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Ab auf die Schulbank

15.06.2010

Zurück auf die Schulbank, heißt es für Fahrer des neuen Renault Trucks-Sondermodells Premium Optifuel. Wieso Schulschwänzen trotzdem keinen Spaß macht und der Fahrersitz keiner ­unbequemen Holzbank Platz machen muss, erfahren Sie in unserem Fahrbericht.

Wer als Mittedreißiger immer noch regelmäßig von Mathematik-Schularbeiten und Mechanik-Tests träumt, geht an diese Aufgabe mit entsprechendem Respekt heran. Noch dazu, wo beinahe auf den Tag genau 15 Jahre nach Ende der hauptberuflichen Schullaufbahn wieder eine Schulbank bereit steht, die sich mit dem damals selbst entwickelten (und von den Eltern natürlich nicht abgesegneten) Teilzeitmodell, das die wöchentliche Stundenanzahl bei Bedarf reduzierte, garantiert nicht abspeisen lässt. Dabei wären auf der Entschuldigungsliste der letzten Klasse bestimmt noch Zeilen frei.

 Das erste im A4-Format gehaltene Formular dieses Jahrganges hat der Klassenvorstand kurz nach Beginn des zweiten Semesters kopfschüttelnd abgelegt. Und die zweite Seite müsste heute noch in der roten Schulmappe der Abschlussklasse zu finden sein. Nur mit diesem Formular bei Renault Trucks anzutanzen und auf die damals recht populären Kurzzeit-Grippen zu setzen, macht sicherlich mehr Aufsehen, als den eigenen Schweinehund zu überwinden und dem bevorstehenden theoretischen wie praktischen Unterricht ins Auge zu sehen.

Die Erinnerungen von Renault Trucks-Testfahrer Christophe Guille an die eigene Schulzeit sind scheinbar deutlich entspannter, als die eigenen. Zumindest kann er sich mit der Rolle des Oberlehrers ohne weiteres anfreunden.


Rollendes Klassenzimmer

Bei Erich Kästners Roman aus den 1930er-Jahren hat der deutsche Schriftsteller ein ganzes Klassenzimmer in die Luft geschickt. Renault Trucks bleibt dem angestammten Metier treu und verpasst dem Klassenzimmer Räder. Und so finden wir uns ohne Entschuldigungsliste in der Kabine eines Renault Premium Route wieder, der ausgerüstet mit der Bezeichnung Optifuel, seinem historisch gewachsenen Image als Sparefroh erster Klasse noch deutlicher gerecht werden soll. Oberlehrer Guille hat am Beifahrersitz Platz genommen und beginnt den Unterricht mit einer kurzen Theorie-Lektion.

„Wir haben den Renault Premium Route mit einigen Ausstattungsdetails dahingehend optimiert, dass er auch im Alltagseinsatz spürbar sparsamer als bisher ist“, erzählt der Franzose. Zu den Standards des Sondermodells zählen u. a. eine längere Hinterachse, eine speziell für den Renault Premium Optifuel adaptierte Version des automatisierten Getriebes Optidriver+, einen ohne Werkzeug verstellbaren Dachspoiler, oder Michelin X-Energy-Savergreen-Pneus mit Alufelgen.

Bei der insgesamt doch recht langen Liste der Optifuel-Standards nicht zu vergessen: ein Fahrertraining bei den gelben Engeln vom ÖAMTC. Bei einer der ersten dieser Veranstaltungen waren wir vorab bereits im heurigen Frühjahr als Zaungast mit dabei (siehe Straßengüterverkehr 10/2009, Seite 28).

Rund um optimiert
Die meisten der am Fahrzeug angebrachten, Kraftstoff sparenden Zutaten haben außerdem einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil. Sie peppen den ohnehin ansprechenden, optischen Auftritt des Premium weiter auf und können nebenbei selbstverständlich auch für verdutzte Blicke von möglichen Gesprächspartnern sorgen.

Wer auf die Frage: „Wieso hast du auf Deinem Premium rund um Pneus mit Alufelgen aufgezogen?“ lapidar mit „Nur wegen dem Kraftstoffverbrauch“ antwortet, wird auf fragende Gesten seines Gegenübers nicht lange warten müssen. Den ersten Schritt des praktischen Unterrichtes hat Oberlehrer Guille, dem strömenden Regen am Testtag sei Dank, in die Kabine verlegt. Mit kurzen Worten erklärt er die Funktionsweise des verstellbaren Dachspoilers und die Auswirkungen, die eine zu hohe oder zu tiefe Position dieses Anbauteils haben kann.

