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Der neue Seat Tarraco ist ein ziemlich erwachsenes, großes Auto geworden.

Seat zeigt Flagge

19.12.2018

In Barcelona präsentiert SEAT sein neues Flaggschiff: den Tarraco. Als Spitzenmodell rundet er die SUV-Palette der Spanier ab. Schade nur, dass er mehr Škoda als Seat ist.

Das Interieur ist nüchtern, dafür gibt es drei Sitzreihen mit Platz für bis zu sieben Personen.

Seat ist – wenn es um Neuwagenkunden geht – die jüngste Automobilmarke. Das Durchschnittsalter beträgt genau 44 Jahre. Und: Seat platziert sich heuer in der Rangliste der österreichischen Neuwagenzulassungen auf Platz drei, gleich hinter VW und Škoda und vermutlich hauchdünn vor Ford. Mit dem neuen Tarraco, einem großen SUV mit bis zu sieben Sitzen, will man nun auch solventere Käufer für Seat begeistern. Dabei galt Seat im Konzern als junge, hippe, stylishe und sportliche Marke. Inwieweit da ein siebensitziger SUV ins Portfolio passt, ist doch etwas unklar. Bei der Präsentation sagt Wolfgang Wurm, Geschäftsführer Porsche Austria, dass man damit das noch immer boomende SUV-Segment nach oben hin abrundet und nun für jeden Geschmack den richtigen SUV im Seat-Schauraum zu bieten hat. Gleichzeitig hat man die Motorsportlinie Cupra zur eigenen Marke gemacht, ähnlich wie DS im PSA-Konzern. Cupra ist laut Wurm bewusst zwischen Massen- und Premiummarkt positioniert. Man könnte schlussfolgern: Cupra soll ab jetzt stylish und sportlich sein, Seat deckt den Rest ab. Nur: Da gibt es im Konzern schon Škoda und VW.

BREITE STATT NISCHE

Die Zahlen sprechen für Seat: Österreich ist der siebenterfolgreichste Markt, der Marktanteil ist kumuliert von Jänner bis Oktober 2018 auf 5,7 Prozent gestiegen. Betrachtet man nur den Marktanteil, liegt Österreich im Europavergleich sogar auf Platz zwei, nur vom Heimatmarkt Spanien geschlagen. Durch den Aufbau der SUV-Palette (Arona, Ateca und jetzt Tarraco) wird der Kundenkreis spürbar breiter. Seat entwickelt sich gerade aus der Nische zum „Vollsortimenter“. Spannend: Seat möchte auch sehr bewusst die Erdgas-Modelle vorantreiben und bietet mit Mii, Ibiza, Leon und Arona gleich vier Modelle mit bivalentem CNGAntrieb an.

NEUVORSTELLUNG TARRACO

Der neue Seat Tarraco bietet vor allem eines: Platz. Viel Platz, mit bis zu sieben Sitzen. Die Motorenpalette ist überschaubar: Es gibt zwei Benzin- und Dieselmotoren mit jeweils 150 oder 190 PS Leistung. Ab 2020 ist ein Plug-in-Hybrid geplant. In Österreich wird es zwei Ausstattungslinien geben (Style, Xcellence), der Startpreis – mit allen Boni – liegt bei 29.990 Euro. Gewisse Ernüchterung macht sich jedoch schnell im Innenraum breit: Sitzt man jetzt in einem Škoda Kodiaq oder in einem Seat Tarraco? Man weiß es nicht. Viele Bedienelemente schauen komplett gleich aus. Feuriges, spanisches Interieur-Design? Leider nein. Eher deutsche Geradlinigkeit. Keine frechen Farben, keine frechen Details. Alles ist… brav. Ordentlich, verständlich, vielleicht etwas viel Kunststoff , nie wirklich störend, aber eben auch nicht animierend. Es fehlt die spanische Lässigkeit, die Würze, das Freche. Und vor allem: das Jugendliche. Für die jüngste Marke ist dieses Auto viel zu erwachsen, zu vernünft ig. Aber gut, lassen wir die Emotion in Bewegung aufkommen. Wir fahren den 190-PS-Benziner mit Allrad und DSG. Die Übersicht – bis auf die Schießscharte von Rückfenster – ist gut. Das Raumgefühl luft ig. Tritt aufs Gaspedal. Überraschung, der Spanier gibt sich träge. Trotz 190 Pferden ist der Antritt zahm. Zwar tönt der Benziner etwas sportlich, aber der Vorwärtsdrang lässt nicht auf 190 PS schließen. Auch das manuelle Schalten verändert nicht viel, macht aus dem Tarraco keinen Gipfelstürmer. Es gibt jetzt zwei Att ribute, die zutreff en: gediegen und unspektakulär. Der Verbrauch auf der Testrunde mit über elf Litern war dafür zu hoch. Der Tarraco wiegt laut Werksangabe knapp unter 1,7 Tonnen. Und das spürt man. Das kann auch die direkte Lenkung nicht kaschieren. Wankbewegungen sind omnipräsent. Mal dämpft das Fahrwerk weicher, mal etwas strammer. Die Straßenlage ist gut, aber der direkte Draht zum Fahrer fehlt. Nach zwei Stunden im Auto bleibt ein total verwechselbarer Eindruck zurück. Das knackige Seat-Gefühl fehlt.

Autor/in:
Philipp Bednar
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