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Andrea Appel

Was zu tun war und was jetzt zu tun ist

12.04.2016

Die KFZ Wirtschaft bat den neuen Geschäftsführer und Leiter der österreichischen Vertriebsorganisation der Continental AG Kristjan Ambroz und seine Vorgängerin Andrea Appel zum Interview.

Kristjan Ambroz

Die bisherige GF der österreichischen Vertriebsorganisation der Continental AG übernimmt mit 1. Mai 2016 die GF der Eurofit Group.

KFZ Wirtschaft: Frau Appel, Sie waren vier Jahre GF und Leiterin der österreichischen Vertriebsorganisation der Continental AG. Was erachten Sie intern bzw. extern als Ihre größten Erfolge?
Andrea Appel: Ich habe ein erfolgreiches Unternehmen übernommen und dieses mit einer neuen Strategie auf die Herausforderungen am österreichischen Reifenmarkt ausgerichtet. Dass es mir gelungen ist, die Vorgaben der Konzernzentrale mit den regionalen österreichischen Anforderungen –Semperit hat ja eine Jahrhundert-Tradition – in Balance zu bringen, war ein kooperativer Erfolg aller Beteiligten. Die weiter gestiegenen Marktanteile zeigen, dass der Weg anscheinend richtig war.

Wie werden sich die Absatzkanäle rund um den Reifen generell in Zukunft entwickeln?
Das Schlagwort vom Paradigmenwechsel wird ja derzeit sehr oft verwendet, aber für das Reifen­business stimmt es tatsächlich. Das Käuferverhalten hat sich prinzipiell geändert, das Desinteresse am Produkt „Reifen“ nimmt zu, jedoch sowohl Preisbewusstsein wie auch Convenience-Bedürfnis bekommen größeren Stellenwert. In Zukunft verschwimmen meines Erachtens die Grenzen der Absatzkanäle und die Bezeichnungen für das jeweilige Outlet. So wie die Anzahl der Wechselwähler in der Politik zunimmt, wird auch der Reifenkäufer dorthin gehen, wo seine Anforderungen bzw. Wünsche aktuell am besten erfüllt werden – unabhängig von theoretischen Vertriebskanalbezeichnungen.

Während Semperit immer noch sozusagen autark ist, findet bei Ihren Mitbewerbern eine zunehmende Zentralisierung statt. Wie wird die Zukunft aussehen?
Das ist keine Prinzipienfrage. Der Continental-Konzern ist flexibel genug, die jeweils optimale Organisationsstruktur anzustreben. Solange unsere Semperit–Full-Service-Struktur erfolgreich ist und den Marktbedürfnissen entspricht, wird es höchstens Adaptionen geben. Eine Organisation gibt den Markt nicht vor, sondern reagiert – hoffentlich richtig und rechtzeitig. Und das kann durchaus ein Halten des Status quo sein.

Die historische Stärke von Semperit basiert auf individueller Kundenbetreuung, andererseits auf regionalen partnerschaftlichen Win-Win-Kooperationen. Wohin wird hier die Reise gehen?
Sicher ist die enge kooperative Zusammenarbeit mit den regionalen Absatzmittlern eine Stärke der Semperit. Aber nur solange, als diese Stärke von den Partnern auch so gesehen wird. Wenn sich die Wünsche und Bedürfnisse ändern, wird sich auch die Semperit ändern.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Internets für die Zukunft ein?
So viele Personen Sie fragen, so viele verschiedene Antworten werden Sie erhalten. Das Internet ist ein Kommunikationsmittel, nicht mehr und nicht weniger. Kaiser Franz Josef lehnte das Auto ab, weil in der Armee das Pferd nie durch ein Motorfahrzeug ersetzt werden könne. Und im Reifenbusiness ist das Internet nicht mehr wegzudenken. Die Frage ist nicht OB Internet, sondern WIE!

Bitte um einen persönlichen Rat für den Reifenfachhandel. Worauf sollte dieser den Fokus legen?
Nicht warten und auf andere hoffen, sondern selbst aktiv werden. Möglichst alle Informationsquellen nützen, dann aber auch Risiken eingehen. „Wer wagt, kann verlieren. Wer nicht wagt, hat schon 
verloren.“

Der promovierte Betriebswirt ist seit 2010 bei der Continental AG und verantwortete seit 2013 die Geschäfte von Profi Reifen & Autoservice. 

KFZ Wirtschaft: Herr Ambroz, Sie waren zuletzt GF von Profi Reifen, also bei einem Mitbewerber des Reifenfachhandels. Ist das für Ihre jetzige Position ein Vorteil oder ein Nachteil und warum?
Kristjan Ambroz: Es ist meiner Meinung nach von Vorteil, Handelserfahrung mitzubringen, weil es das Verständnis für die Kundenperspektive stärkt. Dazu hat man eine bessere Vorstellung davon, was im Handel funktioniert und was nicht.

Wie werden Sie Ihre neue Funktion anlegen. Konsolidieren, oder sehen Sie Potenziale für Expansion?
Die Semperit Reifen GmbH ist im Markt sehr erfolgreich unterwegs. Den Erfolg zu verteidigen, wird die erste große Aufgabe. Gleichzeitig muss man sich aber auch auf die Veränderungen, die in fünf bis zehn Jahren auf uns zukommen, rechtzeitig vorbereiten. 

Wie wird sich die Kooperation mit Profi Reifen künftig gestalten?
Profi Reifen bleibt weiterhin ein sehr wichtiger Kunde der Semperit Reifen GmbH. Wo sinnvolle Kooperation möglich ist, werden wir die Chancen für diese nutzen. Gleichzeitig wird die Semperit Reifen GmbH aber auch in Zukunft ein breites, ausgeglichenes Kundenportfolio beibehalten wollen.

Die Bedeutung der Marke Semperit ist für Konsumenten umso geringer, je jünger sie sind. Was wollen Sie dagegen tun?
Mobilität ändert sich, das Image des Autos wird hinterfragt, wobei man hier zwischen urban und rural unterscheiden muss. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Markenaffinität des Konsumenten bei Reifen. Semperit ist nach wie vor eine starke, bekannte Marke, nicht zuletzt durch ihren österreichischen Markenursprung. Dennoch wird es in der Zukunft notwendig sein, auf das sich ändernde Medien- und Nutzungsverhalten einzugehen und kommunikative Lösungen zu entwickeln.

Semperit betreibt kontrollierte All-Kanal-Politik. Welche Schwerpunkte werden Sie setzen?
Semperit ist eine „Jedermann-Marke“ und Continental die hightech Premium-Marke auch in der Erstausrüstung – beide mit hoher Nachfrage im Markt. Diese wollen wir weiterhin hoch halten und müssen deswegen an unserer All-Kanal-Politik festhalten. Nur so lässt sich zudem eine breite Verfügbarkeit unserer Marken im Markt bewerkstelligen.

Welche Prioritäten werden Sie ab sofort setzen?
Schnellstmögliches Einarbeiten, Kennenlernen der Semperit-Kultur/-Mentalität sowie persönliches Kennenlernen der Kunden im Zuge der bevorstehenden Wintergespräche.

Wie wird sich die Zukunft des Reifenfachhandels gestalten, bzw. worauf soll ein Reifenfachhändler seinen Fokus legen?
Die Zukunft im Reifenfachhandel wird über die nächsten Jahre weiterhin von Turbulenzen geprägt sein. Wichtig wird sein, sich mit dem Reifenfach

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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