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Wenn Batterien Feuer fangen

20.11.2019

Die KFZ-Sachverständigen Andreas Nunberg und Emanuel Wulgarellis waren Zeugen, als die Bundesfeuerwehr versuchte, brennende ELEKTROAUTO-BATTERIEN zu löschen. Die Erkenntnisse aus den Experimenten dürften Kfz-Werkstätten zu denken geben.

Es hat keinen Sinn, die Augen zu verschließen, denn die elektrifzierten Autos sind da und gehen nicht mehr weg“, sagt Andreas Nunberg, der gemeinsam mit seinem Partner Emanuel Wulgarellis Hochvolt-Trainings veranstaltet. Die beiden erfahrenen Kfz-Sachverständigen wundern sich ein wenig über die Zurückhaltung mancher Werkstattbesitzer, sich mit dem Elektro-Thema auseinanderzusetzen. „Der Aufwand, eine Werkstatt für Batterie-Fahrzeuge fit zu machen, ist sicher nicht zu unterschätzen“, so Nunberg. Denn die Batterien beschädigter Hybridund E-Autos können sich bis zu drei Wochen nach einem Unfall entzünden. Ein Abstellen in der Werkstatthalle ist daher nicht anzuraten, vielmehr sollte die Havarie auf einem sogenannten Quarantäneplatz geparkt werden, wo ein Sicherheitsabstand zu anderen Fahrzeugen oder Gebäuden eingehalten wird. „Kommt es zu einem Brand, wird das von der Versicherung nachträglich kontrolliert“, warnt Emanuel Wulgarellis. Eine aus dem Fahrzeug ausgebaute Batterie sollte explosionsgeschützt in einem Spezialbehälter gelagert werden. „Schon ein kleiner Blechschaden kann einen Kurzschluss in den Zellen zur Folge haben, der in weiterer Folge zu einem Brand führt“, warnen die Experten.

„Der Aufwand, eine Werkstatt für BatterieFahrzeuge fit zu machen, ist sicher nicht zu unterschätzen.“ ANDREAS NUNBERG, SACHVERSTÄNDIGER

LÖSCHEN NICHT MÖGLICH

„Umfangreiche Brandversuche der österreichischen Bundesfeuerwehr haben gezeigt, dass eine brennende Lithium-Ionen-Batterie mit keinem derzeit bekannten Brandschutzmittel gelöscht werden kann“, erklären Nunberg und Wulgarellis. Fazit: Brennende Batterien können nur gekühlt werden, bis der chemische Prozess vollständig abgelaufen ist. Die Löschversuche waren im heurigen Sommer auf einem Übungsplatz des Katastrophenhilfsdienstes in Niederösterreich durchgeführt worden. Mitveranstalter der Brandversuche waren Vertreter des TÜV Süd, der Universität Leoben, der EU-Forschungsstelle JRC, der Berufsfeuerwehr Hamburg/Universität Rostock. Die Forscher entnahmen Proben des kontaminierten Bodens, der Schadstoffe in der Luft und im Löschwasser sowie der Rückstände am Brandgut. „Die Proben werden derzeit ausgewertet, die Ergebnisse sollen noch heuer präsentiert werden“, sagt Wulgarellis. Eines steht aber heute schon fest: Die Rauchwolken, die beim Brand von Lithium-Ionen-Batterien entstehen, sind keineswegs harmlos. „Ich will mir lieber nicht vorstellen, was passiert, wenn ein Elektroauto in einer Tiefgarage zu brennen anfängt“, so Nunberg. Denn die Tests der Löschmittel wie Glasperlen, Gel, Metallbrandpulver, Schaum und Wasser zeigten: Wasser konnte zwar die Verrauchung fast umgehend stoppen, doch dauerte es eine erhebliche Zeit, bis die Temperatur merklich zurückgegangen war. Das Glutbrandpulver zeigte dagegen fast keine Löschwirkung. Der Gel-Löscher konnte zwar die Flammenentwicklung und die Temperatur sofort niederschlagen, aber das Brandgut rauchte erheblich weiter, und die Brandgase konnten sich jederzeit wieder entzünden. Auch das anfangs vielversprechende Löschgranulat aus Glasperlen konnte den Batteriebrand nicht stoppen.

LETZTER AUSWEG WASSERBAD

Nur das komplette Untertauchen eines brennenden E-Fahrzeuges in ein Wasserbad stellt sicher, dass die chemische Reaktion langsam zum Stillstand kommt. „Das Problem ist nur, dass das Auto eine Woche lang im Tank bleiben muss und nachher rund 11.000 Liter hochgiftiges Wasser übrig bleiben“, erklärt Andreas Nunberg. Alle Versuche, den Abkühlungsprozess zu beschleunigen, sind bisher fehlgeschlagen. So wurde bei den Löschversuchen auch ein Cobra-Schneid-Löschgerät ausprobiert, das Wasser mit einem Druck von 300 bar durch die Batteriehülle presst. Die Lithium-Ionen-Batterie reagierte sofort mit der Explosion mehrerer Zellen, wobei auch einzelne Zellen abgesprengt wurden. Das Fazit der Experten: Das Cobra-Schneid-Löschgerät kann sich zwar problemlos einen Zugang durch die Ummantelung einer HV-Batterie verschaffen, löst jedoch in ihrem Inneren eine ganz und gar nicht erwünschte Reaktion aus. In der Werkstatt sollten daher vorbeugend alle Maßnahmen getroffen werden, um einen Batteriebrand gar nicht erst entstehen zu lassen. „Wer die Gefahren kennt und entsprechende Arbeitsprozesse trainiert, ist auf der sicheren Seite“, sagen Nunberg und Wulgarellis. Unter dem Firmennamen WN-Technical Training bieten sie Werkstätten und Blaulichtorganisationen Hochvolt-Ausbildungen der Stufen HV1, HV2 und HV3 sowie die nötigen wiederkehrenden Auffrischungen an. Ihr Credo: „Wir wollen allen, die mit E-Autos in Berührung kommen, die Angst davor nehmen.“

Autor/in:
Peter Seipel
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