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Billigprämien können existenzgefährdend sein

30.10.2007

„Wir haben ein um 300,- Euro pro Lkw und Jahr billigeres CMR-Gegenoffert“ – mit diesen oder ähnlichen Aussagen sind etablierte Versicherungsbüros häufig konfrontiert. Vergleicht man Versicherungsdeckungen und Prämien unterschiedlicher Produkte, stellt man schnell fest, dass vermeintlich billigere Produkte ihre Fußangeln haben können.

Die für den Versicherungsnehmer gefährlichsten dieser vertraglichen Fallen liegen demnach in den Bereichen
- Prämienregulierung
- Ausschlüsse/Obliegenheiten
- von unbekannten, weil nicht erklärten Versicherungsbedingungen und -klauseln.
Die folgenden Praxisbeispiele zeigen, dass interessierte Versicherungsnehmer nicht nur den Preis bzw. die Prämie vergleichen, sondern vielmehr Preis und Deckung gegenüberstellen sollten.

Unkalkulierbare Prämienbelastung

Prämienseitig von unvorhersehbarer Auswirkung ist eine Vereinbarung wie:
„Es werden die ausgezahlten Versicherungsleistungen ins Verhältnis zu den vereinnahmten Prämien (…) des Versicherungsjahres gesetzt. Reservierte Schäden fließen in die Berechnung (…) ein. Beträgt die daraus errechnete Quote mehr als 65%, so wird für das laufende Jahr ein Zuschlag erhoben, der sich wie folgt errechnet:

Schadenquote Zuschlag
65% bis 80% 15%
81% bis 100% 30%
über 100% nach Vereinbarung


Kommt innerhalb eines Monats (…) keine Einigung zustande, sind die Versicherer berechtigt, den Vertrag mit einer Frist von einem Monat zu kündigen oder ab dem gleichen Zeitpunkt einen Prämienzuschlag von mindestens 80% auf die letzte Prämie zu berechnen.“
Eine derartige Vereinbarung bedeutet, dass die Prämie innerhalb des laufenden (!) Versicherungsjahres automatisch und nachträglich bei Erreichen der genannten Quoten erhöht wird, bei entsprechend großen Schäden sogar in unbestimmter Höhe.
Der Versicherungsnehmer kann also nicht mit einer für das gesamte Jahr fixierten Prämie kalkulieren. Eine Prämieneinsparung zu Beginn des Vertrages kann sich somit sehr schnell – und dank Unterschrift des Versicherungsnehmers – in eine vorweg akzeptierte wesentlich höhere, unkalkulierbare Prämienbelastung verwandeln.

Ausschlüsse und Obliegenheiten

Von besonderer, weil die wirtschaftliche Existenz des Versicherungsnehmers gefährdender Bedeutung ist in Versicherungsbedingungen der Bereich „Ausschlüsse“ und „Obliegenheiten“. Ein Verstoß gegen diese kann den Versicherer zur Gänze von der Leistungsverpflichtung befreien.
In der Praxis schwer zu erfüllen (weil z.B. bewachte Parkplätze nicht vorhanden oder zu weit entfernt sind) erweisen sich bedingungsgemäße Obliegenheiten wie „beladene Fahrzeuge (dürfen) nicht unbewacht über Nacht (von 22.00 bis 6.00 Uhr) oder an Wochenenden oder Feiertagen abgestellt werden“ sowie „bei grenzüberschreitenden Transporten (dürfen) beladene Fahrzeuge/Fahrzeugeinheiten nicht länger als 15 Minuten verlassen werden, wenn diese unbewacht sind“.
Weil diese Auflagen nach Meinung deren Autoren noch nicht reichen, sind auch nicht näher definierte „Diebstahlsicherungen“ zu verwenden.
Der Beweis, dass der Schaden während dieser Zeiten und unter Nichtanwendung aller Diebstahlsicherungen eingetreten ist, wird dem Versicherer in nicht wenigen Fällen gelingen. „Und damit kann bei einem größeren Schaden (noch verstärkt, wenn grobe Fahrlässigkeit gefordert wird) die wirtschaftliche Existenz des Versicherungsnehmers bedroht sein – die Haftung nach CMR bleibt ja unabhängig von der Versicherungsdeckung bestehen“, meint man beim Versicherungsbüro Fiala. Auch gerichtliche Abwehrkosten würden vom Versicherer in so einem Fall nicht übernommen werden. Zumindest ein Auslegungsstreit mit dem Versicherer scheint vorprogrammiert.

Selbstbeteiligung

Der Hinweis in den „Allgemeinen Versicherungsbedingungen“, dass keine „allgemeine Selbstbeteiligung“ vereinbart ist, lässt die Vermutung zu, dass in „Besonderen Versicherungsbedingungen“ vielleicht doch eine Selbstbeteiligung vorgesehen ist – wahrscheinlich dann eine „besondere Selbstbeteiligung“. Und dann wäre die vermeintlich günstige Prämie schon wieder nicht so günstig . . .
„Dem Versicherungsnehmer eine kurze Zusammenfassung nur der positiv erscheinenden Vertragsinhalte stichwortartig zu unterbreiten und damit den gesamten Vertragsinhalt in den Hintergrund treten zu lassen, entspricht nach unserem Verständnis keiner seriösen Kundenberatung“, so die Fiala-Experten. „Die derartigen Zusammenfassungen zugrundeliegenden Versicherungsbedingungen können ja die oben erwähnten oder ähnliche Beispiele enthalten.“
Damit zeigt sich, wie wichtig es ist, die Deckungsinhalte der verschiedenen CMR-Anbieter einer genauen Überprüfung und einem Vergleich Prämie/Deckung zu unterziehen.
Aus einfachen wirtschaftlichen Überlegungen der Versicherer ist es unmöglich, einen Rolls Royce zum Preis eines „Trabi“ zu verkaufen, bringen die Fiala-Verantwortlichen einen bildlichen Vergleich. „Kein Versicherer kann es sich leisten, mittelfristig nicht zumindest ausgeglichene Ergebnisse zu erwirtschaften.“
Um dem Kostendruck des Transport-/Speditionsgewerbes bei unveränderter Praxisorientierung und Seriosität entgegenkommen zu können, bietet Fiala im Bereich CMR-Versicherungen seit kurzem zwei neue, überarbeitete Produkte an:einerseits ein sehr günstig kalkuliertes Basisprodukt, das mit festgelegten, die wirtschaftliche Existenz nicht gefährdenden, Selbstbehalten eine ausreichende CMR-Versicherungsdeckung bietet, sowie
ein etwas teureres, zur Vermeidung einer kostenintensiven beiderseitigen Verwaltung mit überschaubaren, niedrigeren Selbstbehalten ausgestattetes Produkt.
Beiden gemeinsam ist die identische Versicherungsdeckung ohne versteckte Ausschlüsse, unerfüllbare Obliegenheiten oder in das laufende Jahr wirkende Prämienregulierungsklauseln, aber mit größerer Flexibilität in der Höhe der Prämien und Haftungssummen.
Ebenfalls neu ist die in die Prämie inkludierte Deckung von „Havarie Grosse“-Beiträgen für das Fahrzeug inkl. Anhängern und Aufliegern im Fall von See-/Fährtransporten – mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben.

aus: Strassengüterverkehr 10/07, S. 34f

Autor/in:
Redaktion Straßengüterverkehr
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