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Starke Nachfrage, schwache Lieferketten

16.09.2021

Der österreichische Neuwagenmarkt steht weiter auf der Bremse und schrumpfte im August 2021 gegenüber August 2020 um 15 Prozent, im Vergleich zum August 2019 sogar um 41 Prozent.

Gerhard Schwartz, Partner bei EY Österreich, analysiert die Situation am Markt: „Der Mangel an Chips blockiert einen Aufschwung am Neuwagenmarkt. Das ist schade, denn die Nachfrage ist im Moment groß, doch die Autobranche ist zurzeit nicht in der Lage, diese zu sättigen.“ Schwartz schätzt, dass es zwei Jahre dauern wird, um zusätzliche Produktionskapazitäten für Halbleiter aufzubauen, und dass die akute Krise gegen Ende des Jahres ausgestanden sein wird. „Wir haben eine robuste Konjunktur und die aufgestaute Nachfrage verspricht Nachholeffekte.“ Laut dem EY Experten resultieren die Probleme mit den Halbleitern zwar in langen Lieferzeiten und einem geringen Neuwagenabsatz, die Hersteller könnten im aktuellen Umfeld aber durchaus höhere Preise durchzusetzen: „Die Hersteller reagieren auf den Halbleitermangel mit Anpassungen im Modellmix. Bei der Preisdurchsetzung gibt es kaum noch Kompromisse – das ist kein besonders günstiges Umfeld für Schnäppchenjäger.“

Elektro-Boom hält an

Österreich legte im August beim Marktanteil elektrifizierter Neuwagen kräftig zu: Fast ein Viertel (24,4 %) der hierzulande verkauften Neuwagen waren Elektroautos oder Plug-in-Hybride. Ein deutlicher Sprung gegenüber dem Vorjahresmonat, als nur 8,4 Prozent der Neuwagen elektrifizierte Fahrzeuge waren. „Förderungen und Steuervorteile halten das Interesse an Fahrzeugen mit elektrifiziertem Antrieb auf hohem Niveau“, beobachtet Schwartz. Er rechnet damit, dass das Absatzwachstum bei elektrifizierten Neuwagen in den kommenden Monaten nochmal an Fahrt gewinnt. Denn die Nachfrage steigt nicht nur aufgrund neuer, nachhaltig orientierter Wertvorstellungen, sondern auch aufgrund der immer attraktiver werdenden Angebote. Die Autobauer bringen laufend neue Elektroautos und Plug-in-Hybride in unterschiedlichen Preissegmenten auf den Markt, die auch beim Thema Reichweite immer besser werden. Bei reinen Elektroautos beträgt der Marktanteil derzeit in Österreich 18,1 Prozent. Der Anteil an Plug-in-Hybriden liegt hierzulande bei nur 6,4 Prozent.

Diesel verliert weiter

Der Zuwachs bei elektrifizierten Neuwagen lässt den Marktanteil bei den reinen Verbrennern weiter sinken. Vor allem der Dieselantrieb verliert enorm an Bedeutung: In Österreich ging sein Marktanteil von 38,1 Prozent im August 2019 und 36,8 Prozent im August 2020 auf nur noch 22,7 Prozent im August 2021 zurück. In den Top-5-Märkten sind nur noch 17,4 Prozent aller Neuwagen Selbstzünder – vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 28,8 Prozent, im August 2019 bei 30,4 Prozent. „Wenn der Boom anhält, gehen vielleicht schon nächstes Jahr in Westeuropa mehr Elektroautos als Diesel-Pkw über den Tisch“, prognostiziert Schwartz.

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