internet sollte den Kaufinteressenten in ers­ter Linie als Informationsquelle für das Produkt dienlich sein und keineswegs für einen ruinösen Preiswettbewerb missbraucht werden. Der Schlüssel dazu liegt ausschließlich bei den Herstellern in Form einer vernünftigen Preis-, Rabatt- und Absatzpolitik.“

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Das kreuz mit der E-mobilität

Norwegen will ab 2025 Neuwagen mit Benzin und Diesel gänzlich verbieten. Bereits ab 2019 will Oslo Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nicht mehr in die Innenstadt lassen. Norwegen gilt als Spitzenreiter bei E-Mobilität. Mehr als ein Fünftel aller Fahrzeuge werden schon jetzt mit Strom betrieben. Norwegen fördert die Stromer dementsprechend: Beim Kauf fällt keine Mehrwertsteuer an, in vielen Städten kann kostenlos geparkt werden, E-Autos dürfen die Busspur benutzen und sind mautbefreit. In Österreich mahlen die Mühlen langsam. 2015 waren 1677 E-Pkw neu zugelassen worden, heuer rechnen (optimistische) Experten mit zirka 5000 Einheiten. Angesichts eines Gesamtbestands von 4,7 Millionen Pkw überschaubar. Das 2009 festgelegte Ziel der Bundesregierung von insgesamt 250.000 E-Autos bis 2020 auf Österreichs Straßen wird bei weitem nicht erreicht werden. Mit den Privilegien von E-Autos ist im Übrigen ab dem Zeitpunkt Schluss, da sie tatsächlich flächendeckend unterwegs sind. Der Staat wird einen Weg finden, die entgangene Mineralölsteuer zu kompensieren. Und: Mit dem Gratis-Parken und dem Fahren auf der Bus-Spur ist’s dann auch vorbei.
 

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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