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Zweiradhandel: Insolvenzen drohen

18.06.2020

Der Fachausschuss des Zweiradhandels in der WKO hat eine große Umfrage unter seinen Mitgliedsbetrieben durchgeführt. Das Ergebnis zeichnet ein dramatisches Bild.

Ferdinand Fischer, Sprecher des 2Radhandels der WKO.

Vom 1. Jänner bis 31. Mai verzeichneten die Zweiradhändler mit durchschnittlichen 42,5 Prozent Rückgang einen drastischen Einbruch. Ferdinand Fischer, Motorradhändler und Sprecher des Zweiradhandels, fordert deshalb dringend bessere Unterstützung für den Fortbestand der Branche. „Im Moment hat man den Eindruck, dass es in Österreich nur Tourismus, Gastronomie, Kunst und Land- und Forstwirtschaft gibt, die förderungswürdig sind. Dem halte ich entschieden entgegen, dass der Zweiradhandel Teil des Kfz-Handels ist, der im Jahr rund 45 Mrd. Euro Umsatz macht, damit elf Prozent des österreichischen BIP erwirtschaftet und ca. 450.000 Menschen Beschäftigung gibt. Angesichts dieser Zahlen ist es nicht nachvollziehbar, warum man mit uns noch nicht einmal substanzielle Gespräche führt um damit viele Betriebe, die zum Teil bereits seit etlichen Jahrzehnten bestehen, vor der Insolvenz zu retten“, so Fischer.

Entgegen der wiederholten Ankündigungen der Regierung, dass bereits viel an finanzieller Unterstützung geflossen sei, sind laut Umfrage, mit Ausnahme des Härtefallfonds I, bislang entweder keine oder nur Minimalbeträge bei den Firmen angekommen. „In diesem Zusammenhang kocht die Seele der Unternehmer dieses Landes immer mehr auf, und das gilt wohl nicht nur für die Zweiradhändler. Denn sie hören zwar täglich, wieviel Geld schon ausbezahlt worden sei, aber mit Blick auf ihre leeren Konten warten sie dabei vergeblich auf einen Geldeingang seitens des Staates“, bemängelt Fischer.

Die Forderungen der Zweiradbranche

Auch aufgrund der Ergebnisse der österreichweiten Umfrage über die wirtschaftliche Situation der Branche, stellt Fischer, folgende Forderungen:

  • Änderung des Beobachtungszeitraums für die Bestimmung des Prozentsatzes des Fixkostenzuschusses auf die Länge der COVID-19-Maßnahme, so wie es eigentlich von Anfang an geplant war. Durch die nachträgliche Änderung dieses Zeitraums würden viele statt der immer kommunizierten 75 Prozent lediglich 25 Prozent Fixkostenersatz bekommen.
  • Verlängerung des Fixkostenzuschusses aufgrund der Saisonalität unserer Branche von sechs auf mindestens neun Monate; kaum eine Branche ist derart betroffen, wie die Zweiradbranche! Wir hätten den Großteil unseres Geschäfts genau in der Zeit der Covid-Sperre und kurz danach machen sollen, was uns aber verunmöglicht wurde.
  • Kurzarbeit: Statt von Juni–August, würden wir dringend September bis März 2021 benötigen. Damit wäre uns geholfen, denn das ist die Zeit, wo wir fast keine Geschäfte tätigen können, wir aufgrund der COVID-Sperre keine Polster haben und es daher ums Überleben gehen wird.

Nachbesserung gefordert: Härtefallfonds II

Die Hilfsmaßnahmen der Regierung haben laut Umfrage bislang nicht so gegriffen, wie angekündigt bzw. erhofft: „Im Schnitt haben die Motorrad- und Rollerhändler lediglich 832 Euro erhalten. Das ist weniger als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Zumindest ist der Härtefallfonds I die Hilfsmaßnahme, die prompt ausbezahlt wurde. Die anderen Maßnahmen sind meilenweit von der versprochenen Höhe und Schnelligkeit entfernt und eine herbe Enttäuschung“, konstatiert Fischer. Fast 60 Prozent der Händler haben laut Umfrage im Rahmen des Härtefallfonds II unter 500 Euro erhalten und kein Einziger über 2.000 Euro. „Das bestätigt die weitläufige Meinung, dass diese Maßnahme die Bezeichnung ‚Hilfe‘ nicht verdient: Bei 26,3 Prozent wurde der Antrag gleich abgelehnt. Dazu erübrigt sich jeder weitere Kommentar. Immerhin ist nach Ende der Umfrage beim Härtefallfonds II zumindest etwas nachgebessert worden“, so Fischer.

Corona-Hilfsfonds

Bei fast 30 Prozent ist ein Kredit entweder schon abgelehnt worden, oder es gibt keine Chance mehr, einen Kredit zugesprochen zu bekommen. Bei knapp 30 Prozent ist der Kredit zwar schon genehmigt, aber noch nicht ausbezahlt worden. Das bedeutet, dass etwa zwei Drittel jetzt vergeblich über zwei Monate darauf warten, die versprochene, schnelle Liquiditätshilfe zu bekommen. „Wir haben immer wieder gehört, dass wer schnell hilft, doppelt hilft. Die Praxis beweist leider das Gegenteil. Unsere Nachbarländer haben gezeigt, wie es gehen kann: Schnelle à conto Zahlungen aufgrund des Steuerkontos, abgerechnet wird nachher. Warum schafft man das hierzulande nicht“, fragt Fischer.

Kurzarbeit

Bei der Kurzarbeit sticht laut Studie heraus, dass mit 47,5 Prozent bei fast der Hälfte aller Händler, die eingereicht haben, bis Ende Mai noch kein Euro geflossen ist. Das zeigt, dass die Auszahlungen nicht so funktionieren, wie es versprochen wurde. „Mehr als zweieinhalb Monate nach dem Lock-Down, das ist zu lang. Die Mitgliedsbetriebe warten ewig auf die Rückzahlung der von ihnen vorfinanzierten Gehälter. Für viele bringt diese zusätzliche Liquiditätsbelastung schwere Probleme und eventuell sogar das Aus“, warnt Fischer.

Zukunftsbeurteilung

Mit der Bewertung der Zukunftsaussichten weist die Studie zudem auch Extreme auf:

  • 21,6 Prozent sind entweder pessimistisch, beurteilen die Lage aussichtslos oder sind bereits im Konkurs
  • 36,1 Prozent sind unentschieden, je nachdem welche (nichtrückzahlbaren) Zuwendungen vom Staat noch kommen
  • 34 Prozent sind positiv eingestellt
  • 8,2 Prozent sehr positiv und meinen, dass sie keine Probleme haben werden

Während 40–50 Prozent der Motorrad- und Mopedhändler durchaus positive Zukunftsaussichten haben, gibt es bei 25–35 Prozent Vorbehalte, abhängig von der noch ausstehenden staatlichen Unterstützung. Allerdings steht auch ein gutes Viertel der Befragten vor dem wirtschaftlichen Aus: „20-30 Prozent der Kollegen stehen schon jetzt, noch bevor der Winter kommt, mit dem Rücken zur Wand. Auch deshalb hoffen wir, dass der Gesetzgeber jetzt endlich rasch handelt und hilft“, resümiert Fischer.

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