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Vernachlässigte Brückentechnologie?

18.09.2012

Erst kürzlich wurde die Förderung von Erdgasfahrzeugen von der Stadt Wien und der Wien Energie bis Mai 2013 verlängert. Trotz Zuschüssen und Ausweitung des Tankstellennetzes wächst die Zahl der erdgasbetriebenen Fahrzeuge in Österreich nur langsam.

Erdgas gilt als saubere und kostengünstige Alternative zu Benzin und Diesel, emittiert quasi keinen Feinstaub und Partikel und ist mittlerweile an Österreichs Tankstellen flächendeckend erhältlich. Die Zahlen der Statistik Austria (siehe Kasten unten) lassen eine positive Entwicklung vermuten: mit einer Steigerung von mehr als 30 Prozent ist der Zuwachs an erdgasbetriebenen Pkw österreichweit ausgewiesen. Die Bundeshauptstadt ist dabei offenbar Vorreiter in Sachen Erdgas: mehr als ein Drittel der zugelassenen Erdgas-Pkw sind in Wien unterwegs.

Erdgas ist nicht sexy
Trotz zu verbuchender Zuwächse liege der Absatz von gasbetriebenen Fahrzeugen weit hinterher, die Potenziale seien noch lange nicht ausgeschöpft. „Das Erdgas-Auto hat leider auch ein Imageproblem“, so Roland Chvatal, Vorsitzender der GF der Wien Energie Gasnetz GmbH. „Ein Erdgasauto wird nicht als ‚sexy‘ Fahrzeug gesehen“. Sich auf die Henne-Ei-Problematik auszureden, sei heutzutage nicht mehr zulässig. „Es gibt mittlerweile einige Hersteller, die erdgasbetriebene Fahrzeuge bieten - und das vom Einsatzfahrzeug bis zum Familienauto. Außerdem ist die Tankstelleninfrastruktur flächendeckend“, so Chvatal weiter. Ein wesentliches Problem sei, dass Händler selbst Erdgasfahrzeuge nur ungern verkaufen würden. „Wir haben einige Ghost-Shopping-Versuche durchgeführt und festgestellt, dass die Händler zum Großteil auf direkte Nachfrage nach einem Erdgasfahrzeug Diesel- oder Benzinfahrzeuge anbieten. Der Importeur verkauft das, was sich besser verkaufen lässt, wir brauchen von den Importeuren mehr Engagement, um die Fahrzeuge bei den Händlern zu positionieren“. Vor allem für umweltbewusste Autokäufer sei Erdgas eine Alternative, die jetzt schon funktioniere. „Erdgas ist eine funktionierende Brückentechnologie. Die Elektromobilität wird kommen, bis dahin sind gasbetriebene Fahrzeuge mit einer Technologie ausgestattet, die funktioniert und kostengünstig ist“.

Modelle verfügbar
Laut Chvatal eigne sich der Erdgas-Antrieb nicht nur für den jetzt eher stark genutzten gewerblichen Bereich, sondern auch als Zweitfahrzeug. „Darüber hinaus arbeiten wir an einem Leasingmodell für gewerbliche Nutzer, um das Thema weiter zu pushen“. Mercedes-Benz Unternehmenssprecher Mag. Gregor Waidacher sieht im CNG-Antrieb eine sinnvolle Ergänzung: „Erdgasbetriebene Fahrzeuge sind allerdings Nischenprodukte“. Die kleinen Volumina bedeuten auch, dass nicht jeder Händler Fahrzeuge für Probefahrten auf Lager halten kann. „Wir sind natürlich gerüstet und bieten unseren Kunden weiterhin erdgasbetriebene Fahrzeuge an“. Mercedes-Benz verfügt neben der erdgasbetriebenen B-Klasse und E-Klasse auch über den Sprinter als Erdgasnutzfahrzeug.

Im Rennsport vorn dabei
Wirtschaftlich sinnvoll ist der Einsatz von Erdgas auch im Rallyesport: Das „Team Erdgas“ kündigt an, dass sich Rallye-Pilot Manfred Stohl auch bei den zwei verbleibenden Rennen in seinem Erdgas-Mitsubishi mit den Benzinern messen wird. Nach sechs Staatsmeisterschaftsläufen liegt er in der Gesamtwertung der Division I auf Platz zwei, 16 Punkte vor Verfolger Beppo Harrach. Die Kombination von Stohls Fahrkönnen und Erdgasantrieb funktioniert sehr gut. „Die Saison hat gezeigt, dass Erdgas der Konkurrenz ebenbürtig ist. Damit kann man nicht nur sparsam und sauber, sondern auch sehr spritzig und schnell fahren“, sagt Stohl. Mit dem alternativen Antrieb Erdgas lässt Stohl in der höchsten Rallye-Klasse insgesamt 30 Benzin-Fahrer hinter sich.

Autor/in:
Redaktion KFZ Wirtschaft
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