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Viktor Weintrager, vulgo "Vickerl"Bastler in der MietwerkstattKlaus Leischner wechselt die Koppelstangen an seinem Mazda  MX5Auch komplette Werkzeugwagen kann man mietenViktor Weintrager, vulgo "Vickerl"Bastler in der MietwerkstattKlaus Leischner wechselt die Koppelstangen an seinem Mazda  MX5Auch komplette Werkzeugwagen kann man mieten

Schrauber von eigenen Gnaden

08.05.2014

In einer Mietwerkstatt in Wien-Donaustadt schrauben begeisterte Oldtimerbastler neben Pensionisten, Familienvätern und Studenten, die sich teure Auftragsreparaturen einfach nicht leisten können.

Auf der Hebebühne schwebt ein roter Mazda MX5 mit Klappscheinwerfern, an seiner Unterseite machen sich zwei junge Männer mit Schraubenschlüsseln über die Vorderachse her. „Wir müssen die Koppelstangen tauschen“, erklärt Klaus Leischner fachmännisch, er hat das Youngtimer-Cabrio erst kurz zuvor kostengünstig erworben. Der Hobby Kfz-Techniker ist von Beruf IT-Fachmann, sein Freund und Schraub-Kumpan Günter selbstständiger Energieberater.
Geeint durch die Begeisterung für sportliche Zweisitzer sowie durch den Wunsch nach Ausgleich zum Bildschirm-Beruf nehmen sie in der Freizeit analoges Werkzeug aus ehrlichem Metall in die Hand. Welche Ersatzteile benötigt werden und wie diese zu montieren sind, erfahren sie aus gedruckten Reparaturanleitungen und Internetforen. Hat sich einmal eine Schraube festgefressen, oder zwickt ein anderes mechanisches Problem, fragen sie einfach den „Vickerl“.

Ein Wiener Original
Viktor Weintrager, vulgo Vickerl, ist der Betreiber der Mietwerkstatt in Wien-Donaustadt und ein echtes Wiener Original. In breitem Dialekt räsoniert er über die ständig steigenden Reparaturpreise niedergelassener Kfz-Werkstätten und zieht die Schlussfolgerung: „Viele, die bei mir schraub‘n, könnt‘n si anders überhaupt ka Auto leisten.“ So zählen zu seinen Kunden Studenten, Pensionisten und sogar Alleinverdienerinnen, die auf ein Auto nicht verzichten und sich wenigstens die Servicekosten ersparen wollen, indem sie Öl-, Filter- und Reifenwechsel in der Mietwerkstatt selbst durchführen. Vickerl entsorgt das Altöl und die Verschleißteile ordnungsgemäß und steht seinen Kunden mit viel Erfahrung, einem sonnigen Gemüt und jeder Menge „Benzin im Blut“ auch bei komplizierteren Reparaturvorhaben zur Seite. Dabei ist Vickerl eigentlich gelernter Koch, aber sein großer Bruder hat Mechanikermeister gelernt, und dem hat er von klein auf immer auf die Finger geschaut. So reparierte Vickerl schon als Kind das Motorrad seines Großvaters, und im zarten Alter von 15 legte er sich vom Lehrlingsgeld sein erstes Auto zu: einen Fiat 124 Spezial, den er von Grund auf restaurierte.
Idee importiert
Nach seiner Kochkarriere verbrachte Vickerl den Großteil seines Berufslebens als Lkw-Fahrer, bevor er eines Tages in Deutschland eine Mietwerkstatt kennen lernte. Kurzerhand kündigte er seinen Job und importierte das Konzept nach Wien. 2009 eröffnete er „Meine Mietwerkstatt“ in der Stadlauerstraße 41. In der weitläufigen Halle stehen fünf Hebebühnen, in einem Nebenraum ist auch eine Zweiradbühne untergebracht. Gegen eine Gebühr von 6 Euro pro Stunde stellt Vickerl komplett bestückte Werkzeugwagen zur Verfügung, wer seine Schraubenschlüssel selbst mitbringt zahlt nur den Stundenpreis von 10 Euro  für einen Hallenplatz oder 12 Euro für einen Hebebühnenplatz. „Manche Leut sind echt g‘schickte Bastler“, staunt Vickerl immer wieder, wenn sich jemand zum Beispiel über einen Zahnriemenwechsel drübergetraut und diesen auch sauber erledigt hat. „Andere fangen was an und wissen dann mittendrin net weiter“, sagt Vickerl, „aber dafür bin i ja immer da.“ Echt beeindruckt hatte ihn dagegen ein Pensionist mit einem 560er Mercedes aus den 1980er-Jahren, der ein kleines Zahnrad für einen Fensterheber eigenhändig aus einem Messing-Rohling herausfräste. Vickerl dazu: „Der könnt‘ sich locker jede Werkstatt leisten, aber dem macht des Schraub‘n halt mehr Spaß.“

Dorn im Auge
Werner Fessl, Innungsmeister der Wiener Kfz-Techniker, sind Mietwerkstätten naturgemäß ein Dorn im Auge. „Ich sehe darin selbstverständlich eine Konkurrenz zu den niedergelassenen Betrieben, da dort unter sehr fragwürdigen Umständen gearbeitet wird“, so der Standesvertreter. Gegen selbst durchgeführte einfache Servicearbeiten wie Öl- oder Reifenwechsel hätte Fessl ja gar nichts einzuwenden, doch „von Laien durchgeführte Arbeiten an sicherheitskritischen Komponenten wie Fahrwerk und Bremsen lehne ich definitiv ab.“

Daten & Fakten

In Deutschland
bereits weit verbreitet, ist die Anzahl an Mietwerkstätten in Österreich derzeit noch überschaubar. Von einer ernsthaften Konkurrenz zu niedergelassenen Betrieben kann daher keine Rede sein.

▶ Wien
Meine Mietwerkstatt, 1220 Wien:
www.meinemiet
werkstatt.at
Verein Hobby-Technik, 1230 Wien:
www.hobby-technik.at

▶ Niederösterreich
Auto-Motorrad-Mietwerkstatt, Traiskirchen: www.automietwerkstatt.at

▶ Steiermark
Car Lifts Leopold, St. Marein bei Graz:
www.kfz-carlifts.at

▶ Tirol
Schrauberhangar, Kundl: www.schrauberhangar.at
Kfz Hauser, Mils:
www.kfz-hauser.at  

▶ Oberösterreich
Verein Hobby-Technik, Wels:
www.hobbytechnik.net

▶ Vorarlberg
Schrauberhölle,
Bregenz:
www.schrauberhoelle.at

 

Autor/in:
Peter Seipel
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