Direkt zum Inhalt

Arbeit genug?

27.09.2016

Laut den offiziellen Erhebungen ist die Zahl der Arbeitslosen in Österreich aktuell mit 389.000 Personen leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen und nach wie vor auf einem Rekordhoch.

Damit liegen wir mit einer Arbeitslosenquote von sechs Prozent im EU-Vergleich mittlerweile nur noch an sechster Stelle, knapp gefolgt von Polen und Rumänien. Kein Wunder, könnte man meinen, sind doch viele der einst dortigen Arbeitslosen mittlerweile ja bei uns beschäftigt. Das wäre aber zu banal. Vielmehr stellt sich die Frage: Sind viele der 389.000 arbeitslosen Österreicher vielleicht gar nicht an Arbeit interessiert? Reicht den meisten vielleicht doch Arbeitslosengeld oder Mindestsicherung?

Vielleicht gibt es ja abseits der Registrierkassa doch noch da und dort Möglichkeiten sich nebenbei unter der Hand ein wenig dazu zu verdienen? Bei Besuchen in heimischen Betrieben höre ich – genauso wie meine Redaktionskollegen – jedenfalls immer wieder, dass Unternehmer keine Arbeitskräfte finden. Ja, Facharbeiter gibt’s eh nie die passenden. „Aber auch die hinterher arbeiten, find ich nicht“, sagte mir ein Unternehmer jüngst. „Und die, die vom AMS geschickt werden, wollen zumeist eh nur den Stempel“, so sein Nachsatz. Persönliches Negativ-Highlight bei der Fahrersuche: „Ja, ich würde gerne sofort anfangen, aber in zwei Wochen bin ich für drei Wochen auf Griechenland-Urlaub.“ Ein anderer jüngst eingestellter Fahrer war nach dem ersten Wochenende in der Heimat in Serbien nicht mehr erreichbar … 

VIEL ARBEIT ZUR IAA

Ich will Arbeitslose keineswegs pauschal verteufeln. Aber speziell im Bereich der niedrigen Löhne, gepaart mit aufwändiger, vielleicht unattraktiver Tätigkeit, ist die Arbeitsmoral sehr niedrig geworden. Und die Bereitschaft, mit dem Arbeitslosengeld auszukommen, im Gegensatz dazu sehr hoch! Irgendwie läuft alles ­völlig falsch am heimischen Arbeitsmarkt. Das Delta zwischen Arbeitslosengeld und niedrigem Reallohn ist definitiv zu gering. Oder müssen wir einfach nur akzeptieren, dass es eine gewisse Anzahl an Mitbürgern gibt, der das Arbeiten auch in Zukunft zuwider ist. Auf jeden Fall sollten die verantwortlichen Stellen künftig ihre Kommunikation zu diesem Thema überdenken und die Wahrheit sagen. Denn: Es kann nicht sein, dass Unternehmer keine Arbeitskräfte finden und auf der anderen Seite unentwegt über Rekordarbeitslosigkeit gesudert wird! 
Arbeit genug hatte man zuletzt bei Scania: Besser gesagt, die letzten 10 Jahre – solange entwickelte man an seiner neuen Lkw-Baureihe. So mancher mag sich auf den ersten Blick mehr erwartet haben, unsere ersten Fahrtests zeigen allerdings, dass man gutes verfeinert hat, ohne den großen optischen wie technischen Cut. Überraschungen mit Innovationen die längst in der Pipeline stecken, wie beispielsweise Kameras statt Rückspiegel, vermisst man dann doch. VW- bzw. MAN-Know-how ist hier übrigens (noch) keines eingeflossen, wie uns VW Truck-Chef Andreas Renschler in Beantwortung unserer „3 Fragen“ auf Seite 8 versichert. Alles zur neuen Scania Lkw-Generation. 

Schon allein der neue Scania wird zahlreiche Besucher ab 22. September auf die IAA nach Hannover locken. Man sei praktisch ausgebucht, versichert Matthias Wissmann, Präsident des veranstaltenden deutschen Automobilverbands VDA. „Mit 270.000 Quadratmetern belegter Ausstellungsfläche ist dies eines der besten Ergebnisse seit Beginn der eigenständigen IAA Nutzfahrzeuge im Jahr 1992“, jubelt er. Ein IAA-Besuch lohnt sich also – auch wenn alle 2.000 Aussteller zu besuchen definitiv in Arbeit ausarten würde.  

Autor/in:
Marco Dittrich
Werbung

Weiterführende Themen

Meinung
25.03.2016

Bei all der Diskussion um die flächendeckende Maut oder um Lkw-Fahrverbote stellt sich immer wieder die Frage: Wen juckts? Dem Transportgewerbe sollte es eigentlich wurscht sein. Ja, natürlich ist ...

Meinung
22.02.2016

Es rumort in der heimischen Lkw-Branche: Die Spitzenmanager wechseln bzw. werden schneller ausgetauscht als je zuvor. Unmittelbar vor Redaktionsschluss verabschiedete sich Volvo/Renault-Chef ...

Werbung