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Trotzdem nach vorn schauen

15.02.2016

Die nackten Zahlen verleiten nicht zu Freudentänzen, vor Pessimismus und Schwarzmalerei sollten wir uns aber auch hüten. 2016 müsste ein solides Kfz-Jahr werden, wenn wir zuversichtlich und offen für Neues sind.

Die Automobilimporteure ziehen ein positives Resumee zum Autojahr 2015. Insgesamt sind 308.555 Pkw neuzugelassen worden. Das ergibt ein Plus von 1,7 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Angesichts der flauen Konjunktur ist dieses Ergebnis wenn nicht berauschend, so doch akzeptabel. Kurzzulassungen hin oder her (siehe auch Glosse auf Seite 52). Tatsächlich Grund zur Sorge bereitet die Studie der KMU Forschung Austria, die für das vierte Quartal 2015 ihre traditionelle Konjunkturbeobachtung für Gewerbe und Handwerk gemacht hat: 
▶ Im Branchenschnitt ist der Umsatz in den ersten drei Quartalen gegenüber dem Jahr davor wertmäßig um 2,1% gesunken. 14% der Betriebe meldeten Steigerungen um durchschnittlich 10,3%, 35% der betriebe verzeichneten Rückgänge um 13,4%. Bei 51% lag der Umsatz so wie im Jahr davor. In puncto Geschäftsbereiche sieht’s folgendermaßen aus: Beim Neuwagenverkauf verzeichneten 53% der Betriebe sinkende Umsätze. Nur 6% schafften ein Plus. Beim Gebrauchtwagenverkauf erzielten 57% geringere Umsätze, sieben steigende. Im so wichtigen Segment „Werkstätte“ gab es bei 34 Prozent Rückgänge, bei 12% Steigerungen.

▶ Auch die „Beurteilung der Geschäftslage“ mutet ernüchternd an: 32% der Betriebe erachten diese als „schlecht“, nur 9% als gut.

▶ Für das erste Quartal 2016 prognostizieren 11% der Betriebe Umsatzsteigerungen. 21% rechnen mit Rückgängen.

▶ 5% der Betriebe planen, den Beschäftigtenstand im ersten Quartal 2016 um durchschnittlich 22% zu erhöhen. 12% der Betriebe planen eine Verringerung um durchschnittlich 15,8%.
Wiesenthal-Chef Clary

Die Kfz-Branche ist, was ihre Protagonisten betrifft, im Grunde eine sehr homogene. Sprich: sehr häufig gilt, einmal Kfz-Branche, immer Kfz-Branche. Beim traditionellen „Eurotax-Neujahrsempfang“ trifft man alljährlich de facto dieselben Menschen, zuweilen nur mit anderen Visitkarten. Eine so genannte Personalia hat dieser Tage aber jedenfalls für großes Aufsehen gesorgt. Felix Clary fungiert ab sofort als Vorstand von Wiesenthal und tritt damit die Nachfolge von Alexander Martinowsky an. Clary war von 1973 bis 2008 im BMW-Konzern tätig, unter anderem zwölf Jahre als Österreich-Chef und zuletzt als Leiter der Vertriebsregion „Nordic“. Seit 2012 ist er nun Sprecher der Automobilimporteure. Diese Funktion hatte er bereits im Jahr 2000 zum ersten Mal inne. Nun sucht der Arbeitskreis der Automobilimporteure einen Nachfolger. Dies wird insofern gar nicht so leicht, als Clary seine Tätigkeit engagiert und kämpferisch ausfüllt und auch das notwendige Standing für diese Position hat. Und vor allem: der emeritierte Interessenvertreter hat hinreichend Zeit, sich voll und ganz dieser Funktion zu widmen. Die Fußstapfen für Clarys Nach-
folger sind zweifellos große.

Keine Steuererhöhungen
Last but not least gilt es einmal mehr, auf der Hut zu sein, zumal Steuererhöhungen für Autofahrer von der Politik zurzeit wieder diskutiert werden. Eine Erhöhung der Mineralölsteuer auf Diesel wird in Betracht gezogen. BGO Burkhard Ernst, Obmann des Vereins „Mein Auto“, erteilt diesen Plänen eine klare Absage. Im letzten Jahr hat der Autofahrer durchschnittlich 2152 Euro an Steuern, Gebühren und Mauten zu blechen gehabt. Vergleicht man diesen Wert mit der Jahressteuerlast vom Jahr 2000, so ergibt sich ein Plus von dreisten 30%. „Die Schmerzgrenze ist laut Ernst „seit Langem erreicht“. Das ist sie tatsächlich.
 

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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