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Vertrauensrückrufaktionen

04.11.2015

In Österreich sind 363.400 Fahrzeuge vom sogenannten VW-Abgasskandal betroffen. Jetzt wird im gesamten Konzern in allen Belangen umgerührt, an allen Schrauben gedreht. Das wahre Ausmaß des Imageschadens ist aus heutiger Sicht noch völlig unklar.

R ichard Mieling, der Konzernsprecher der Porsche Holding, beantwortet im KFZ Wirtschaft-Interview die Frage nach dem wahren Imageschaden: „Wenn es gelingt, die technischen Maßnahmen zur Verbesserung des Abgasverhaltens für den Kunden rasch, zuverlässig und unbürokratisch abzuwickeln, hoffen wir, dass wir das verlorene Vertrauen rasch wieder zurückgewinnen. Daran werden wir hart arbeiten.“Unsere Topstory mit dem Titel „Volkswatschn“ beleuchtet das Thema „VW-Abgasskandal“ breit gefächert und umfassend.

 

Zu Wort kommen auch VW-Fans und VW-Fahrer. Im Folgenden noch ein paar Fakten zur brisanten Affäre:
▶ Angeblich denkt der VW-Konzern über eine Eintauschprämie für manipulierte Dieselfahrzeuge als Alternative zur Reparatur nach. Händler könnten den betroffenen Wagen in Zahlung nehmen und Anreize für den Kauf eines Neuwagens bieten. Dies soll sich vor allem bei Motoren mit 1,6 l Hubraum auszahlen, zumal bei diesen Motoren ein Software-Update nicht ausreiche.

▶ Der Abgasskandal hat dem VW-Konzern den ersten Quartalsverlust seit mehr als 20 Jahren eingebrockt. Die tiefroten Zahlen beenden eine rasante Rekordfahrt und zwingen den Konzern auch zum Kappen ihrer Jahresziele. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) steht ein Minus von rund 3,5 Milliarden Euro, auch unter dem Strich ist das Ergebnis mit minus 1,7 Milliarden Euro tiefrot. Die zentrale Erklärung für den milliardenschweren Verlust sind rund 6,7 Milliarden Euro hohe Rückstellungen für die Folgen des Skandals. 

▶ Nicht nur in den USA, auch in Österreich drohen VW Klagen. Die Wiener Anwaltskanzlei Aigner & Partner ruft Aktionäre auf, sich an einer Sammelklage zu beteiligen. Es geht darum, den Anlegern den erlittenen Kursschaden auszugleichen. Diese seien zu spät informiert und damit über den wahren Börsewert getäuscht worden.
▶ In ganzseitigen Inseraten hat VW in den Niederlanden in einem roten Viereck das Wort „Schamesröte“ platziert. VW sei „alles andere als stolz auf unsere neue Farbe“. Plus: „Wir haben Ihr Vertrauen verletzt.“

▶ In der Tageszeitung „Kurier“ befindet der Wiener Markenexperte Helmut Kosa: „Generell steht VW für Grundwerte wie Heimat, Familie, Tradition oder Qualität. Mit dem Slogan ‚Das Auto‘ will man die breite Masse erreichen. Daher schadet der Skandal dieser Marke viel mehr als es etwa Alfa Romeo oder Jaguar treffen würde.“ Und: Das Image habe eine „größere Delle“ erlitten, die Marke werde es aber überleben, weil sie stark sei.

▶ Mit Sparplänen und der Reduktion von Investitionen versucht der Konzern, Kosten der Abgas­affäre zu kompensieren. Pro Jahr will der neue Chef Matthias Müller eine Milliarde weniger ausgeben als bisher geplant. Markenchef Herbert Diess verkündet, dass bei der Kernmarke VW der Elektroantrieb forciert werde. Die neue Version des Phaeton werde ein E-Auto. Beim Diesel würden nur „die besten Abgassysteme“ eingesetzt werden.

Nun zu etwas völlig anderem: Die KFZ Wirtschaft ist das einzige B2B-Magazin, das sich in jeder Ausgabe mit dem Thema Ausbildung beschäftigt. Der Firma Stahlgruber und im Besonderen Geschäftsführer Hermann Kowarz ist die Lehrlingsausbildung traditionell ein Herzensanliegen. Unsere Serie (dieses Mal auf Seite 48) wird ab ­sofort von Stahlgruber unterstützt. 

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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