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Und wer zahlt die Zeche?

16.07.2019

Sollen Betriebe Ablösesummen zahlen, wenn sie Lehrlinge gleich nach der Lehrabschlussprüfung von der Konkurrenz abwerben? Diese Forderung kommt vom Zentralverband des deutschen Handwerks. Ein gangbarer Weg für Österreich?

Betriebe, die ihre Ausgebildeten gleich nach Absolvierung der Lehre verlieren, sollen eine Entschädigung erhalten, eine Art Ablöse. Der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, wörtlich: „Auszubildende sollen in den ersten Jahren nach der Lehre nur dann den Betrieb wechseln dürfen, wenn der neue Arbeitgeber einen Teil der Ausbildungskosten übernimmt.“ Tatsache ist: Die Abwerbung von jungen Fachkräften ist ein omnipräsentes Thema. Laut einer aktuellen Studie des ibw (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft) seien nur 35 Prozent aller Lehrlinge fünf Jahre nach Lehrabschluss noch bei ihrem Ausbildungsbetrieb beschäftigt. Die Ausbildung eines Lehrlings koste den Betrieb im Schnitt 14.000 Euro. 

Nicht praktikabel, nicht gesetzeskonform

„Ich habe in meinem Leben über 100 Lehrlinge ausgebildet. 60 davon arbeiten jetzt bei Magna“, bringt es der Bundesinnungsmeister der Fahrzeugtechnik Josef Harb die Problematik auf den Punkt. Davon, Ablösesummen zu zahlen, hält Harb nichts: „So geht das nicht, das wäre weder gut noch praktikabel.“ Derartige Transferzahlungen wären auch nicht gut für das Image der automotiven Branche. Es gehe vielmehr darum, dass sich deutlich mehr Betriebe dazu bereit erklären, Lehrlinge auszubilden und dass in Schulen frühzeitig die Werbetrommel für den Beruf des Kfz-Technikers gerührt werde.

In dieselbe Kerbe stößt der Bundesinnungsmeister der Kfz-Techniker Josef Puntinger: „Ich halte nichts von einer Ablösezahlung. Sie wäre aus meiner Sicht auch nicht gesetzeskonform. Aber wir sollten wachsam sein.“ Zumal das Kfz-Gewerbe seine Lehrlinge in der Regel gut ausbilde und diese jungen Menschen sodann dementsprechend gefragt seien. „Werden Fachkräfte gesucht, klopft man erst einmal bei Kfz-Betrieben an“, so Puntinger.

„Absurde Idee“

Von einer „absurden Idee“ spricht Professor Burkhard Ernst, Vorstand der Rainer-Gruppe und Wiener LGO des Fahrzeughandels. Aber: Ein Betrieb müsse Geld bekommen, wenn er einen Lehrling ausbilde, „immerhin erspart sich das Gemeinwesen die Kosten im Gegensatz zur Ausbildung von Schülern und Studenten.“ Irgendjemand müsse dafür zahlen „und ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Branchenkollege ist.“ Man müsse wieder zurück dorthin, wo die Eltern oder der Staat für die Ausbildung des Lehrlings aufkommen. „Es ist richtig, dass man mit einem Lehrling im dritten Lehrjahr was verdient, aber im ersten und zweiten Lehrjahr zahlt man als Betrieb ein“, so Ernst. 

„Bin ich voll dafür“

Für Bundesbildungsreferent Hubert Stoff ist die Frage „Ablösesummen zahlen oder nicht?“ klar: „Ich bin voll dafür, dass dann eine Pönale fällig wird.“ Wie hoch sollte diese sein?

„Die Idee ist grundsätzlich gut. Eine konkrete Zahl zu nennen, fällt mir schwer, weil es sich letztlich um eine ideologische Summe handelt, weil der reale Wert nicht messbar ist“, so Stoff. Faktum sei jedenfalls, dass die Pönale dem „Absauger“, also dem, der abwirbt, weh tun müsse. Dem Betrieb, der viel Zeit und Kraft in die Ausbildung des jungen Menschen investiert habe, müsse der Aufwand zweifellos abgegolten werden.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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