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Yamaha XMax 300 - Der Roller-Octavia

22.08.2020

Der Yamaha Xmax 300 ist ein Frontalangriff auf die Vespa GTS 300. Der Nippon-Scooter kann fast alles besser. Eigentlich ist der Xmax der Skoda Octavia unter den Rollern. Nur in einem Punkt kann er mit der Vespa nicht mit.

Ergonomie

Der Yamaha Xmax 300 ist ein richtig bequemer Roller. Die einteilige, ausladende Sitzbank (Sitzhöhe 79,5 Zentimeter) bietet viel Komfort - für Fahrer und Beifahrer. Praktisch: Die leichte Stufe, die dem Fahrer gleichzeitig als Lordosenstütze dient. Der Fußraum ist großzügig bemessen, die Soziusrasten sind ausklappbar. Der Fahrer kann die Füße wahlweise flach oder leicht angewinkelt an der Verkleidung abstellen. Genial: der sehr gute Windschutz. Der große, getönte Windschild bietet mit einem Vollvisierhelm selbst bei Autobahntempo und darüber genug Windschutz, um fast komplett flatterfrei fahren zu können. Einige Reisemotorräder bieten weniger Schutz. Die Rückspiegel sind keine Augenweide aber funktionell. Knöpfe und Schalter gibt es wenige - keine Verwirrung. Der Xmax 300 ist keyless go (Smartkey-System) - er hat einen Funkschlüssel, den man in der Jacke eingesteckt lassen kann. Schaltzentrale ist das mittig unter dem Lenker montierte Zündschloss. Mittels Drehen und Drücken wird der Roller gestartet, versperrt oder der Tankdeckel (zwischen den Fahrerbeiden) entriegelt. Alles leicht verständlich. Toll: der große Stauraum unter der Sitzbank. Problemlos schluckt das Fach locker zwei Integralhelme samt Handschuhe und Nierengurte. Oder sogar einen familientauglichen Wochenendeinkauf. Auf Kniehöhe befinden sich in der Verkleidung auch zwei Staufächer. Eines ist mittels Drücken zu öffnen und schließen (rechts), das Fach links ist versperrbar und hat einen praktischen 12-Volt-Steckdosenanschluss für Smartphones, Navis oder andere technische Gadgets. Der Spritzschutz ist gut bis sehr gut.

Handling

Der Yamaha Xmax 300 gibt seinem Fahrer niemals Rätsel auf. Das Fahrverhalten und Handling ist jederzeit berechenbar und total einfach. Vespas mit ihren kleineren Rädern mögen etwas quirliger wirken, aber dafür läuft der Xmax auch bei Autobahntempo stur gerade aus. Da zuckt rein gar nix am Lenker. Der große Lenkeinschlag reicht locker aus, um den 179 kg-Roller auch in der Stadt fast am Stand wenden zu können. Das Gewicht spürt man dem Xmax nur beim Bremsen aus höheren Geschwindigkeiten an, beim lockeren Wedeln durch die Stadt kein bisschen. Leichter Lenkimpuls, eventuell noch etwas Bewegung in der Fahrerhüfte und der Xmax folgt stabil der angepeilten Linie. Selbst bei 100 km/h auf der Landstraße liegt der Yamaha-Roller satt und sicher auf der Straße. Hier verbläst er die Vespa-Konkurrenz ohne mit der Wipper zu zucken. Spiel, Satz und Sieg - Yamaha Xmax.

Antrieb

Aus 292 Kubikzentimetern Hubraum schöpft der Xmax 300 laut Werksangabe 20,6 kW (28 PS) und 29 Newtonmeter Drehmoment. Damit liegt er in Sachen Leistung über der Vespa GTS 300 (24 PS, 26 Nm), wiegt aber auch etwas mehr (Vespa: 160 kg Leergewicht, fahrfertig, XMax: ca. 179 kg). Der Unterschied: Der Xmax fühlt sich in jeder Lebenslage etwas bulliger an. Innerhalb der Stadt kommt einem der Scooter mitunter fast zu flott vor. Ampelstart, Vollgas - schwups - 70/80 km/h stehen schnell am Tacho. Die Keilriemen-Automatik heult glücklicherweise nie unangenehm auf sondern drückt den Xmax sehr gleichmäßig vorwärts. Ob alleine oder mit Sozius - kaum ein Unterschied. Außer es geht steil bergauf, dann müht sich der Roller spürbar ab. Laut Tacho konnten wir 155 km/h schaffen, aufrecht sitzend, ohne langem Anlauf. Yamaha gibt den Verbrauch mit 3,2 Liter auf 100 km an. Bei uns im Test gönnte sich der Xmax im Schnitt 3,5-3,7 Liter (laut Bordcomputer). Absolut in Ordnung. Dank 13 Liter Tankinhalt kommt man damit auf eine reisetaugliche Reichweite.

