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Warum Wahrheiten zumutbar sind und Unwahrheiten nicht

10.02.2011

Das Jahr hat mit der AutoZum, der Auto 2011 von VW und der Oldtimer-Schau vortrefflich begonnen. Wermutstropfen gibt‘s auch. Wenn nicht der Wunsch der Vater des Gedanken ist, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Die Vorzeichen stehen gut. In Wahrheit besser denn je. Mit 328.563 neu zugelassenen Pkw und Kombis geht das Jahr 2010 als Bestes in die Geschichte ein. Sogar der bisherige Rekordwert von 320.094 Neuzulassungen aus dem Jahr 1992 wurde deutlich übertroffen. 1992 hat es freilich auch nicht den Kurzzulassungswahn von heute gegeben, und damit sind wir beim Wermutstropfen.

Die Rekordzahl von 2010 spiegelt definitiv nicht die Realität des Marktes wider. Denn insgesamt wurden 76.500 Fahrzeuge kurzzugelassen. Wie viele davon tatsächlich in Österreich verblieben sind, kann statistisch nicht erfasst werden. Man kann die Meinung teilen, die ein renommierter Importeursmanager im Gespräch mit mir geäußert hat, wonach die Händler „bei 6.000 weniger Kurzzulassungen auch keine besseren Erträge" erzielt hätten. Stimmt vermutlich. Tatsache ist aber auch, dass die derzeitigen Rekordzulassungen die Tür zur Politik wohl nachhaltig zugeschlagen haben. Sprich: Eine erneute so genannte Öko-Prämie kann das Bundesgremium des Fahrzueughandels vergessen. Die wird‘s nicht spielen. Auch wenn Bundesgremialchef Burkhard Ernst zu Recht auf die inferiore Umsatzrendite verweist, die bei 0,2 Prozent liegt und die Existenz vieler Automobilhändler massiv gefährdet. Die Neuzulassungsrekordwerte werden die Wahrnehmung dahingehend trüben, dass man von Seiten der Politik das berechtigte Lamento der Automobilhändler als ein „Raunzen auf hohem Niveau" deuten wird. Das ist ungerecht, aber Realität.

BGO Ernst hat zahlreiche vernünftige und kreative „Ziele für 2011" definiert. Folgende drei gehören nicht dazu: Kurzzulassungen reduzieren, um ein objektiveres Marktbild zu erhalten, Öko-Prämie wiedereinführen, Rabattitis-Schlacht beenden, „weil es nicht sein kann, dass ein Händler dem anderen ein Verlustgeschäft abjagt". Da ist allenfalls der Wunsch Vater des Gedanken. Ob sich ein Hersteller/Importeur dem Modell „Kurzzulassungen" bedient oder nicht, darauf hat das Bundesgremium so viel Einfluss wie aufs Wetter. Dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Öko-Prämie mehr geben wird, sollte man sagen und keine unberechtigten Hoffnungen schüren. Und an Händler zu appellieren, dem anderen „kein Verlustgeschäft abzujagen", ist immer gut gemeint, nie gut. Appelle nutzen erfahrungsgemäß nichts und sind nichts als Schall und Rauch.

 

Das Kfz-Jahr 2011 hat mit einigen bedeutenden Initialzündungen angefangen, die der automotiven Branche allesamt gut tun werden. Im Jänner fanden parallel die AutoZum in Salzburg, die Auto 2011 (die Schau des VW-Konzerns) und die „Classic Car Show Vienna" in Wien statt. Die AutoZum ist die mit Abstand wichtigste Aftersalesmesse Österreichs und wird tatsächlich immer punktgenauer. Im Gegensatz zur Frankfurter Automechanika, wo immer mehr chinesischer Ramsch offeriert wird, wird in Salzburg weitgehend qualitativ Hochwertiges geboten. Zur Gala der KFZ Wirtschaft, die traditionell ein Fixpunkt der Branche am ersten Messeabend ist, kamen weit über 300 Besucher. Selbst unsere Mitbewerber von „Auto & Wirtschaft" waren vollzählig angetreten, weil man am KFZ Wirtschaft-Abend schlicht nicht vorbeikommt. Die Schau des VW-Konzerns war ein voller Erfolg - und wie man vernimmt - eine richtige „Verkaufsmesse", auch wenn das Konzernsprecher Hermann Becker so natürlich nicht bestätigen will (Siehe Interview Seite 7). Die „Classic Car Show Vienna", die zu einem Gutteil vom KFZ Wirtschaft-Oldtimerexperten KommR Franz Steinbacher auf die Beine gestellt wurde und heuer ihre Premiere feierte, hat in jedem Fall eine glorreiche Zukunft und wird der Tatsache, dass der Oldtimermarkt ein deutlich wachsender ist, Rechnung tragen.

Das Jahr 2011 hat tatsächlich vortrefflich begonnen. Die automotive Branche ist initiativ, innovativ und hat ein gerüttelt‘ Maß an Power.

(Redaktion: Wolfgang Bauer, Chefredakteur)

w.bauer@wirtschaftsverlag.at 

Autor/in:
Redaktion KFZ Wirtschaft
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