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Zulieferindustrie verliert

18.08.2021

Lockdowns, Kurzarbeit und Lieferprobleme: Die Top-Lieferanten für die Automobilbranche verzeichneten 2020 einen globalen Umsatzrückgang von 12%.

Henning Rennert, Studienautor und Partner bei Strategy& Deutschland

Mit dem Umsatzrückgang befinden sich die Zulieferer im Gleichschritt mit den weltweit führenden Autoherstellern, deren Umsätze im selben Jahr um 13% sanken. Das belegen die Ergebnisse der aktuellen „Automobilzulieferer-Studie“ von Strategy&, der Strategieberatung von PwC. In absoluten Zahlen fielen die Umsätze im globalen Zulieferermarkt der Top-80 Zulieferer von 893 Mrd. Euro (2019) auf 783 Mrd. Euro (2020). Auch europäische Zulieferer (ohne Deutschland) sind schwer betroffen: Ihre Umsätze sanken 2020 im Vergleich zum Vorjahreswert um 16,4% auf 134 Mrd. Euro. Deutsche Lieferanten konnten die Krise mit 10,8% Umsatzrückgang auf 199 Mrd. Euro besser abfedern. Der Anteil deutscher Zulieferer am Weltmarkt blieb mit 26% auf einem starken Niveau, doch für das restliche Europa verringerte sich der Weltmarktanteil von 21% (2015) auf 17%. Ebenso intensiviert sich der Wettbewerb mit asiatischen Lieferanten: Diese konnten Zulieferunternehmen aus anderen Regionen Weltmarktanteile abnehmen und lagen 2020 bei einer Quote von nunmehr 43%.

Asien gewinnt

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf das Jahresergebnis der Autozulieferer über die Regionen hinweg höchst unterschiedlich ausfallen. In Europa (ohne Deutschland) sank die operative Gewinnmarge um 4,5 Prozentpunkte von 7,3% (2019) auf 2,8% (2020). Noch stärker betroffen war die Region Americas (-4,7 Prozentpunkte). In Deutschland lag der Rückgang bei -2,1 Prozentpunkten, wohingegen die führenden Zulieferer aus Asien kaum nennenswerte Rückgänge (-0,7 Prozentpunkte) zu beklagen hatten und mit 4,4% EBIT-Marge die höchste operative Rentabilität erzielten. „Der Einbruch war geringer als zu Jahresanfang befürchtet, denn die staatlichen Fördermaßnahmen und die Erfahrungen aus der Finanzkrise haben dazu geführt, dass die Industrie profitabel geblieben ist“, kommentiert Henning Rennert, Studienautor und Partner bei Strategy& Deutschland. „Ein mangelnder Kostenfokus bei vielen Zulieferern könnte jedoch zu einer teuren Hypothek im globalen Wettbewerb werden“, so Rennert. Vor allem europäische Firmen hätten ihre konkurrenzfähige Kostenstruktur aus dem Blick verloren. Somit sei Rationalisierung jetzt das Gebot der Stunde, um Prozesse zu optimieren, Kosten zu senken und im Transformationswandel bestehen zu können.

Investitionen in F&E

Trotz angespannter Kostenlage investierten die europäischen Zulieferer auch im Krisenjahr stark in ihre Zukunft und sicherten sich damit über alle Regionen hinweg einen unangefochtenen Spitzenplatz bei den F&E-Ausgaben. Im Schnitt investierten sie in Europa (ohne Deutschland) 4,8% ihres Umsatzes in Forschungs- und Entwicklungsprojekte, in Deutschland sogar 6,1% (Americas: 3,6%; Asien: 3,8%). Insbesondere Hersteller mit Geschäft im Bereich Antriebsstrang treiben durch hohe Investitionsausgaben die eigene Transformation aktiv voran und entwickeln neue Produkte für die Zukunft. Gleichzeitig ist bei europäischen Zulieferern allerdings der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozentpunkte zurückgegangen und erreicht nun eine Quote von nur noch 15%.

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