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Tagebuch des Wandels: Geht's jetzt richtig los?

03.02.2021

Willkommen bei unserer neuen Rubrik: dem Tagebuch des Wandels. In dieser Strecke widmen wir uns ausschließlich alternativen Antrieben, neuen Mobilitätslösungen und Geschäftsfeldern. Den Start macht der Mazda MX-30 – das etwas andere E-Auto. 

Gefühlt gibt es bei E-Autos nur ein Thema: deren Reichweite. Je weiter, desto besser. PS, Drehmoment, Kofferraumvolumen? Tendenziell sekundär bei den Stromern. Ordentlich Kapazität brauchen sie und nicht zu teuer sollen sie sein. Mazda hat sich lange gegen die Elektrofizierung gestemmt, jetzt bringen sie mit dem MX-30 selbst einen Stromer auf den Markt. Das bemerkenswerte daran ist weniger das Design, obwohl die gegenläufig öffnenden Türen schon ein Hingucker sind, sondern der Ansatz: Mazda spendiert dem MX-30 nur 35,5 kWh-Batteriekapazität und gibt eine Maximalreichweite (laut WLTP) von 262 km an. Nicht viel. Warum? Weil Mazda sagt, dass der Durchschnittsfahrer pro Tag nur etwas über 30 Kilometer fährt, daher so viel Reichweite gar nicht braucht und man das Auto so – in der Gesamtumweltbilanz – viel nachhaltiger bauen kann. Kleinerer Akku, weniger Energiebedarf bei Erbauung und Entsorgung. Klingt grün.

Knackpunkt Alltagsreichweite

Im Alltag stößt man aber alsbald an die Grenzen der Praktikabilität: Bei winterlichen Temperaturen fällt die Reichweite laut Bordcomputer auf maximal 150 km. Nutzt man die Heizung, sind 12-18 km gleich wieder futsch. Auf der Autobahn bei 130 km/h geht pro Kilometer ca. ein Prozent Akkuleistung flöten. Dafür fährt man in der Stadt sehr sparsam und kann mit starker Rekuperationseinstellung teilweise sogar mehr gewinnen als man verbraucht. Toll. Weniger praktisch sind die Türen, die vor allem in schmalen Tiefgaragen und engen Parklücken zu viel Schwenkplatz brauchen. Überhaupt ist das Sitzen in der zweiten Reihe maximal Jugendlichen zuzumuten – slim fit heißt das heute. Über jeden Zweifel erhaben ist das Design. Schön ist er, modern, am Puls der Zeit. Zwei Touchdisplays im Innenraum signalisieren: Raumschiff Enterprise. Die 360 Grad-Kamera lässt Oberklassenflair aufkommen. Einfach eine g’schmackige G’schicht der Mazda. Salzig ist auch der Preis: Unsere Testversion mit einmal alles kostet doch 41.990 Euro. Okay, Förderungen kann man noch abziehen, aber ob seines Preisniveaus ist der Mazda MX-30 kein Stromer für alle. 

Range Extender mit Wankelmotor

Der Kniff des Mazda MX-30 ist jedoch ein anderer: Er bekommt noch einen Wankel-Motor-Range Extender. Damit wächst die Reichweite und das grüne Basisgewissen wird nicht in seinen Grundfesten erschüttert. Dann ähnelt der MX-30 vom Konzept jedoch schon arg dem BMW i3 – der 2013 auf die Welt kam. Vorteil Mazda: Kein Carbonchassis – weniger Kosten, mehr Reichweite, mehr Platz, vergleichbarer Luxus. Mit dem Range Extender könnte der Mazda MX-30 aber für sehr viele Kunden das perfekte Pendlerauto werden. 

Fazit

Derzeit, nur mit einer mittelgroßen Batterie bestückt, ist der Mazda MX-30 als einziges Auto in der Garage noch eine mutige Entscheidung. Mit dem Range Extender (Marktstart noch unbekannt) könnte sich der Kundenkreis aber dramatisch erweitern. Die Idee ist nachhaltig, die Umsetzung auf Schiene. Darum ist der MX-30 durchaus ein passendes Puzzlestück, um die Mobilitätswende unterstützen zu können. Der Weisheit letzter Schluss ist er aber noch nicht. So fair uns kritisch muss man sein.

Unser Tagebuch des Wandels dient als Plattform für Automodelle mit alternativen Antrieben, für neue Mobilitätslösungen und Geschäftsfelder sowie Mobilitätsreportagen aus dem Alltag, um einzufanden, wie sich Mobilität ab 2021 weiterentwickeln wird. 
Mit freundlicher Unterstützung von Total Austria

Autor/in:
Philipp Bednar
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