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Roland Steinberger, GF Michelin Österreich

"Wir setzen auf langfristige Beziehungen"

17.02.2021

Der neue Geschäftsführer von Michelin in Österreich, Roland Steinberger, erklärt uns im Exklusivinterview, mit welcher Strategie er am heimischen Markt erfolgreich sein möchte.

Roland Steinberger ist seit 1996 in der Reifenbranche. Bis 2012 konnte er in verschiedenen Positionen Erfahrungen sammeln, darunter als Verkaufsberater, im Außendienst, als Filialleiter, Vertriebsleiter für Österreich. 2012 stieß der ehemalige Eishockey-Profi und Amateur-Motorradrennfahrer zu Michelin als Verkaufsleiter für Pkw-Reifen. Seit Ende 2020 ist er nun Geschäftsführer der französischen Premiummarke in Österreich. Wir haben den Reifenprofi zum Interview gebeten. 

Herr Steinberger, Sie kennen als neuer Geschäftsführer das Reifengeschäft auf jeder Ebene: Was wird jetzt unter Ihrer Leitung Michelin in Österreich anders machen?

Ziel ist, unsere Premium-Produkte in allen Segmenten in Österreich noch prominenter im Markt zu platzieren - das gelingt selbstverständlich nur in enger und aktiver Zusammenarbeit mit unseren Handelspartnern. Hier gilt es bei den bestehenden Kooperationen, aber auch darüber hinaus sinnvolle Konzepte zu erarbeiten, sodass wir nachhaltig auf die Ansprüche unserer Partner und Kunden optimal eingehen können. Eine wichtige Rolle, um unseren Motor noch hörbarer zu machen, spielt natürlich auch unsere Vertriebsmannschaft, die wir so aufgestellt haben, dass sie mit ihrem Know-how und Service besonders nah am Kunden und Markt sein kann. 

Michelin hat ein breites Sortiment im Pkw- und Motorradbereich. Wie ist der Absatz derzeit verteilt?

Trotz der erschwerten Umstände in 2020 waren wir in beiden Segmenten erfolgreich unterwegs. Im Pkw-Bereich konnten wir ein solides Winterreifengeschäft mit unseren Flaggschiffprodukten Michelin Alpin 6 oder Michelin Pilot Alpin 5 verzeichnen, ebenso im gefragten SUV-Geschäft haben wir unsere Anteile weiter ausgebaut. Auch wenn derzeit noch deutlich in winterlichen Temperaturen verankert, konzentrieren wir uns jetzt auf die kommende Reifenwechselsaison. Im Motorrad- und Scooter-Bereich haben wir ebenso Wachstum verzeichnen können, unter anderem daher, da gerade im zweiten Halbjahr eine verstärkte Zulassung von Führerscheinen der verschiedenen Motorradklassen festzustellen war, was folglich zu einem Anstieg in Zweiradverkäufen führte.

Welches Wachstumspotenzial sehen Sie für Michelin noch am heimischen Markt? Und wie wollen Sie dieses Wachstum erreichen?

Wir verstehen uns als nachhaltiger Mobilitätsanbieter. Wir möchten unsere Kunden noch stärker auf die vielen Vorteile aufmerksam machen, wenn es gilt in Nachhaltigkeit zu investieren. Ein Reifen ist eben nicht nur schwarz und rund, sondern zeichnet sich durch wichtige Eigenschaften wie Qualität, Langlebigkeit, niedriges Rollgeräusch und Kraftstoffeffizienz aus, die in puncto Nachhaltigkeit den entsprechenden Unterschied leisten können. Im Lkw-Geschäft setzen wir auf nachhaltige Flottenlösungen oder auch unser Mehrlebenkonzept Michelin Remix.
Weiter möchten wir mit unseren Handelspartnern wachsen. Die Herausforderungen aus dem letzten Jahr, bedingt durch die Pandemie, haben uns gezeigt wie wichtig es hier ist, ein gutes Netzwerk zu haben, das durch Engagement und Vertrauen geprägt ist. Immer an langjährigen Beziehungen interessiert, möchten wir die kommenden Herausforderungen mit den Handelspartnern konkret diskutieren und synergiegeprägte Lösungen schaffen. Natürlich immer mit dem Ziel mit unseren Produkten in Verbindung mit einem hochwertigen Service den perfekten Match zu finden, um den Endverbraucher für unsere Marke zu begeistern.

Aus Ihrer Michelin-Perspektive: Wird mittelfristig das Autohaus dem Reifenfachhandel weiter Marktanteile strittig machen?

Beide Kanäle sind erforderlich, um unsere Endkunden zu erreichen. Themen wie Digitalisierung, Service- und Kundenorientierung werden hier zeigen wie die Entwicklungen weitergehen. Wenn Sie mich persönlich fragen, bin ich davon überzeugt, dass es hier kurz- wie auch mittelfristig keine großen Verschiebungen geben wird.

Michelin hat mit Uptis – einem luftlosen Reifen – einen Prototypen-Pneu der Zukunft gezeigt. Wissen Sie schon mehr, ob und wann der Reifen in Serie gehen wird?

Uptis steht für Unique Puncture-proof Tire System, der erste seriennahe, luftlose Konzeptreifen, der sich durch nahezu unfehlbaren Pannenschutz auszeichnet und zum Beispiel für Elektromobilität, Carsharing oder autonomes Fahren konzipiert ist. Der Marktstart des Michelin Uptis auf den ersten Pkw-Modellen ist für 2024 geplant. Der Prototyp des Reifens wurde gemeinsam mit General Motors entwickelt und wird seit 2019 auf dem Elektro-Pkw Chevrolet Bolt getestet. In 2019 wurde er unter anderem als ‚Innovation des Jahres‘ mit dem Goldenen Lenkrad ausgezeichnet. Ich bin mir sicher, dass er in Zukunft in einem nachhaltigen Mobilitätsland wie Österreich ebenso gut ankommen würde. Wir konzipieren übrigens nicht nur pannenfreie Reifen, sondern vernetzen sie auch. Bis 2023 möchte Michelin alle seine Pkw-Reifen mit RFID-Chips ausstatten. Wenn es um die Mobilität der Zukunft geht, sind wir einfach nicht zu bremsen.

 

Autor/in:
Philipp Bednar
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