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Advertorial
Bundeskanzler Christian Kern im Gespräch mit der KFZ-Wirtschaft

„Verbote sind kein taugliches Mittel“

05.10.2017

Bundeskanzler Christian Kern (SP) spricht im KFZ Wirtschaft-Interview über Förderungen für Elektromobilität, Dieselfahrverbote im urbanen Raum und die kilometerabhängige Maut.

KFZ Wirtschaft: Sind Sie für ein Verbot von Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und wenn ja, ab wann?

Nein, Verbote sind aus meiner Sicht kein taugliches Mittel, um den Umstieg auf E-Mobilität zu schaffen. Wir wollen, dass bis 2030 Elektroautos genauso attraktiv werden wie Autos mit Verbrennungsmotor. Dazu müssen wir vor allem den technologischen Fortschritt vorantreiben, vor allem bei der Reichweite, und die flächendeckende Verfügbarkeit von E-Zapfsäulen sicherstellen. Gleichzeitig werden wir den Anteil an heimischem Ökostrom erhöhen.

Können Sie sich im urbanen Raum Fahrverbote von Dieselfahrzeugen vorstellen und wenn ja, in welchem Ausmaß?

Nein, auch hier sind Verbote nicht der richtige Weg.

Weshalb wird in Österreich die Elektromobilität nicht so konsequent gefördert wie beispielsweise in Skandinavien, wo etwa Fahren auf der Bus- bzw. Taxi-Spur erlaubt ist?

Verkehrsministerium, Umweltministerium und die Automobilbranche haben für Österreich ein Paket zur Förderung von Elektromobilität in Höhe von 72 Millionen Euro geschnürt. Mit dem Maßnahmenpaket setzen wir vor allem Anreize für den Kauf von Elektrofahrzeugen und fördern den Ausbau von E-Ladestationen. Außerdem haben wir eigene Nummerntafeln eingeführt, die es ermöglichen, dass Gemeinden selbstständig und unbürokratisch E-Mobilität fördern können. Mit Gratis-Parkplätzen zum Beispiel.

Der Fahrzeughandel fordert seit Jahren eine Neuauflage der sogenannten Ökoprämie. Damit würde man zweifellos die „alten Stinker“ von der Straße wegbekommen. Warum will die Politik das nicht?

Eine Ökoprämie hat nur dann Sinn, wenn ausreichend Alternativen zur Verfügung stehen. Ansonsten führt das nur dazu, dass die Menschen erst wieder Autos mit Verbrennungsmotor anschaffen. Es braucht also vielmehr ein Bündel an Maßnahmen, mit dem wir einen schrittweisen Übergang zu sauberer E-Mobilität schaffen.

Wie stehen Sie zur kilometerabhängigen Maut?

Mit der Vignette haben wir ein gutes System, das sich durchgesetzt hat und von den Menschen auch akzeptiert wird. Eine kilometerabhängige Maut ist für uns daher kein Thema.