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So eine Krise würde sich manch einer wünschen

17.03.2021

Corona hat natürlich auch die Autoindustrie getroffen. Allerdings stehen VW, BMW und Co. gar nicht so schlecht da. Jetzt verpassen sich die Hersteller einen neuen Anstrich, sie erzählen dabei aber allesamt dieselbe Geschichte. Aber die ist wenigstens durchaus spannend. 

Die Autoindustrie musste 2020 nicht nur Absatzeinbrüche wegstecken, sondern auch gleich einen grundlegenden, politisch forcierten Transformationsprozess in Richtung E-Mobilität. Wie sich jetzt herausstellt, ist man allerdings offenbar ganz hervorragend durch diese Krise gekommen. Die jüngsten Zahlen von VW und BMW dokumentieren zwar empfindliche Gewinnrückgänge für das Jahr 2020, allerdings wurden selbst in der epochalen Krise immer noch Milliardengewinne eingefahren. Und die jetzt verkündeten Maßnahmen zur Transformation verleihen den Konzernen auch neue Wachstumsfantasie.

Aktien im Höhenflug

All das ist abzulesen an den Aktienkursen der Konzerne. Die BMW-Aktie hat binnen eines Jahres nun bereits 100 Prozent zugelegt, sich also im Wert glatt verdoppelt. Damit wurden längst auch jene Kursverluste wettgemacht, die im Zuge des Corona-Schocks zu Beginn des Jahres 2020 erlitten wurden. Ähnlich sieht es bei der Konkurrenz aus, die VW-Aktie hat sich sogar bereits an ihr Allzeithoch herangepirscht. Und die Kurse stehen selbstverständlich nicht umsonst dort, wo sie nun einmal stehen. Börsianer haben nichts zu verschenken.

Die Revolution des Fahrzeugbaus weckt Begehrlichkeiten. Immer mehr Wertschöpfung wird im Softwarebereich erzielt, dazu kommt das Thema Batterie als Schlüsseltechnologie und das Auto wird zum Datenlieferanten. Es entstehen ganz neue Geschäftsmodelle, es gibt reichlich Förderungen und jeder will ein Stück vom Kuchen.

Freilich muss am Ende des Tages auch geliefert werden. Und zwar mehr als bloße Lippenbekenntnisse. Denn, und das wurde an dieser Stelle erst kürzlich betont, die Strategien, wie die Autoriesen jetzt reihum verkünden, lesen sich im Grunde alle gleich. Man könnte glatt beim PR-Budget sparen und Synergien nützen: Ein Standard-Text zum Wechsel Richtung E-Mobilität, in dem dann einfach nur die Markennamen und Jahreszahlen ausgetauscht werden.

Genug der Worte

Für die gesamte Brache ist so ein technologischer Wandel eine Herausforderung und der ein oder andere könnte sehr wohl auf der Strecke bleiben. Aber es ist auch eine Chance und jedenfalls eine extrem spannende Zeit. Der Worte sind genug gewechselt, nun müssen all diesen schönen Worten auch Taten folgen. Sprich, es müssen schlicht und einfach Produkte geschaffen werden, die die Menschen begeistern. Und das gelingt nur, wenn man mit ganzem Herzen und voller Überzeugung bei der Sache ist und nicht nur Neues entwickelt, damit man den Aktionären irgendetwas Neues präsentieren kann.

Derweil bleibt festzuhalten, dass die Krise der Autobranche aktuell eine ist, die sich viele andere Industrien geradezu wünschen würden. Und so erlaube ich mir als Beobachter auch, darüber zu schmunzeln, dass nun ausgerechnet BMW einen auf Greta macht und sich ein grünes Mascherl umhängt. Apropos: Was passiert längerfristig wohl mit dem M im Firmennamen? Vielleicht muss der mal auf BBW umgeändert werden – für Bayerische Batterie Werke. Oder im Sinne der Nachhaltigkeit gar auf Mist. Womit wir beim Bayerischen Mist Wagen angelangt wären – jener Bezeichnung, über die wir schon als Kind gewitzelt haben, nur dass das heutzutage bei all dem Ökowahn geradezu positiv behaftet wäre.

Autor/in:
Hans-Jörg Bruckberger
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