Die enorme Bedeutung des richtigen Reifendrucks umreißt er ebenfalls vom trockenen Lehrersessel aus. Bevor er den einzigen anwesenden Schüler endlich in den Praxisunterricht schickt, lüftet er das Geheimnis der speziellen Optidriver+-Version, die Bleifussfahrern den Gasfuß liften wird. „Da es immer wieder Fahrer gegeben hat, die das automatisierte Getriebe im Premium stets über den Kick-down-Modus bewegten und sich anschließend über den drastisch gestiegenen Kraftstoffverbrauch beschwert haben, ist dieser bei der aktuellen Software des Getriebes einfach nicht mehr vorhanden.“


Zurückhaltender Klassensprecher

Die erste Stunde Praxisunterricht führt uns in unserem rollenden Klassenzimmer endlich in Richtung Autobahn. Obwohl der Sattelzug an diesem Tag noch keinen einzigen Meter zurückgelegt hat, wirkt der kalte 11-Liter-Motor vom ersten Meter an auffallend kultiviert. Mit 460 PS hat er gegenüber seinem Vorgänger nochmals um 10 PS zugelegt. So stark wie jetzt war der Renault Premium noch nie.

Der 6-Zylinder-Reihenmotor aus Lyon frönt mit nur 10,8 Liter Hubraum zwar dem Downsizing-Prinzip, trägt jedoch in Sachen Drehmoment angenehm dick auf. Die maximal 2.200 Newtonmeter stehen von 950 bis 1.400 U/min zur Verfügung. Moderate Drehzahlen sind damit nicht nur bei Autobahntouren keine fromme Wunschvorstellung. Die mittlerweile dritte Generation des Optidriver-Getriebes ist längst über alle Zweifel erhaben und dürfte sich bei einer mündlichen Prüfung nach kurzer Zeit mit einem 1- setzen.

Das vielleicht zu strenge Minus hinter der Note geht dabei auf das Konto des dazugehörigen Lenkstockhebels. Dieser geht in der Masse der Hebel am Lenkstock einfach zu leicht unter. Bis zu vier Bedienebenen pro Seite sind einfach zu viel. Außerdem steht der Lenkstockhebel für die Scheibenwischer mit seiner 2-Uhr-Position eindeutig zu weit nach oben.


Geräumiger Lehrsaal

Mit Motortunnel und begrenztem Stauraum kann die Kabine des Renault Premium Optifuel dem unangetasteten Star im Fernverkehr, dem Magnum, natürlich keinesfalls das Wasser reichen. Darf es, um im Schuljargon zu bleiben, statt dem Audimax der Uni Wien auch ein Klassenzimmer für nur 26 Schüler sein, ist das Platzangebot im kleineren Franzosen die bessere Wahl. Ablagemöglichkeiten sind für Fahrer und Beifahrer mehr als ausreichend vorhanden.

Bei der in der Praxis zu annähernd 100 Prozent vorkommenden Besetzung mit nur einem Fahrer lässt sich dessen Gepäck spielend auf der oberen Liege verstauen. Auf den Komfort von feschen Kasterln im hinteren Teil der Kabine muss man zwar verzichten, aber die gibt´s auch im Magnum nicht. Nach wie vor up to date präsentiert sich der unter der unteren Liege versenkbare Eiskasten. Der in herausgezogener Position übrigens ein zugegeben kleines Manko des Innenraumes kaschieren hilft.

Der Motortunnel ist bestimmt leicht zu reinigen und strapazierfähig, gehört in diesem Outfit aber eher in ein Baufahrzeug. Auf der Langstrecke darf es definitiv mit mehr Chic zugehen. Und wenn schon die Designer ihren Senf abbekommen: Ein behutsames Update hätte sich das Material des Armaturenträgers schon verdient. Hört ihr den Löwen mit den vier Ringen unter den Augen nicht brüllen?


Positive Stundenwiederholung

Konkrete Ergebnisse, wie sich der Renault Premium Optifuel auf der Straßengüterverkehr-Teststrecke schlägt, bleibt der 40-Tonner in diesem Fall leider schuldig. Die Regenmassen des heurigen Frühjahrs haben auch unserem Testtermin einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Bei der Handlingfahrt auf der Südautobahn (A2) von Tribuswinkel in Richtung Graz haben wir daher bewusst auf die Aufzeichnung der Daten verzichtet.

Als übermittelten Anhaltswert haben wir wenigstens den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch der Überstellfahrt von der Schweiz nach Österreich aus dem Kraftstoffmessgerät ausgelesen. Auf dieser mehr als 800 Kilometer langen Fahrt vom Großraum Zürich nach Tribuswinkel genehmigte sich der 10,8-Liter-Motor durchschnittlich 28,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Ergänzende Aufzeichnungen über den AdBlue-Verbrauch sind allerdings keine vorhanden. Am erst in der jüngeren Vergangenheit außen wie innen runderneuerten Gesamtkonzept des Renault Premium würden wir, abgesehen von kleinen optischen Retuschen im Innenraum, momentan nichts ändern.

Die stärkste Motorisierung mit 460 PS passt perfekt zu seinen angedachten Einsatzgebieten, die Arbeitsweise des automatisierten Getriebes ist ohnehin ein Gedicht. In der aktuellen Variante kann der Sparefroh aus Lyon damit locker mit allen direkten Wegbegleitern mithalten. So richtig auf und davon fahren wird ihm derzeit kaum einer von ihnen. Das kann sich mit den ersten serienreifen Euro 6-Fahrzeugen natürlich schleunigst wieder ändern.
Fazit: Wenn Sparen nur immer so leicht von der Hand ginge.

Autor/in:
Redaktion Straßengüterverkehr
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