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Warum E10 heuer nicht mehr kommt

17.10.2012

Bundesminister Niki Berlakovich wollte E10 im Oktober 2012 in Österreich einführen. Dem hat die EU-Kommission nun einen Riegel vorgeschoben. Die KFZ Wirtschaft (Wolfgang Bauer und Christina Andetsberger) bat den Minister zum Interview.

Bundesminister Niki Berlakovich wollte E10 mit Oktober 2012 einführen, „weil wir im Verkehr die Klimaschutzziele überhaupt nicht erreichen“, so Berlakovich. Nun muss die Einführung von E10 auf Eis gelegt werden, weil die EU-Kommission zurückrudert. Man werde auf Getreide basierte Biotreibstoffe auf das derzeitige Niveau begrenzen, heißt es aus Brüssel. Sprich: Es soll bei einem Beimischungsanteil von fünf Prozent bis 2020 bleiben. Wie lang E10 in Österreich nun „ausgesetzt“ bleibt, hänge laut Ministerbüro von den weiteren Entwicklungen auf EU-Ebene ab.

KFZ Wirtschaft: Herr Minister, was macht Agrarsprit grundsätzlich sinnvoll?
Niki Berlakovich: E10 ist eine Klimaschutzmaßnahme. Wir erreichen im Verkehr die Klimaschutzziele überhaupt nicht. Die Treibhausgase explodieren im Verkehr. Als Umweltminister geht’s mir darum, dass ich Verkehr nicht verbiete, sondern dass wir ihn umweltfreundlich machen. Eine Maßnahme – nicht die einzige – die wir treffen ist, dass wir zum fossilen Sprit einen Biosprit beimischen und damit den Sprit umweltfreundlicher machen. Und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die 5 prozentige Beimischung bringt eine Einsparung von 1,7 Millionen Tonnen CO2, würden wir auf 10 Prozent gehen, sparten wir noch einmal 200.000 Tonnen ein. Ich halte nichts davon, dass wir die Autofahrer zum Prügelknaben der Nation machen, dass sie am Pranger stehen, sondern dass wir gemeinsam mit ihnen, mit dem Autohandel und der Industrie neue Wege suchen. Ein Teil ist, Sprit umweltfreundlicher zu machen.

Ulrich Eichelmann - zuständig für Staudammprojekte bei ECA-Watch sagt in einem „Standard“-Interview:  Wenn Berlakovich sagt, das ist Klimaschutz, tut er mir leid. Was meinen Sie dazu?
Ich erwarte mir von einem Experten, dass er sich seriös auseinandersetzt und keine Polemik betreibt. Ich habe immer nein zum Biosprit aus dem Urwald gesagt, aber ja zum Biosprit, den wir in unserer Nachbarschaft erzeugen. Wir wollen dieses Potenzial nutzen. Es verpflichten sich auch unsere Bauern, bei der Produktion Nachhaltigkeitskriterien einzuhalten, sodass der Konsument sicher sein kann, dass diese Agrarohstoffe auch nachhaltig produziert werden. Es ist eine typische Reaktion in Österreich, wenn‘s um Klimaschutzziele geht. Wir erreichen zwar unsere Klimaschutzziele nicht. Aber kaum will man eine Maßnahme umsetzen, kommen alle möglichen wahren und scheinbaren Experten und erklären, was nicht geht.
 
Glauben Sie, dass E10 von den Österreichern besser angenommen wird als in Deutschland?
In Deutschland ist das Unterfangen gefloppt, weil sich dort Partner nicht an Vereinbarungen gehalten haben. Die Information war nicht ausreichend, und es hat eine große Versicherung gegeben. Was in Österreich läuft, trägt nicht zur Beruhigung der Situation bei, im Gegenteil, die Verantwortung haben alle, die Panik verbreiten. Jetzt ist die Verträglichkeitsliste veröffentlicht worden. Über 90 Prozent der Pkw vertragen E10, es hat niemand Interesse daran, dass der Autofahrer geschädigt wird.

Es wird einen Anreiz geben müssen für den Autofahrer, damit er zu E10 greift. Billiger wird’s ja nicht sein, oder?
Meine Überzeugung ist, es darf jedenfalls nicht teurer sein, sonst wird’s nicht angenommen werden. Die Preisgestaltung liegt aber natürlich in Händen der OMV und der Bioethanolzulieferer. Wenn es teurer wäre, dann wird’s nicht funktionieren.

Zum ethischen Aspekt - Tank oder Teller: Der Eigenversorgungsgrad bei Getreide in Österreich beträgt mittlerweile nur mehr 88 Prozent. Jahrzehntelang waren es 100 Prozent.
Diese Zahlen zeigen, wie hier verdreht und unseriös argumentiert wird. Hier stehen politische- und Machtinteressen dahinter, die sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen verhindern wollen. Die Wahrheit ist, eine österreichische Getreideernte beträgt im Schnitt fünf Millionen Tonnen. 18 Prozent gehen in die Ernährung, 50 Prozent in die Viehfütterung und 30 Prozent werden industriell verwertet. Wir exportieren Brotgetreide, weil wir in Österreich zu viel davon haben. Das, was wir importieren, ist Billiggetreide, das wir industriell verarbeiten. Es stimmt schon, dass wir Getreide importieren, aber die Wahrheit ist, dass es industriell verarbeitet wird. Wir sind de facto ein Veredelungsland für Getreide. Natürlich ist das Thema der Ernährung der Weltbevölkerung ein ernstzunehmendes. Aber all die, die sagen, durch Biosprit in Österreich verhungern anderswo die Menschen, die wissen ganz genau, dass das falsch ist. Drei Prozent der Getreideproduktion weltweit gehen in die Treibstoffproduktion, das ist ein verschwindender Teil.

Derzeit werden drei Prozent der Ackerfläche für Biotreibstoffe genützt. Besteht die Gefahr, dass bei einer Umsetzung von E10 dieser Anteil drastisch erhöht wird?
Nein, wenn wir in Österreich E10 erzeugen, was wir ja heute schon tun, müssen wir keinen Hektar Getreide mehr dafür verwenden.

Autor/in:
Redaktion KFZ Wirtschaft
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