Fahrwerk

Yamaha nennt seine Roller selbstbewusst "Sport Scooters". Der Antrieb ist durchaus potent, beim Fahrwerk ist unser Eindruck gespalten. Einerseits punktet der Roller mit seinem 15-Zoll-Vorderrad mit Spur- und Hochgeschwindigkeitsstabilität und einer konventionellen Telegabel. Anderseits kommen kurze, harte Stöße direkt und knochig beim Fahrer an. Die Stereo-Fedebeine am Heck und Front wirken grundsätzlich harmonsich aufeinander abgestimmt, aber aus der Komfortperspektive könnten Front- und Heckpartie etwas mehr Dämpfung vertragen. Weniger harte Stöße werden deutlich sauberer geschluckt. Die Federbeine bieten auch genug Reserve, um mit Sozius über Unebenheiten poltern zu können, sofern man nichts gegen teils sehr direkte Stöße hat. Um hier nochmals den Vergleich zur Vespa GTS 300 zu ziehen: Das Fahrwerk des Yamaha-Rollers ist besser, aber der Unterschied hätte größer ausfallen können. Die Vorderradführung der Vespa ist und bleibt ein Problem, hier ist die Yamaha-Gabel klar besser. Wer seinen Xmax 300 jedoch länger und eventuell auch für richtige Touren nutzen möchte (motorisch, in Sachen Reichweite und Windschutz wäre das gar kein Problem), könnte beim Fahrwerk noch Verbesserungen erzielen.

Bremsen

ABS und Traktionskontrolle sind beim Xmax serienmäßig. Folglich kann man bedenklos am Gashahn und an beiden Bremshebeln ziehen. Setzt das ABS ein, spürt man ein deutliches Pumpen am Bremshebel. Die Verzögerung der Hinterradbremse ist anders als bei den meisten Motorrädern sehr gut. Das liegt vor allem an der Gewichtsverteilung auf Rollern. Die 245-mm-Bremsscheiben ist hinten auch nur minimal kleiner als die der Vorderradbremse (267 mm). Im Alltag reicht die Hinterradbremse aus, um immer und sicher und mit genug Reserven zum Stillstand zu kommen. Im direkten Vergleich kann die Vorderradbremse nicht ganz mit, zumal der Xmax beim harten Anbremsen vorne spürbar einnickt. 

Aufgefallen

Lässig: Das LED-Licht, das riesige Staufach und das überraschend leichtfüßige Handling. Die Ausstattung ist mit 12-V-Steckdose, vollwertigem Cockpit, ABS und Traktionskontrolle üppig und zeit- / preisgerecht. Die Verarbeitungsqualität ist gut, der Lack wertig, die meisten Kunststoffteile ebenso. Nüchtern gibt es beim Yamaha Xmax 300 sehr wenig auszusetzen. 

Durchgefallen

Das Gewicht und das Design. Knapp 180 kg sind für einen Roller - bei allem Luxus - üppig. Da gibt es deutlich leistungsstärkere Motorräder die weniger wiegen. Und in Sachen Design möchte ich die Bemühungen von Yamaha gar nicht kleinreden, aber an die zeitlose wie stilvolle Formensprache der Vespa-Modelle kommt die Xmax-Serie einfach nicht heran. Wer es lieber sportlich, modern, aggressiv mag, der wird mit dem Xmax glücklich werden.

Testurteil Yamaha XMax 300

Yamaha verlangt derzeit 5.999 Euro für den Xmax 300 - nicht wenig Geld für einen Roller. Aber: Der Nippon-Scooter schlägt die Vespa GTS 300 in allen fahrdynamischen Belangen, lediglich beim Design kommt der Xmax nicht mit. Dafür bietet er viel Reichweite, Platz, Komfort und einen potenten Antrieb. Wer sich mit der Optik anfreunden kann, bekommt hier einen lässigen Cityflitzer, der auch Überland einiges zu bieten hat. 

Testurteil Yamaha XMax 300, by p.bednar

Mehr Infos zum Yamaha Xmax 300

Mit freundlicher Unterstützung von TOTAL Austria

Mehr Actionfotos der Testfahrten gibt es auf Instagram: apex_moto_at

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Autor/in:
Philipp Bednar
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