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Alles Corona oder was?

27.04.2020

Kommentar von Günther Reder

Günther Reder, Obmann der Fachgruppe Güterbeförderungsgewerbe Vorarlberg
Zur Person

Michael Zimmermann ist Obmann der Fachgruppe für das Güterbeförderungsgewerbe Vorarlberg. Diese ist unter der E-Mail-Adresse transport@wkv.at erreichbar. 

Die derzeitigen Veränderungen, Vorkommnisse und Verunsicherungen zwingen uns alle, sowohl in der Interessenvertretung als auch in der Branche radikal umzudenken und neue Wege zu beschreiten. Eine verstärkte Mitglieder-, Image- und Informationsarbeit ist daher aus meiner Sicht ein absolutes Gebot der Stunde.
 
Lassen Sie mich gleich mit dem Thema „Image- und Öffentlichkeitsarbeit“ beginnen: Es war immer mein Ziel ein gemeinsames Branchen-Auftreten wieder zu forcieren. In ersten Schritten haben wir uns auch nun entschlossen die Krise auch als Chance zu sehen und via Social Media Kampagne, mit dem Titel „Wahre Friends sind immer da – #ohnewennundaber" auf www.facebook.com/dietransporteure gerade jetzt in der Krise auf die Unverzichtbarkeit des Lkw und unserer Dienstleistungen hinzuweisen. Dass diese Botschaften und unsere Dienstleistungen positiv ankommen und wahrgenommen werden, zeigt sich u.a. auch in einer Videobotschaft an die Transportunternehmer und -innen, als auch deren Lenker und Lenkerinnen, durch Fr. BM Leonore Gewessler. Nichtsdestotrotz ist es mir besonders wichtig darauf hinzuweisen, dass SIE maßgeblich zum Erfolg dieser Kampagne, nämlich durch aktive Teilnahme auf Facebook, beitragen können und ausdrücklich aufgefordert sind mitzumachen, um so die Reichweite zu steigern!
 
Eine ausdrückliche Warnung: Die Corona-Krise zeigt auch ihre wirtschaftlichen Schattenseiten und diese werden dramatisch ausfallen. Persönliche Gespräche, Telefonate und Nachrichten zeigen mir, zwar noch ein unterschiedliches Stimmungsbild, von „bei mir steht alles“ bis hin zu „bei mir rollt alles“, jedoch herrscht auch eine große Verunsicherung über „das Morgen“ vor. Maßgeblich wird sein, wie und ob sich die Corona-Schutzmaßnahmen  positiv entfalten und wie die Wirtschaft, auch im internationalen Kontext mit unseren wesentlichen Handelspartnern, sowie in den Schlüsselindustrien, sich entwickelt. Für Österreich, ganz konkret, geht man von einer Corona-induzierte Rezession (Wirtschaftsrückgang) im Ausmaß zwischen -0,6% bis -4,5% des BIP für 2020 aus. 

Noch ist unklar, ob es 2021 eine rasche oder eine langsame Erholung gibt, doch entscheidend ist, dass Sie sich mit Ihren Unternehmen darauf einstellen MÜSSEN und sich bereits jetzt auch über Kundenbeziehungen und Personallösungen (Kurzarbeit, Wiedereinstellungszusagen, Abbau von Überstunden/Urlaub) dringend Gedanken machen und Pläne erarbeiten müssen. Seriöse Prognosen wie lange die Talsohle der wirtschaftlichen Flaute anhält, gibt es nicht, von daher richte ich noch einmal den dringenden Appell an Sie sich unternehmerisch mit mittel- bis langfristigen Strategien zu wappnen, denn das heutige Tagesgeschäft kann es morgen schon nicht mehr geben.
 
In der Krise zeigt sich auch wieder einmal in aller Deutlichkeit das „Hauen und Stechen“ auf politischer Ebene in Form von nationalen Egoismen. Nur allzu gerne wirft man jetzt der Europäischen Union Versagen im Krisenmanagement vor, verschweigt aber, dass es die jeweiligen Nationalstaaten sind, die mit völlig unterschiedlichen Regelungen zu Grenzkontrollen, Pendlern und Ausnahmeregelungen jeden Unternehmer zur Verzweiflung bringen. Nahezu täglich ändern sich in einzelnen Ländern die Vorgaben, einen rechtssicheren Überblick hier zu bewahren ist schier ein Ding der Unmöglichkeit. 

Doch davor warne ich auch „im Kleinen“, denn – wie die Erfahrung zeigt – geht wirtschaftlicher Abschwung mit einer ruinösen Transportpreisspirale nach unten einher und die Branche beginnt sich in den Kundenbeziehungen gegenseitig zu „kannibalisieren“, nur um irgendwie Umsatz zu generieren. Das ist zwar aus der Sicht des Einzelnen nachvollziehbar, doch hat – wenn alle gleich denken – fatale Folgen für die gesamte Branche, die jahrelang negativ spürbar sein werden. Mein Appell daher an Sie: Setzen Sie nicht auf die kurzfristige Preisdumping-Karte, sondern versuchen Sie langfristige, vertragliche Geschäftsbeziehungen zu fairen und transparenten Konditionen aufzubauen! 
 
Auch wenn momentan kein realistisches Ende der Corona-Krise absehbar ist, so wird es doch irgendwann zu Ende geben. 
In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund und halten Sie durch!

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